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Der KIL-O-METER-Adventskalender 2016
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sweetums
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BeitragVerfasst am: 10.12.2016, 00:22    Titel: 10. Dezember Antworten mit Zitat

Mögest du starke Wurzeln haben, die dich halten in den wechselhaften Winden der Zeit. Möge Freude stets dein Herz erfüllen, Gottes Kraft sollst du spüren allezeit.


Aber zur Geschichte sollte Sofie an diesem Tag nicht mehr kommen.

Vor der Schule angekommen, trafen sie auf Pauls Mutter, die ihre Tochter gerade zur Schule brachte. „Guten Morgen, das ist ja toll, dass ich Sie hier treffe. Paul wollte so gern heute mit Ben spielen. Da wollte ich fragen, ob Ben heute gleich nach dem Kindergarten mit zu uns kommen kann.“ „Von mir aus gern“, sagte Sofie. „Ben was meinst du, möchtest du gleich nach dem Kindergarten zu Paul?“ „Oh toll, dann können wir ganz lange spielen.“ Ben strahlte. „Dann kann ich doch Ben mit zum Kindergarten nehmen, wenn es Ihnen Recht ist, dann könnten wir auch gleich seinen Kindersitz in mein Auto umladen.“ Gesagt, getan und nun konnte Sofie sich ohne weitere Wege in ihre Arbeit für den Abend stürzen.
Gerade wollte sie losfahren, als Tina auf sie zugerannt kam, Lotti im Schlepptau. „Mami, darf ich nach der Schule zu Lotti, ihre Mama steht da hinten und sie hat es erlaubt. Aber sie will kurz mit dir reden.“ Sofie lächelte: „Ja ist ok und ich rede gleich noch mit deiner Mutter. Viel Spaß nachher.“ Die Mädchen rannten in die Schule und Sofie ging zu Charlottes Mutter, um die Einzelheiten zu klären. Fünf Minuten später stieg sie wieder in ihr Auto und lächelte. Sie hatte plötzlich mehr Zeit als erwartet, um alles für den Abend zu erledigen.

Zu Hause angekommen stürzte sie sich aufs Putzen und Vorbereiten. Sie wollte so viel wie möglich im Vorfeld fertig haben, damit sie am Abend nicht nur in der Küche stehen musste. Aber das hatte sie schon lange gut im Griff und so klappte alles perfekt. Die Tischdeko aus Tannenzeigen, Bändern, Kerzen und Kugeln sah perfekt aus, die Gläser funkelten im Licht und alles strahlte. War Matthias jemals aufgefallen, wie perfekt der Tisch immer gedeckt war? Jedenfalls hatte er bisher nie etwas dazu gesagt.

Als fast alles fertig war, ging Sofie duschen und sich umziehen. Kurz darauf trudelten auch ihre Kinder ein. Alle hatten schon gegessen und so blieb Sofie nur noch, Ben ins Bett zu bringen. Er durfte sich noch eine CD anhören und danach war Schlafenszeit. Die beiden Großen würden später zu Bett gehen, da musste Sofie sich ja nicht mehr drum kümmern.
Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass die Gäste in einer halben Stunde da sein würden und von Matthias noch keine Spur. Sofie wollte ihn gerade anrufen, als er durch die Haustür kam. Er sah müde aus, hatte tiefe Schatten unter den Augen und ließ seine Schultern hängen. „Matthias ist alles in Ordnung?“ Sofie war besorgt. „Ja, sicher nur ein Virus. Ich gehe mich schnell umziehen, tut mir leid, dass ich so spät bin.“ Er ging, nein er schleppte sich die Treppe nach oben.

Die Gäste waren pünktlich und der Abend verlief wie immer. „Ich bekomme einen neuen Wagen zu Weihnachten, einen schnuckeligen kleinen BMW.“ „Weißt du schon, dass wir über Weihnachten nicht da sein werden? Wir genießen Sonne, Strand und Meer und ich habe mir einen heißen Bikini gekauft.“ „Ich habe einen neuen Steuerberater. Scheint ein fähiger Mann zu sein. Bei dem ist meine Steuererklärung sicher in den besten Händen.“ „Unser Sohn bekommt zu Weihnachten ein Surfbrett und einen Gutschein, um im Urlaub Unterricht bei einem Profi zu nehmen.“ „Ich werde faul am Strand liegen und mir die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.“ Hoffentlich vergisst sie die Sonnencreme nicht, dachte Sofie. Ihr Kopf tat weh von diesem ganzen Stimmengewirr. Sie war froh, dass sie zwischendurch immer mal wieder in die Küche musste. Aber auch dieser Abend ging vorbei. Nachdem sich alle verabschiedet hatten, machte Sofie sich ans Aufräumen. Matthias kam herein und sagte: „Sei nicht böse, aber ich gehe schon mal schlafen. Bin total fertig und mein Kopf platzt gleich.“ Sofie musste schlucken und sich auf die Zunge beißen, um nichts Falsches zu sagen. Nachdem sie noch einmal tief Luft geholt hatte, sagte sie: „Gute Nacht und gute Besserung.“ Dann drehte sie ihm den Rücken zu und räumte auf.


Kapitel 9
8. Dezember

Ben störte sich nicht daran, dass es für seine Eltern eine lange Nacht gewesen war. Fröhlich sang er das Schneemannlied und kam die Treppe herunter gehüpft. „Mami, guten Morgen. Auf dem Paket heute ist ein Stall. Ich weiß warum, weil da die Tiere reinkommen.“ Er kicherte, als er Sofies Gesicht sah. „Mami du guckst ganz verknittert.“ „Weil sie müde ist, Ben,“ sagte Tina, die gerade in die Küche kam. „Ich habe das Paket und den Brief mitgebracht. Sven kommt sofort und was ist mit Papa?“ „Der schläft noch und steht erst später auf.“ „Na toll“, grummelt Sven, dann hätte ich ja auch noch 10 Minuten länger schlafen können.“ Sofie musste Sven recht geben, aber sie sagte: „Euer Vater hat sich wohl einen Virus eingefangen. Wenn es nicht besser wird, muss er zum Arzt.“
Um weitern Gesprächen in dieser Richtung aus dem Weg zu gehen, nahm Sofie den Umschlag und holte den Brief heraus.

Liebe Sofie,
kannst du dich daran erinnern, was bei uns in der Adventszeit immer am Wichtigsten war? Vielleicht lässt du deine Kinder einmal raten. Ich habe diese Zeit immer sehr genossen, weil wir Zeit füreinander hatten. In der Hektik der Zeit sind Ruhepausen wichtig. Und mehr als große Geschenke zählt die Liebe zueinander.

Viel Spaß
Mama


„Was meint Oma denn? Ich kann das nicht raten.“ Ben war neugierig, Sven strahlte nur Ablehnung und Langeweile aus. Tina runzelte die Stirn. „Habt ihr abends zusammen gegessen und so?“ „Ja meistens, aber das meinte meine Mutter nicht. Aber ich weiß, worauf sie hinaus will. Und wenn ich mir das Paket so angucke, dann weiß ich auch, was darin ist.“ „Was denn? Mama mach es nicht immer so spannend.“ Tina und Ben konnten es kaum erwarten. Sofie lächelte und meinte: „Kennt ihr Vater Martin? Nein, sicher nicht. Das ist eine ganz tolle Geschichte und ich habe sie als Kind geliebt. Wir haben nach dem Abendessen immer Kerzen angezündet und dann hat meine Mutter etwas vorgelesen oder mein Vater hat eine Geschichte erzählt oder sie haben etwas von ihrer eigenen Kindheit berichtet. Das war toll und wir hatten so jeden Tag etwas, auf das wir uns alle gefreut haben.“

Matthias, der vor der Küchentür stand, machte ein bekümmertes Gesicht. Er wollte in die Küche zu seiner Familie, aber irgendwie schaffte er es nicht. Und während Sofie das Paket auspackte und den Kindern das ramponierte Buch über Vater Martin zeigte, schlich er sich die Treppe wieder hoch.

Der Tag verging, wie alle Tage, nur der Abend war etwas anders. Sofie saß mit den Kindern im Wohnzimmer. Matthias war noch nicht zu Hause, Sven saß muffelig im Sessel, aber trotzdem las Sofie die Geschichte von Vater Martin vor. Sie würde sich nicht die Laune verderben lassen. Und keiner sollte ihr die Zeit mit Tina und Ben madig machen.
„Mami, das war toll, machen wir das jetzt jeden Abend?“ Ben strahlte Sofie an. „Wir werden es zumindest versuchen.“ „Ich hab dich lieb Mami.“ „Ich dich auch Ben.“
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<b>Auch Männer können lieb und aufmerksam sein!</b>

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BeitragVerfasst am: 11.12.2016, 00:19    Titel: 11. Dezember Antworten mit Zitat

Ist es nicht gut und voller Trost mit dem Segen Gottes. Tausend Segen Gottes mögest du erhalten.

Kapitel 10
9. Dezember

Sofie hatte in der Nacht wenig geschlafen. Matthias war erst nach 22 Uhr zu Hause gewesen. Es gab Komplikationen bei einem wichtigen Prozess. Er war ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen.
Müde quälte Sofie sich aus dem Bett, ging ins Bad und anschließend in die Küche. Ben kam die Treppe herunter gerannt und warf sich in ihre Arme. „Mama, liest du mir heute nach einmal die Geschichte von Vater Martin vor? Ich fand die toll.“ „Heute Abend kann ich sie dir vorlesen, wenn du im Bett liegst.“ Sie küsste ihn auf die Nasenspitze und er kicherte.
Tina rief von oben: „Ben willst du mir helfen oder soll ich den Brief und das Päckchen abmachen.“ „Mach du mal“, rief er zurück. Kurz darauf erschienen Sven und Tina in der Küche. „Ich hole Papa.“ Mit diesen Worten schoss Ben aus der Küche und die Treppe hoch. Zwei Minuten später war er wieder da. „Papa hat ganz dolle Kopfschmerzen. Wir sollen ohne ihn lesen.“ Sofie war sauer, versuchte es aber zu verbergen. Sie nahm Tina den Brief ab. Auf dem Umschlag war wieder ein Stern.“Das Päckchen ist ganz leicht, hat aber eine komische Form“, meinte Tina und legte es auf den Tisch.

Liebe Sofie,
es gab eine Zeit, da hast du viel und gern gebastelt. Gerade in der Adventszeit sah es in deinem Zimmer manchmal chaotisch aus. Überall lagen Papierbögen, Kleber, Schere und angefangene Bilder oder Bastelarbeiten herum. Du hast kleine Faltschachteln gebastelt und Kekse hineingelegt, um sie seinen Freundinnen zu schenken. Und in einem Jahr hast du etwas gebastelt, das dich dann so richtig gepackt hat. Davon hast du so viel gebastelt, dass wir gar nicht wussten, wo wir sie alle aufhängen sollten. Na, klingelt da etwas bei dir?
Wir wünschen euch einen Tag, an dem ihr gemeinsam schöne Stunden zusammen verbringt.
In Liebe Mama


„Oh nein“, Sofie schauderte gespielt, „nicht das. Bitte, bitte, lass es nicht das sein.“ Ben sah sie ernst an. „Mami was ist los?“ Nun grinste Sofie und meinte: „Ich kann mir denken, was darin ist.“ Sie nahm das Päckchen, wickelte es vorsichtig aus und hielt einen seltsamen Stern in der Hand. „Was ist das denn?“ Tina nahm den Stern in die Hand und sah ihn sich genauer an. „Der sieht aber toll aus und sehr schwierig zu basteln.“ „Das ist ein Fröbelstern und ich kann euch sagen, es hat lange gedauert, bis ich ihn basteln konnte. Aber danach habe ich wie wild nur noch Fröbelsterne gebastelt.“ „Kannst du mir das beibringen?“ Tina sah gespannt zu ihrer Mutter. „Nein, erst Apfelmännchen basteln, das hast du versprochen.“

Sofie überlegte einen Moment, dann meinte sie: „Ok, ich habe einen Vorschlag. Morgen ist Samstag, da können wir am Nachmittag basteln. Erst die Apfelmännchen und danach die Fröbelsterne, wer dann noch Lust hat. Am Sonntag können wir dann über den Weihnachtsmarkt gehen und da auch Essen. Was sagt ihr?“ „Sonntag geht nicht, da sind wir bei Herrn Schröder und seiner Frau zum Essen eingeladen. Die ganzen Partner und ihre Frauen kommen. Wir können uns nicht ausschließen.“ Matthias müde Stimme erschreckte Sofie. „Oh nein, Papa wir wollten doch auf den Weihnachtsmarkt. Das habt ihr versprochen.“ Ben standen vor Enttäuschung die Tränen in den Augen. „Es gibt ja noch einen Adventssonntag, als schimpft nicht. Beeilt euch lieber und werdet fertig, sonst kommt ihr noch zu spät.“ Matthias nahm sich einen Kaffee und setzte sich an den Tisch. Er sah Sofie nicht an und das war vielleicht auch gut so. Sie kochte vor Wut und hätte ihm am liebsten irgendetwas an den Kopf geworfen. Aber sie beherrschte sich. „Wenn es dir nicht gut geht, solltest du vielleicht zum Arzt gehen“, sagte sie leise. „Nein, alles in Ordnung. Ich habe gleich einen wichtigen Termin und keine Zeit zum Arzt zu gehen.“

Sofie sammelte nach dem Frühstück die Kinder ein und brachte sie in Schule und Kindergarten. Danach fuhr sie einkaufen und bummelte durch das größte Bastelgeschäft der Stadt. Sie kam sich vor wie ein Kind im Süßwarenladen. Früher hatte sie viel Freude am Basteln, aber jetzt hatte sie viel zu wenig Zeit. Aber da sie am nächsten Tag mit den Kindern basteln wollte, kaufte sie Papierstreifen für Fröbelsterne, Buntpapier, Folie, Watte, Klebstoff, Bastelscheren und noch so einiges mehr. Dann fuhr sie nach Hause.

Matthias hatte eine Nachricht hinterlassen. Er würde erst spät kommen, sie müssten ohne ihn essen. Sofie ließ sich in einen Sessel fallen und dachte. „So viel zum Thema, ich werde es versuchen…“ Es gab immer wieder einen neuen Klienten, einen neuen Fall, einen neuen Prozess. Die Kanzlei war seine Familie. Sofie begann zu weinen. Warum waren die anderen Dinge immer wichtiger, als seine Familie? Bald waren die Kinder groß und dann brauchten sie ihren Vater auch nicht mehr.

Das Telefon klingelte und müde ging Sofie ran. Es war eine gute Bekannte, mit der Sofie sich ab und zu zum Schwimmen traf. Viel zu selten, nach Sofies Geschmack, aber besser als gar nichts. Silke war ganz aufgeregt. „Gestern war ich mit meiner Schwester zum Walken verabredet und was meinst du, was sie mir erzählt hat? Na blöde Frage, kannst du ja nicht wissen. Du kennst doch Karin, die manchmal mit uns zum Schwimmen kommt. Also die ist gestorben.“ Sofie musste das erst einmal verdauen. „Woran ist sie denn gestorben, hatte sie einen Unfall?“ „Nein, sie hatte einen Herzinfarkt und ist einfach umgefallen. Sie ist nur 42 Jahre alt geworden. Die Beerdigung ist am Dienstag. Willst du hingehen?“ Sofie war geschockt, Karin war so eine fröhliche Person gewesen. Und mit 42 sollte niemand sterben. „Sofie, was ist nun?“ „Entschuldige bitte Silke, aber das hat mich umgehauen. Nein, ich werde nicht zur Beerdigung kommen, tut mir leid.“ Sie redeten noch eine Weile über Belangloses, bevor sie sich verabschiedeten.

Sofie war für den Rest des Tages sehr still und nachdenklich. Natürlich las sie Ben das Buch von Vater Martin vor, aber sie war nicht wirklich bei der Sache.
In der Nacht gingen viele Gedanken durch ihren Kopf. Einige davon waren sehr hartnäckig und ließen sich nicht abschütteln. „Das Leben war zu kurz um es zu vergeuden.“ „Wenn der Sinn im Leben fehlt, hat man kein Leben.“ „Zu sagen, dies oder das mache ich später, könnte auch bedeuten, dass man es nie machen konnte.“ „Dass man seine Familie liebt, sollte man nicht nur denken, sondern es auch zeigen und vor allem auch sagen, solange man noch konnte.“


Kapitel 11
10. Dezember

Am Samstagmorgen war Sofie sehr bedrückt. Nur für die Kinder nahm sie sich zusammen. Sie sollten von ihrer Traurigkeit nichts mitbekommen. Sie ging langsam in die Küche und blieb verdutzt in der Tür stehen. Ben und Sofie grinsten sie an. Die beiden hatten den Tisch gedeckt und das Frühstück vorbereitet. „Guten Morgen, na das ist ja eine tolle Überraschung.“ Sie nahm die beiden in den Arm und küsste sie auf die Wange. „Das Paket haben wir auch schon mitgebracht“, Ben strahlte sie an. „Da ist ein Teller mit Plätzchen auf dem Umschlag und das Paket ist eckig.“ „Soll ich Papa und Sven wecken oder müssen wir warten, bis sie allein aufwachen?“ Bei dem Gedanken sehen Tina und Ben nicht besonders glücklich aus. „Wisst ihr was, wir lesen den Brief jetzt und machen das Paket auf. Danach frühstücken wir und wenn wir damit fertig sind, basteln wir Apfelmännchen.“ Tina und Ben jubelten vor Freude. Sofie öffnete den Umschlag.

Liebe Sofie,
genieß den Tag mit deiner Familie. Nehmt euch Zeit zum Erzählen. Wie wäre es heute Nachmittag mit Kerzenschein, heißem Kakao, Zimtsternen und einer Geschichte. Wir haben das früher sehr häufig gemacht. An manchen Nachmittagen hast du ein Adventslied auf dem Klavier gespielt und wir haben dazu gesungen. Das ist eine schöne Erinnerung.
Ich hoffe, du nutzt das heutige Geschenk sehr oft.
In Liebe Mama.

Sofie legte den Brief auf den Tisch und öffnete das Päckchen. „Das ist ja ein Kästchen“, sagte Ben. „Ja und da steht etwas drauf. Für schöne Erinnerungen“, las Tina vor. Vorsichtig öffnete Sofie das Pappkästchen und fand noch einen Zettel.

„Liebe Sofie, hier drin ist nur Platz für schöne Erinnerungen. Eine meiner schönsten Erinnerungen habe ich dir schon hineingelegt.“


Ein Bild lag in dem Kästchen und es zeigte ein Ehepaar mit einem winzigen Baby. „Mama, wer ist das und warum sagt Oma, das ist ihre schönste Erinnerung?“ Sofie schluckte, dann antwortete sie. „Auf dem Bild sind meine Eltern und ich. Da bin ich gerade geboren worden und ich denke, dass ich auf der Welt war und gesund, ist für meine Mama wichtig und deshalb ist dieser Tag eine schöne Erinnerung.“
„Was wirst du denn in das Kästchen legen?“ fragte Tina. Aber bevor Sofie noch antworten konnte, meinte Ben: „So ein Kästchen sollte jeder haben.“ Tina nickte und sah Sofie an. „Vielleicht können wir ja Papa zu Weihnachten so ein Kästchen basteln und ein paar schöne Erinnerungen hineinlegen. Meinst du das geht, Mama?“ Sofie fand das eine gute Idee. Sie lächelte die beiden an und dann planten sie die Weihnachtsüberraschung für Matthias.
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BeitragVerfasst am: 11.12.2016, 22:22    Titel: 12. Dezember Antworten mit Zitat

Möge der Segen der auf dir ruht, immer wachsen.


Nach dem Frühstück setzen sich Sofie, Tina und Ben mit den Bastelmaterialien ins Wohnzimmer. Sofie erklärte den Kindern, wie ein Apfelmännchen gebastelt wurde und nach einer Stunde stand eine ganze Apfelmännchenfamilie auf dem Tisch. Sofie holte gerade ihren Fotoapparat, als Sven und Matthias die Treppe herunter kamen.
„Guten Morgen, wir haben schon gefrühstückt. Aber ich habe für euch alles stehen lassen. Ach ja, der Brief und das Päckchen liegen auch auf dem Tisch, falls es euch interessiert.“ Mit diesen Worten rauschte Sofie an ihnen vorbei.
Matthias sah ihr hinterher. Seine Frau war eindeutig sauer und er musste unbedingt mit ihr reden. Er ging mit Sven frühstücken. Sie lasen den Brief, sahen sich das Kästchen an, aber beide waren mit der Situation nicht glücklich. Matthias meinte: „Es macht mehr Spaß, wenn wir alle zusammen sind und auspacken.“ Sven nickte nur. Ben kam in die Küche gesaust. „Guten Morgen, wir haben mit Mama Apfelmännchen gebastelt, eine ganze Familie. Aber Mama hat noch Äpfel, wollt ihr auch basteln?“ „Nein Ben, ich denke nicht.“ Matthias fühlte sich gerade etwas ausgegrenzt und dieses Gefühl gefiel ihm gar nicht. Was Sven dachte, konnte man nicht erkennen, er zeigte sein gelangweiltes Gesicht, als er sagte: „Apfelmännchen sind was für Babys wie dich.“
Aber Ben ließ sich nicht ärgern, er lief wieder zu seiner Mama und Tina. Sofie hatte in der Zwischenzeit ein paar Fotos gemacht und wollte eins davon ausdrucken. Gespannt sah Ben zu, wie das Foto aus dem Drucker kam.

„Jetzt schreiben wir Oma und Opa noch einen Brief dazu und wenn wir heute Nachmittag auf den Weihnachtsmarkt gehen, stecken wir ihn gleich in den Postkasten.“ Tina und Ben sahen Sofie erst einmal sprachlos an, dann brachen sie in Begeisterung aus. „Was ist denn hier los?“Matthias sah seine strahlenden Kinder fragend an. „Wir gehen heute auf den Weihnachtsmarkt.“ Tina strahlte ihn an. „Das wird bestimmt toll.“ Matthias nickte, sah dann Sofie an und sagte: „Kann ich dich bitte kurz sprechen?“ „Klar, ich komme in 5 Minuten.“ Und als sie sah, dass Sven hinter Matthias stand, fügte sie hinzu: „Habt ihr den Tisch abgeräumt? Wenn nicht, ist das ja schnell getan und wir sehen uns dann in deinem Arbeitszimmer.“ Damit wandte sie sich wieder Ben und Tina zu. „Wollt ihr Oma und Opa auch etwas schreiben oder malen? Dann könnt ihr das ja machen, während ich mit eurem Vater rede. Und nach dem Gespräch zeige ich euch dann, wie Fröbelsterne gebastelt werden, wenn ihr Lust habt.“ Die beiden hatten Lust und Sofie ging lächelnd Richtung Arbeitszimmer. Vor der Tür traf sie auf Sven. „Hast du auch Lust, deinen Großeltern etwas zu schreiben? Oder magst du nachher mitbasteln?“ „Nein, ich gehe bis zum Mittag in mein Zimmer.“ Sofie zuckte nur die Schultern und öffnete die Tür.

Matthias kam kurz darauf herein. Er hatte sich gut überlegt, was er sagen wollte, aber dann sagte er genervt: „Wieso sagst du einfach, wir gehen heute auf den Weihnachtsmarkt. Das haben wir gar nicht abgesprochen. Was ist denn bloß los mit dir Sofie.“ Sofie zählte innerlich bis zehn. Sie wollte keine Eskalation. Betont ruhig antwortete sie: „Ich denke, ich kann selber entscheiden, wie ich meinen Samstag verbringen möchte. Und da wir morgen nicht gehen können, habe ich mich entschieden, heute zu gehen. Du und Sven könnt mitkommen, könnt es aber auch bleiben lassen. Ben, Tina und ich werden gegen 16 Uhr losfahren und uns einen lustigen Nachmittag machen. Abendessen wird es hier nicht geben, wir essen auf dem Weihnachtsmarkt. Und wenn du mir nicht noch mehr zu sagen hast, dann gehe ich wieder zu den Kindern.“ Sie sah Matthias abwartend an. „Ich überlege es mir, ob ich mitkomme.“ Das war alles, was er noch sagte. Sofie wollte noch mehr sagen, aber dann ließ sie es. Sie ging zurück ins Wohnzimmer und zeigte den Kindern, wie man Fröbelsterne bastelt. Unter viel Gelächter brachte Tina einen Stern zustande, während Ben sein Bild für die Großeltern fertig malte.

Beim Mittagessen plapperte Ben fröhlich drauf los. Er erzählte seinem Papa von den Apfelmännern, wie die gebastelt werden, dass er Oma einen Brief gemalt hätte und das Tina einen Fröbelstern hinbekommen hatte. Dann fragte er, ob er auf dem Weihnachtsmarkt auch Karussell fahren dürfe und ob er so einen dünnen Pfannkuchen essen könne, und, und, und. Sein Mund stand nur still, wenn er kaute. Sofie lächelte über seine Aufregung und Freude. Manchmal wünschte sie, sie könnte sich auch noch so freuen wie Ben. Sven und Matthias waren sehr wortkarg, aber das war ja normal. Nach dm Essen wollte Sofie wissen, ob die beiden denn nun mitkommen wollten.
„Kein Bock auf Weihnachtsmarkt. Wenn es ok ist, geh ich zu Flo.“ Sven sah Sofie provozierend an. „Ich hab noch eine Akte, die ich unbedingt durchgehen muss. Falls ich fertig werde, kann ich ja mitkommen.“ Matthias fühlte sich bei seiner Antwort nicht gut, aber er konnte einfach nicht anders.
Sofie überlegte einen Moment, bevor sie sagte: „Wisst ihr was, Ben, Tina und ich werden auch allein gehen. Und da ich die Akte auf deinem Schreibtisch gesehen habe, weiß ich, dass du garantiert nicht fertig bist. Ben, Tina, was haltet ihr davon, wenn wir vor dem Weihnachtsmarkt noch etwas durch die Stadt bummeln. Wir könnten ein paar wichtige Kleinigkeiten kaufen, Schmalzkuchen futtern und dann zum Weihnachtsmarkt. Was meint ihr?“ Die beiden waren begeistert und so war es abgemacht.

In der Stadt hatten die Drei viel Spaß. Sie besorgten auch gleich noch ein Kästchen, dass Tina und Ben für Matthias bemalen oder bekleben wollten. Das sollte ein Schatzkästchen für schöne Erinnerungen werden. „Tina wollen wir Sven auch so ein Kästchen basteln? Vielleicht hat er ja auch schöne Erinnerungen?“ Ben sah seine große Schwester fragend an. „Gute Idee, Kleiner“, grinste sie. Also kauften sie ein zweites Kästchen. Sie futterten Schmalzkuchen, bis sie selber aussahen, wie Schneemänner. Auf dem Weihnachtsmarkt gönnte Sofie sich einen Glühwein, während Tina und Ben heißen Kakao tranken. Sie bummelten an allen Weihnachtsbuden entlang, und als Ben Hunger hatte, machten sie eine Pause. Das Essen war lecker. Sofie aß Erbsensuppe, die Kinder Pommes und Würstchen. Ben wurde langsam müde und so bummelten sie Richtung Parkhaus.

Als Ben im Bett lag und Sofie gerade aus seinem Zimmer kam, rief Tina: „Mama hast du kurz Zeit?“ „Klar Schatz, was ist denn?“ Sofie trat in Tinas Zimmer. Tina saß auf dem Bett und hielt ein Buch in der Hand, das Freunde-Buch, das sie zu Nikolaus bekommen hatte. „Ich wollte mich bei dir entschuldigen. Das Buch ist toll und ich habe mich blöd benommen. Der Tag heute war total schön und du hast dir so viel Zeit für uns genommen.“ Nun standen Tränen in ihren Augen. „Und ich hab mich so dämlich benommen in den letzten Monaten. Ich hab dich lieb Mama.“ Sofie setzte sich zu ihr aufs Bett, nahm sie in die Arme und küsste ihre Wange. „Ich hab dich auch lieb Tina. Mir hat der Tag heute auch sehr gut gefallen. Aber auch die letzten Tage hast du mir viel Freude gemacht.“ Es war ein schönes Gefühl, wie Tina sich an sie kuschelte.

Später saß Sofie im Wohnzimmer und strickte an einer Mütze für Ben. Es war ein schöner Tag gewesen. Schade nur, dass Sven und Matthias diese Freude nicht mit ihnen geteilt hatten.
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BeitragVerfasst am: 12.12.2016, 21:52    Titel: 13. Dezember Antworten mit Zitat

Der Herr halte dich in seiner schützenden Hand, wenn die Küste steil und voll Klippen sind.
Der Herr halte dich in seiner schützenden Hand.



Kapitel 12
11. Dezember

Befiehl du deine Wege,
Und was dein Herze kränkt,
Der allertreusten Pflege
Des, der den Himmel lenkt!
Der Wolken, Luft und Winden,
Gibt Wege, Lauf und Bahn,
Der wird auch Wege finden,
Da dein Fuß gehen kann.

Dieses Lied war Sofie die ganze Nacht im Kopf herumgegangen. Sie konnte sich daran erinnern, dass sie es früher öfter im Gottesdienst gehört hatte, als sie noch ein Kind war. Aber wieso ging es ihr jetzt andauernd im Kopf herum? Nachdenklich stand Sofie auf und schlich müde ins Bad.

Nachdem sie sich angezogen hatte, ging sie in die Küche. Heute war der 3. Advent und sie wollte ein schönes und gemütliches Frühstück mit ihren Lieben. Sie war fast fertig, als Ben im Schlafanzug in die Küche hopste. Er warf sich gegen sie, umklammerte ihre Beine und strahlte sie an. „Mami ich hab dich lieb.“ Sofie nahm ihn auf den Arm. „Junge, bist du schwer“, sagte sie lächelnd. Dann küsste sie ihn auf die Wange und sagte: „Ich hab dich auch lieb, Ben.“ Sie stellte ihn wieder auf den Boden und schickte ihn zum Waschen und Anziehen nach oben.

Zwanzig Minuten später saß die ganze Familie um den Frühstückstisch herum. Ben und Tina hatten den Briefumschlag und das Paket mitgebracht. Sofie öffnete den Umschlag.

Liebe Sofie,
in der Kiste, die wir auf dem Dachboden gefunden haben, war auch ein kleines Büchlein. Zu seinem Inhalt möchte ich hier nichts sagen, denn du kannst es dir ja gleich mit deiner Familie zusammen ansehen. Und vielleicht erinnert es dich ja daran, was du als Kind und Jugendliche geglaubt hast. Du hast eine besondere Begabung gehabt, und da man sie nicht einfach verlieren kann, hast du sie immer noch. Bist du dir dessen eigentlich bewusst? Sofie, du musst wieder lernen, auf deine Intuition zu vertrauen. Du hattest und hast ein gutes Gespür dafür, was gut ist und was nicht, was wichtig ist und was unwichtig ist.

Ich liebe Dich.
Mama


Eine Weile war es still im Raum. Dann sagte Sven: „Was meint Oma mit der besonderen Begabung? Das klingt alles seltsam für mich und passt überhaupt nicht zu dir.“ Sofie zuckte innerlich zusammen. „Was passt nicht zu mir?“ „Na du bist unsere Mutter, machst den Haushalt, bringst uns zur Schule. Alles Dinge, die Millionen von Frauen auch machen. Wo ist da eine besondere Begabung?“ „Vielleicht meint Oma, dass Mama eine Begabung fürs Klavier spielen hat.“ Tina sah nachdenklich aus. „Lasst uns einfach mal sehen, was in dem Paket ist“, schlug Matthias vor.
Sofie packte das kleine Paket aus und hielt ein kleines Büchlein in Postkartengröße in der Hand. Es war ein selbst gebasteltes Buch und sie wusste genau, wo sie es gemacht hatte. „Mami, was ist das für ein Buch?“ Ben zappelte schon wieder vor lauter Neugier. Sofie schluckte, Erinnerungen stiegen in ihr hoch und sie wusste nicht so richtig, was sie antworten sollte.
„Dieses Buch habe ich als kleines Mädchen in der Sonntagschule gemalt. Wir haben Bilder zu den Geschichten gemalt, die wir in der Sonntagschule gehört haben.“ Sie blätterte in dem Buch und blieb an einer Seite hängen. Dort stand „Jesus liebt mich“ und darunter in krakeliger Kinderschrift „Jesus liebt Sofie“.

Sie gab Ben das Buch und er blätterte darin herum. „Das sind aber schöne Bilder, Mama. Tust du das Buch in dein Erinnerungskästchen?“ Sofie fand die Idee gut. „Ja, wenn ihr es euch alle angesehen habt, dann legen wir es in das Kästchen.“

Den ganzen Tag war Sofie nachdenklich. Erst dieser Liedtext und dann das kleine Büchlein. Hatte das etwas zu bedeuten? Aber was sollte ihr das Ganze sagen. Dass sie öfter in die Kirche gehen soll? Dass sie ihre Begabung besser nutzen soll?
Als sie sich am Abend für die Einladung fertigmachte, war sie mit ihren Gedanken noch keinen Schritt weiter.

Der Abend war so, wie sie gefürchtet hatte, steif und trocken. Entweder Gespräche über die Arbeit oder Geschwafel und Geprotze. Sofie hätte am liebsten laut geschrien. Aber auch dieser Abend ging vorbei. Matthias machte einen zufriedenen Eindruck und meinte auf dem Heimweg: „Wieder etwas abgehakt. Nun können wir uns auf Mittwoch konzentrieren.“ Wir? Dachte Sofie. Sehr witzig. Sie musste planen und koordinieren, einkaufen, putzen, kochen. Und warum jede Woche so ein blödes Essen und immer bei ihnen zu Hause. Hatten die anderen keine Küche oder was. Aber Sofie war zu müde für eine Auseinandersetzung. Es war einfacher zu funktionieren.

Kapitel 13
12. Dezember

Sofie hatte wirres Zeug geträumt und konnte sich nicht erinnern was. Es machte sie ganz nervös, dass sie nicht wusste, was sie geträumt hatte. Aber sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Sie musste funktionieren.

Als alle in der Küche waren, öffnete Sofie den nächsten Briefumschlag.

Liebe Sofie,
wenn du dir das heutige Päckchen anschaust, wirst du dich sicher fragen, ob schon wieder ein Buch darinnen sein könnte. Ja, es ist schon wieder ein Buch. Es war auf dem Dachboden und ich weiß gar nicht, ob du dich noch daran erinnerst. Auch das ist eine Erinnerung, die ich dir jetzt gern weiter geben möchte. Vielleicht zeigt dieses Buch euren Kindern und auch deinem Mann eine andere Seite von dir. Eine, die sie noch gar nicht kennen. Sofie ist dir bewusst, wie viele Dinge du gut kannst? Ist dir klar, dass du Gaben hast, die du ungenutzt verkümmern lässt?
Fragst du dich jetzt, was das alles mit Advent zu tun hat? Wenn ja, kann ich nur sagen, denk bitte mal daran, was am Heiligabend geschehen ist. Dann weißt du auch, warum ich dir all diese Dinge schreibe.

In Liebe
Mama

In der Küche herrschte Stille. Alle sahen gespannt auf Sofie. Mit zitternden Händen wickelte sie das Paket aus und hielt ein dickes Schreibheft in der Hand. Sie wurde abwechselnd rot und weiß im Gesicht. Das konnte doch nicht sein. Warum hatte ihre Mutter das aufgehoben? Warum hatte sie ihr das geschickt? Das war einfach nur – peinlich. Sofie stöhnte, bevor sie das Heft an Tina weitergab und aus der Küche lief.
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BeitragVerfasst am: 13.12.2016, 21:51    Titel: 14. Dezember Antworten mit Zitat

Nimm dir Zeit, um die umzuschauen, der Tag ist zu kurz, um selbstsüchtig zu sein.


Sie rannte ins Schlafzimmer, warf sich aufs Bett und zog sich das Kissen über den Kopf. Was ging hier eigentlich ab? Wieso dieses Buch? Die Gedanken wirbelten durch Sofies Kopf und sie bekam nicht einen davon zu fassen.

Während Sofie im Schlafzimmer lag und versuchte ihre Gedanken in den Griff zu bekommen, schlug Tina das Buch auf. „Wow, das glaubt ihr nicht“, sagte sie. „Das ist einfach nicht zu fassen.“ Sie legte das Buch aufgeschlagen auf den Tisch, sodass alle etwas sehen konnten. Es war ein Buch mit kleinen Geschichten und ein paar Zeichnungen dazu. „Mensch Tina, die Geschichte kennen wir.“ Sven zeigte auf einen Titel. Da stand „Mira die Maiglöckchenelfe“.
Das stimmte. Ihre Mutter hatte ihnen die Geschichte früher mal erzählt. Die Kinder hatten gedacht, dass es eine Geschichte war, die ihre Mutter als Kind gelesen hatte. Sie wären aber nie darauf gekommen, dass sie die Geschichte selber geschrieben hatte. Sie blätterten weiter durch das Buch und fanden noch einige Geschichten, die sie kannten.

Matthias sah nachdenklich aus, die Kinder wussten nicht so richtig, wie sie die Tatsache, dass ihre Mama Geschichten schrieb, einordnen sollten. „Wieso hat Mama nie gesagt, dass sie die Geschichten erfunden hat?“ Ben sah Matthias fragend an. „Ben ich wusste das auch nicht. Vielleicht hat sie nur als Jugendliche geschrieben und es dann später einfach vergessen.“

„Ich habe auch während des Studiums geschrieben.“ Sofie betrat die Küche. Sie setzte sich an den Tisch, nahm das Buch in die Hand und blätterte durch die Seiten. „Dies ist das erste Buch mit Geschichten. Es sind alles durchweg Kindergeschichten. Später habe ich dann angefangen zu zeichnen und dann die kleinen Zeichnungen zu den Geschichten gemacht. Meine Mutter fand, dass ich euch das sagen sollte, aber ich fand es nicht wichtig. Ihr habt euch über die Geschichten gefreut und das hat mir genügt.“
Ben strahlte sie an. „Mama, kannst du noch mehr Geschichten erfinden? Oder geht das jetzt nicht mehr?“ „Das verlernt man nicht, also kann sie es noch“, meldete sich Sven zu Wort. Tina sah von dem Buch zu ihrer Mutter, dann fragte sie: „Warum hast du aufgehört zu schreiben?“ Einen Moment schwieg Sofie, dann sagte sie: „Mir fehlte einfach die Zeit, um meine Gedanken aufzuschreiben.“
Ben rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Seine Stirn war gerunzelt und er sah aus, als wälze er einen Gedanken, den er nicht allein bewältigen konnte. Dann platzte es aus ihm heraus: „Aber Mama, wenn du Geschichten im Kopf hast und sie nicht aufschreibst, dann machen die deinen Kopf ganz voll.“ Stille. Alle sahen Ben an. Woher nahm dieser Knirps nur immer solche Gedanken? Matthias unterbrach die Stille. „Ben, ich denke du hast recht, wenn Mama heute noch Geschichten im Kopf erfindet, sollte sie sich die Zeit nehmen und sie aufschreiben.“ „Zeit ist etwas, das wir gerade jetzt nicht haben“, sagte Sofie nach einem Blick auf die Uhr. „Wir sind schon spät dran, beeilt euch bitte.“ Die Kinder murrten, machten sich aber fertig.

Während der Fahrt zu Schule herrschte ungewohnte Stille im Auto. Sofie hing ihren Gedanken nach und die Kinder verdauten den Gedanken, dass in ihrer Mutter mehr steckte, als sie bisher gesehen hatten.

Sofie fuhr auf dem Heimweg noch beim Supermarkt vorbei. Als alle Einkäufe eingeladen waren, stieg sie ein und wollte losfahren. Aber das Auto sagte keinen Mucks. Na toll, eine Autopanne. Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Vielleicht war die Batterie leer. Sie rief Matthias an, vielleicht hatte er ja Zeit, sie zu retten. Aber er war nicht in der Kanzlei. Seine Sekretärin teilte ihr mit, dass er im Gericht sei. Na gut, dann also die Pannenhilfe.
Gefühlte fünf Stunden später kam Sofie endlich zu Hause an. Sie packte die Einkäufe aus, räumte die Küche auf und setzte sich dann mit einer Tasse Tee und ihrem Buch an den Küchentisch.

Warum hatte ihre Mutter ihr das Buch geschickt. Oder die Noten? Das Buch aus der Sonntagschule? Ja und was hatte das mit Advent zu tun? Mit dem was an Heiligabend geschehen ist? Sofie schloss müde die Augen. In ihren Gedanken sah sie das Kind in der Krippe. Ja, das hatte mit Heiligabend zu tun. Aber wie passte das alles zusammen? Gerade als sie sich fragte, ob all das grübeln sie verrückt machen würde, klingelte das Telefon.

Die Erzieherin von Ben war am Telefon. Ben war vom Klettergerüst gefallen und hatte sich wahrscheinlich den Arm gebrochen. Er sei auf dem Weg in die Kinderklinik. Eine andere Erzieherin begleitete ihn dorthin. Sofie machte sich sofort auf den Weg. In der Klinik angekommen, saß Ben noch im Wartebereich. Sein Gesicht war ganz verschmiert von Dreck und Tränen. Die Erzieherin war froh, dass sie Ben nun an seine Mutter übergeben konnte. Sie verabschiedete sich und verschwand.

Ben schniefte und Sofie streichelte seinen unverletzten Arm. „Ben es wird alles gut, warte es mal ab.“ Na toll Sofie, dachte sie ironisch, was für ein Trost. Aber Ben war schon damit zufrieden, dass jetzt seine Mami da war. Zwei Stunden später konnten sie das Krankenhaus verlassen. Ben mit einem tollen Gipsarm und Sofie mit fürchterlichen Kopfschmerzen. Die beiden Großen waren schon aus der Schule zurück. Sie hatten sich gewundert, dass niemand da war. Bens Gipsarm wurde bestaunt und bemalt. Das fand Ben total lustig und er freute sich schon auf den nächsten Tag. Im Kindergarten konnten alle Kinder auf seinen Gips malen, wenn sie wollten. Sofie war nicht so glücklich, dass er in den Kindergarten wollte, aber der Arzt hatte keine Einwände gehabt.

Als Matthias kurz vor dem Abendessen nach Hause kam, rannte ihm Ben gleich entgegen. Er zeigte stolz seinen Gipsarm und erklärte, er wäre ganz bis oben auf das Klettergerüst gekommen, nur beim Runterklettern abgerutscht. Er stellte es dar, wie ein großes Abenteuer und Sofie musste schmunzeln. Matthias sah nicht so angetan aus, aber er sagte nichts. Zumindest nicht gleich.
Die Kinder waren schon im Bett, als Matthias sich zu Sofie ins Wohnzimmer setzte. Er sah müde und abgekämpft aus. Er rieb sich müde über die Stirn. „Was für ein Tag, erst die Panne und dann Ben.“ „Was denn für eine Panne?“ Matthias sah verwirrt aus. „Oh, das weißt du ja noch gar nicht. Ich hatte einen spannenden Tag.“ Sie berichtete Matthias von der Autopanne, ihrem Anruf in der Kanzlei, dem Anruf der Kita und dem Krankenhausbesuch. „Also so schnell bekommt mich niemand mehr ins Krankenhaus“, sagte sie zum Schluss. „Meine Sekretärin hat gar nicht gesagt, dass du angerufen hast. Hat sie sicher vergessen. Aber mal was anderes. Wie weit bist du mit dem Essen für morgen?`Musst du noch etwas vorbereiten? Vielleicht kann ich dir ja helfen?“ Sofie wurde blass. Sie hatte das Essen ganz vergessen. Aber das musste Matthias ja nicht wissen. „Nein heute müssen wir nichts mehr machen.“ Matthias atmete erleichtert auf. „Gut, dann geh ich schlafen. Ich fühle mich immer noch nicht so gut.“ Sofie verkniff sich die Antwort, die sie ihm gern gegeben hätte. Auch sie ging ins Bett, auch wenn sie nicht schlafen konnte. Sie machte sich in Gedanken einen Plan für den nächsten Tag. Wenn sie den straff durchhielt, würde alles klappen.



Kapitel 14
13. Dezember
Ein neuer Tag, ein neuer Brief. Sofie war sich nicht sicher, ob sie sich über den Inhalt freuen würde oder nicht. Aber sie war ja kein Feigling, also öffnete sie den Brief, als alle am Frühstückstisch saßen.

Liebe Sofie,
ich hoffe sehr, dass du diesen Brief noch liest und nicht böse auf mich bist. Dein Vater und ich haben deine Geschichten immer sehr gern gelesen und waren schon etwas traurig, als du mit dem Schreiben aufgehört hast. Aber du wirst selber am besten wissen, was für dich gut ist oder nicht.
Heute gibt es mal nichts Dramatisches im Päckchen. Es ist wieder etwas, dass zu unseren Traditionen gehört. Oder besser zu meinen. Schade, dass es heute keine Kamine mehr gibt.

In Liebe Mama


„Wieso will Oma einen Kamin?“ Ben kaute an seinem Toast und war kaum zu verstehen. Sofie lächelte, sah sich das Päckchen noch einmal genauer an und sagte: „Weil das zu der Tradition gehört, die sie von ihren Vorfahren hat, zumindest von einer Seite. Ihre Großmutter kam aus England und da wurde am Heiligabend ein Strumpf für jedes Familienmitglied an den Kamin gehängt.“ „Warum?“, fragte Ben.
Sofie konnte sich nicht genau an den Ursprung erinnern, versprach Ben aber, sich schlauzumachen. Sie packte den Strumpf aus, auf dem ihr Name eingestickt war. Etwas segelte zu Boden. Tina hob es auf und lachte. „Mama du musst nicht suchen. Hier steht etwas auf dem Zettel:

Eine Legende zur Entstehung dieses Brauchs besagt, dass ein gütiger Edelmann sich um die Zukunft seiner drei Töchter sorgte und dabei immer niedergeschlagener wurde. Er war sehr arm und hätte den zukünftigen Ehemännern seiner Töchtern kein Geld oder Landbesitz übertragen können. Damit erschien es als fast unmöglich, dass seine Töchter jemals heiraten würden. Eines Abends hingen die Töchter nach dem Waschen ihre Strümpfe über dem Kamin auf, um sie dort über Nacht trockenen zu lassen. In dieser Nacht kam der Heilige Nikolaus, der von der traurigen Lage der Familie gehört hatte, an dem kleinen Häuschen vorbei und sah die Stümpfe am Kamin hängen. Er kletterte aufs Dach und warf drei kleine Säckchen Gold durch den Kamin, die alle in den Strümpfen landeten. Nun war die Familie reich genug, um den Töchtern etwas an Besitz mitzugeben, sodass sie heiraten konnten und bis an ihr Lebensende glücklich waren.

„Eine nette Geschichte“, meldete sich Matthias zu Wort. „Aber wir haben keinen Kamin, hier will noch niemand heiraten und uns rennt mal wieder die Zeit weg.“ Damit war die Frühstücksrunde beendet und der Alltag hatte sie wieder.

Sofie brachte wie gewohnt die Kinder weg, fuhr dann einkaufen und überlegte sich, was sie in welcher Reihenfolge erledigen musste. Zu Hause angekommen wirbelte sie durch die Küche, schob den Braten in den Ofen und fing an Gemüse zu putzen. Gut dass der Backofen einen Timer hatte und sich selber ausstellen würde. Sie war mitten in der Arbeit, als das Telefon klingelte. „Na toll, was gibt es diesmal? Ist Tina die Treppe runter gefallen?“ Sie schmunzelte bei dem Gedanken. Aber schnell war das Schmunzeln verflogen. Es war die Sekretärin von Matthias. Sie teilte aufgeregt mit, dass Matthias in seinem Büro zusammengebrochen sei, über Schmerzen in der Brust geklagt hätte und nun mit dem Notarztwagen in die Uniklinik gebracht wurde – Verdacht auf Herzinfarkt.
Sofie ließ sich auf einen Stuhl fallen. Das durfte doch alles nicht wahr sein.
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BeitragVerfasst am: 14.12.2016, 21:55    Titel: Antworten mit Zitat

Möge das Jahr dich mit seinen Geschenken beglücken: mit den duftenden Blumen des Frühjahrs, der wärmenden Sonne des Sommers, der reichen Ernte des Herbstes. Der Winter aber schenke dir die Zeit der Stille für deine Seele.



Ein paar Minuten saß Sofie wie erstarrt da. Dann sprang sie auf und holte ihren Mantel, die Handtasche und den Autoschlüssel. Kurz vor der Haustür blieb sie abrupt stehen. Die Kinder. Sie musste die Kinder informieren. Ben musste vom Kindergarten abgeholt werden. Aber sie musste doch so schnell wie möglich zu Matthias. Sofie hatte Angst zu spät ins Krankenhaus zu kommen. Viel zu viele Gedanken jagten durch ihren Kopf.
Mit einem Mal wusste sie, was zu tun war. Sie ging zurück und nahm das Telefon. Zuerst bestellte sie sich ein Taxi. So aufgeregt, wie sie war, sollte sie besser nicht Auto fahren. Dann rief sie in der Schule an und bat darum, mit Sven zu sprechen. Die Sekretärin versprach, ihn zu holen. Sofie solle in 10 Minuten noch einmal anrufen. Sofie legte auf und wählte dann die Nummer vom Kindergarten. Sie erklärte schnell, was passiert war und bat darum, Ben etwas länger im Kindergarten zu behalten, damit Sven ihn nach der Schule abholen konnte. Die Leiterin stimmte zu und wünschte Sofie alles Gute.

Das Taxi kam und Sofie stieg ein. Mit ihrem Handy rief sie dann wieder in der Schule an. Die Sekretärin gab den Hörer an Sven weiter. Schnell erklärte Sofie ihm, was passiert war und meinte dann: „Ein Verdacht auf Herzinfarkt heißt ja noch lange nicht, dass es einer war. Mach dir bitte keine Sorgen. Ich melde mich aus dem Krankenhaus, wenn es etwas Neues gibt. Sven holst du bitte Ben ab und sagst Tina Bescheid?“ Sven musste schwer schlucken, dann sagte er leise: „Klar Mama, mach ich. Ich passe auch auf die beiden auf. Mach dir keine Sorgen.“ „Sven, ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann. Du machst das bestimmt ganz toll. Ich danke dir. Sven, ich muss jetzt auflegen, wir sind am Krankenhaus. Ich hab dich lieb Sven.“ „Ich dich auch Mama.“ Sven legte auf.

Sofie bezahlte den Taxifahrer und rannte förmlich ins Krankenhaus. Nachdem sie sich durchgefragt hatte, stand sie vor dem Schwesternzimmer der richtigen Station. Als eine Schwester auf sie zu kam, nannte sie ihren Namen und fragte nach ihrem Mann. „Frau Kramer, ihr Mann wird noch untersucht. Setzen Sie sich doch kurz in den Wartebereich dort vorn. So wie es etwas Neues gibt, sage ich ihnen Bescheid.“

Warten. Sie solle warten? Das konnte sie nicht. Sie musste doch etwas tun. Nervös lief Sofie im Wartebereich hin und her. Wie konnte so etwas passieren? Warum ihnen? Sofie wurden die Knie weich und so musste sie sich doch setzen. Sie wollte Matthias nicht verlieren.
Gedankenfetzen schossen durch ihren Kopf, während ihr die Tränen in die Augen schossen. „Befiel du deine Wege…“,. „Sinn der Adventszeit“, „frohe Botschaft“, „ich habe so große Angst“ „…der wird auch Wege finden“ Der Gedanke ließ Sofie innehalten. Sie konnte etwas tun. Etwas, dass sie schon lange nicht mehr getan hatte. Aber würde Gott ihr zuhören? Sofie hatte keine Wahl. Sie musste einfach darauf vertrauen, dass Gott sie hörte. Sie begann zu beten.

Nach einer Weile wurde sie ruhiger. Gott liebte sie und er liebte auch Matthias und ihre Kinder. Wie hatte sie das vergessen können? Früher war Sofie regelmäßig in den Gottesdienst gegangen, aber dann war es verbliebe. Ben ging ab und zu mit den Nachbarn in ihre Gemeinde. Ihm gefiel es in der Sonntagschule und sie hatte überlegt, mal mitzugehen. Aber es war immer etwas zu tun und so kam es nie dazu.

„Frau Kramer?“ Eine tiefe Männerstimme riss Sofie aus ihren Gedanken. „Ja“, sagte Sofie mit zitternder Stimme und sah sich einem Arzt gegenüber. „Ich bin der Stationsarzt, Dr. Marck. Sie können jetzt zu ihrem Mann gehen. Er ist noch ans EKG angeschlossen und wir müssen später noch einmal eine Blutuntersuchung machen. Er liegt auf Zimmer 344.“ Bevor Sofie noch etwas fragen konnte, war der Arzt auch schon den Korridor hinunter gegangen.

Mit zitternden Händen öffnete Sofie die Tür zu Zimmer 344. Matthias lag allein in dem Zimmer. Er sah blass aus, hatte die Augen geschlossen und es war etwas unheimlich, ihn so „verkabelt“ zu sehen. Still setzte sie sich an sein Bett, sie wollte ihn nicht wecken. Doch da schlug er die Augen auf. Als er sie sah, verzog sich sein Mund zu einem kleinen Lächeln. „Hallo“, sagte er leise. Sie stand auf und küsste ihn „Du hast mir einen ordentlichen Schrecken eingejagt. Wie geht es dir?“ „Ganz ok, denke ich. „Was meinst du, wie ich in Panik geraten bin, als ich plötzlich diese Schmerzen hatte und kaum noch genug Luft bekam. Ich dachte, ich würde euch nie wieder sehen.“ Er griff nach ihrer Hand. „Sofie ich liebe dich. Und als ich hier so lag, dachte ich nur daran, dass ich euch wiedersehen will.“ Müde schloss Matthias die Augen.

Nach einer Weile kam jemand vom Labor um noch einmal Blut abzunehmen. Dass Matthias gerade schlief, störte dabei niemanden. Aber bekanntlich sind Krankenhäuser auch nicht dazu da, dass die Patienten genug Schlaf bekommen, dachte Sofie.

Matthias freute sich, dass sie noch da war. Dann fiel ihm etwas ein. „Sofie, was ist eigentlich mit den Kindern? Du kannst sie doch nicht so lange allein lassen.“ „Sven kümmert sich um Ben und Tina. Mach dir keine Sorgen.“

„Der Gedanke, dass Sven sich um alles kümmert, behagt mir nicht gerade. Er ist nicht sehr zuverlässig oder?“ Matthias sah sehr skeptisch aus. Sofie überlegte kurz, dann antwortete sie: „Weißt du, ich denke er ist sogar sehr zuverlässig. Aber er musste das ja bisher nicht unter Beweis stellen. Einer von uns war immer da um zu garantieren, dass die Dinge laufen.“
„Ja, vielleicht hast du recht. Sofie, als ich hier lag, habe ich über uns nachgedacht. Darüber, dass ich noch ganz viele Dinge mit euch erleben möchte. Und das du recht hast, wenn du mehr gemeinsame Zeit forderst.“
„Werde erst mal wieder gesund, dann sehen wir weiter.“ Einige Zeit schwiegen sie. Dann wurde die Stille von einer Krankenschwester unterbrochen. „Herr Kramer, wir werden in der Nacht noch einmal Blut abnehmen. Und bei der Visite morgen Vormittag wird der Doktor ihnen dann sagen, wie es weiter geht.“ Sie kontrollierte die Geräte und verließ das Zimmer. Sofie sah auf die Uhr. Es war 21:16 Uhr. Erschrocken sah sie zum Fenster. Dann sah sie Matthias an. „Ich denke, ich fahre mal nach Hause. Die Kinder werden sich wundern wo ich bin und in der Aufregung habe ich ganz vergessen, anzurufen.“ Matthias lächelte sie an. „Grüß die Bande von mir und sag ihnen, dass ich sie lieb habe.“ Sofie versprach es und verabschiedete sich. Schnellen Schrittes verließ sie das Krankenhaus und stieg in ein Taxi. Sie zog ihr Handy aus der Tasche und rief zu Hause an. Sven nahm nach dem ersten Klingeln ab. Sofie entschuldigte sich erst einmal bei ihm, dann berichtete sie, dass es Matthias recht gut ginge und sie auf dem Weg nach Hause sei.

Zehn Minuten später hielt das Taxi vor dem Haus. Verwundert sah Sofie das Auto von Herrn Röder, dem Oberboss von Matthias, in der Auffahrt stehen. Oh nein, wie versteinert blieb Sofie stehen. Sie hatte die Einladung vergessen und niemandem abgesagt. Mit klopfendem Herzen ging sie ins Haus. Ihre Kinder saßen mit Herrn Röder und seiner Frau im Wohnzimmer. Ben lag an Tina gekuschelt und schlief tief und fest. Sofie begrüßte alle und entschuldigte sich dann wortreich für das ausgefallene Essen. Verwundert sah sie Herrn Röder lächeln. „Liebe Frau Kramer, es gibt nichts zu entschuldigen. Wir hatten ein sehr gutes Abendessen mit Showeinlage und haben uns alle sehr gut unterhalten.“

Sofie verstand gar nichts mehr. Hilfe suchend sah sie zu Sven und Tina. Aber Frau Röder beantwortete ihre unausgesprochene Frage. „Als wir heute Abend hier ankamen, waren ihre Kinder so freundlich uns alle hereinzulassen. Sie berichtete, was vorgefallen war und dass sie bei Matthias im Krankenhaus waren. Natürlich wollten wir alle wieder gehen, aber die Kinder baten uns zu bleiben. Sie würden für das Abendessen sorgen.“ Frau Röder lächelte die Kinder an. „Wir blieben, weil wir dachten, dass die Kinder vielleicht unsere Unterstützung brauchen würden. Was dann aber wirklich kam, hat uns alle sehr überrascht.“ „Ja, das hat es“, Herr Röder lachte und Sofie sah ihn zum ersten Mal als Menschen, nicht als den großen Boss. Er sprach weiter: „Während Sven und Tina in die Küche gingen, sang Ben uns alle Lieder vor, die er im Kindergarten gelernt hatte. Das Schneemannlied musste er drei Mal singen, weil es uns so gut gefiel. Dann kam Tina und bat uns ins Esszimmer. Wir rechneten mit Wurstbroten, aber weit gefehlt. Es gab eine Gemüsesuppe und danach Brot und kalten Braten, dazu einen Salat und zum Nachtisch Eis.“

Sofie sah verwirrt aus. Sie hatte den Braten in den Ofen gestellt und Gemüse geputzt, aber mehr hatte sie nicht vorbereitet. Sven grinste sie an. „Wir haben das Gemüse in Brühe gekocht und kleine Nudeln reingetan. Der Braten war ja fertig, also haben wir ihn mit der Brotmaschine in dünne Scheiben geschnitten. Dann haben wir das Gemüsefach geplündert und Salat, Gurken, Tomaten und Paprika kleingeschnippelt und eine Fertigsoße dran gemacht. Na und Eis hatten wir genug in der Truhe.“
Sofie sah Sven und Tina an, als sehe sie die Beiden heute zum ersten Mal. Dann begann sie zu weinen. Frau Röder nahm sie in den Arm. „Das war ein langer Tag. Wir werden jetzt gehen und sie sollten sich alle schlafen legen.“ Röders verabschiedeten sich und Sofie war mit ihren Kindern wieder allein. Vorsichtig hob sie Ben hoch und trug ihn nach oben. Als sie ihn auszog, wurde er kurz wach, strahlte sie an und schlief wieder ein.
Tina und Sven saßen noch im Wohnzimmer, als Sofie wieder nach unten kam. „Danke ihr beiden, das habt ihr ganz toll gemacht. Ich bin so stolz auf euch.“ Sie umarmte beide. „Wir drei haben das gemacht Mama. Ben hat die Gäste unterhalten, damit wir das Essen machen konnten. Und es war eigentlich ganz lustig. Aber wir haben viel an Papa gedacht. Wird er wieder gesund?“ „Ja, er wird bestimmt wieder gesund. So, aber jetzt ab ins Bett mit euch. Ich hab euch lieb.“ Die Kinder sagten Gute Nacht und gingen nach oben.
Na dann will ich mal aufräumen, dachte sich Sofie und machte sich auf ein großes Chaos in der Küche gefasst. Aber da war kein Chaos. Es war alles aufgeräumt. Verwundert verließ sie die Küche und sah sich zwei bis über beide Ohren grinsender Kinder gegenüber. „Die Erwachsenen haben uns geholfen. Das sah lustig aus, als sie mit ihrer festlichen Kleidung in der Küche aufgeräumt haben. Herr Röder hat sogar die Jacke ausgezogen und sich die Ärmel hochgekrempelt, um abzuwaschen.“ Das hätte Sofie gern gesehen.

Aber dann wurde es wirklich still im Haus. Die Kinder lagen in ihren Betten und schliefen. Sofie lag noch wach und dachte über das Wunder nach, dass sie an diesem Tag erlebt hatte. Ihr wurde leichter ums Herz und sie spürte tiefen Frieden. „Danke Gott“, war der letzte Gedanke, bevor sie einschlief.
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BeitragVerfasst am: 15.12.2016, 21:48    Titel: 16. Dezember Antworten mit Zitat

Mögest du mit allen auf gutem Fuß stehen, wenn es geht, Aber gib dich selbst dabei nicht auf. Heuchle keine Zuneigung, wo du selbst sie nicht spürst.



Kapitel 15
14. Dezember

Sofie reckte sich, dann schlug sie die Augen auf. Sie hatte geschlafen wie ein Stein. Bei dem Vergleich musste sie schmunzeln, als ob Steine schlafen würden. Sie drehte sich um und sah auf die Uhr. 08:34 Uhr zeigte der Wecker. Sofie war mit einem Satz aus dem Bett. Sie hatten verschlafen. Sie stürzte in Svens Zimmer um ihn zu wecken, aber er war nicht im Bett. Auch Tina und Ben lagen nicht in ihren Betten. Kopfschüttelnd ging Sofie nach unten. Warum hatten die Kinder sie nicht geweckt?
In der Küche war auch niemand, aber auf dem Tisch lag ein Zettel:

Liebe Mama,
Tina und ich waren schon ganz früh wach und haben Frühstück gemacht. Als du nicht aufgestanden bist, haben wir beschlossen, dich schlafen zu lassen.
Ben bringen wir vor der Schule in den Kindergarten. Pauls Mutter nimmt ihn dann mit und bringt ihn heute Abend nach Hause. Wenn das nicht ok ist, sollst du sie anrufen.
Grüß Papa von uns und wir hoffen, er kommt bald nach Hause.
Sven


Sofie las den Zettel noch einmal. Dann sackte sie auf den nächsten Stuhl und begann zu weinen. Was hatten sie für großartige Kinder. Das war einfach unglaublich. Was Matthias wohl dazu sagen würde? Sie schniefte noch einmal, dann frühstückte sie und räumte die Küche auf. Eine Stunde später war sie im Krankenhaus.

Matthias war nicht in seinem Zimmer. Die Krankenschwester sagte ihr, dass er zum Belastungs-EKG abgeholt worden war, aber sicher bald wieder zurück sei. Also setzte Sofie sich im Zimmer ans Fenster und sah hinaus. Um diese Jahreszeit wirkte der Klinikgarten trist und unansehnlich. Sofie vermisste ihre Heimat. Sie war in einem Dorf in den Bergen aufgewachsen. Als Jugendliche wollte sie nur weg aus dem Dorf, in eine Großstadt so weit entfernt, wie nur möglich. Jetzt sehnte sie sich nach der Einsamkeit und Ruhe, die es in der Umgebung des Dorfes noch gegeben hatte. Aber so war das mit den Menschen, sie wollten meist das, was sie gerade nicht hatten.

Die Tür wurde geöffnet und ein Pfleger kam mit Matthias ins Zimmer. Nachdem der Pfleger gegangen war, berichtete Sofie erst einmal, was bei ihnen zu Hause passiert war und wie toll die Kinder sich verhalten hatten. Matthias war sprachlos. „Du redest von unserem Sven?“ Sofie grinste in an: „Ja, von unserem Sven und ich glaube, dass er aufblüht, wenn man ihn ernst nimmt und ihm Verantwortung überträgt. Aber nun zu dir, was hat der Arzt denn gesagt?“ Matthias schwieg einen Moment, dann sagte er: „Ein Infarkt war es nicht. Aber ein Warnschuss. So drückte der Arzt sich aus. Ich hatte schlicht und einfach einen Zusammenbruch, so würde ich es zumindest nennen. Die Ärzte wollen noch ein paar Untersuchungen machen, um körperliche Erkrankungen auszuschließen. Es läuft aber letztendlich alles darauf hinaus, dass ich überarbeitet bin.“ Sofie musste sich auf die Zunge beißen, um nicht zu sagen „ich hab es dir doch gesagt“. Sie nahm seine Hand und meinte: „Und was hat das für Konsequenzen? Wie soll es weiter gehen, wenn du zu Hause bist?“ Aber das wusste Matthias noch nicht. Er wollte abwarten, was bei den Untersuchungen herauskam.

Kurz vor dem Mittag schickte Matthias Sofie nach Hause, bat sie aber am Nachmittag wiederzukommen. Also fuhr Sofie nach Hause. Sie rief Pauls Mutter an, um ihr zu sagen, dass sie Ben selber vom Kindergarten abholen könnte. Aber als sie hörte, wie sehr die Jungs sich aufs gemeinsame Spielen freuten, überlegte sie es sich anders. Ben konnte bis zum Nachmittag bleiben und Sofie würde ihn auf dem Weg zum Krankenhaus abholen. Sie hatte vor, die Kinder am Nachmittag mitzunehmen.

Als die Großen nach der Schule nach Hause kamen, umarmte Sofie sie erst einmal ganz fest. Sven stand zuerst stocksteif da, aber den ließ genoss er die Umarmung. „Ich bin total stolz auf euch und ich liebe euch. Danke, dass ihr euch um alles gekümmert habt.“ Sofie hatte einen Kloß im Hals, als sie das sagte. „Mama, das war doch alles gar nicht so schwierig. Wir haben Ben gesagt, dass er ganz leise sein müsse, weil wir dich überraschen wollen. Und wenn du nicht wach wirst, würden wir ein kleines Abenteuer mit ihm planen. Das fand er dann spannend und war wirklich mäuschenstill. Und das Bus fahren und von uns in den Kindergarten gebracht zu werden, fand er wirklich abenteuerlich.“ Sofie sah Sven eine Weile schweigend an. Dann meinte sie: „Mir ist in den letzten beiden Tagen sehr deutlich geworden, dass du kein Kind mehr bist, Sven. Du hast sehr überlegt und verantwortungsbewusst gehandelt. Wieso ist mir vorher nie so richtig aufgefallen, was wirklich in dir steckt?“ Sven war ganz rot geworden. „Ich weiß es nicht Mama, aber vielleicht reden wir nicht genug miteinander.“ Da hatte er sicher recht. Aber wenn alle es wollten, konnte man das ändern.

Am Nachmittag betraten sie zu viert das Krankenhaus. Die Kinder fühlten sich nicht ganz wohl in ihrer Haut. Der immer fröhliche Ben sah seinen Vater etwas skeptisch an, als er ihn im Bett liegen sah. „Na Ben, hast du wieder ein neues Lied gelernt?“ Matthias lächelte seinen Jüngsten an. „Ich könnte hier ein wenig Unterhaltung vertragen.“ Und schon erhellte ein Lächeln Bens Gesicht und er lief zu seinem Vater und umarmte ihn. Auch Sven und Tina umarmten ihren Vater und fragten dann, wann er nach Hause kommen würde.
„Wenn alle Ergebnisse gut sind, dann darf ich schon morgen nach Hause, aber noch nicht zur Arbeit. Aber jetzt erst einmal etwas anderes. Eure Mutter hat mir erzählt, was ihr gestern und heute Morgen geleistet habt. Das war großartig und ich möchte mich herzlich bei euch dafür bedanken.“ Die Kinder waren ganz verlegen, freuten sich aber sehr über das Lob. „Was war denn heute in dem Paket von Oma?“ Matthias Frage half ihnen aus der Verlegenheit. „Das wissen wir noch nicht. Wir haben den Brief und das Päckchen mitgebracht und wollten es mit dir zusammen auspacken.“ Ben hüpfte aufgeregt von einem Bein auf das andere. Sofie lachte über seine Ungeduld und zog den Brief aus der Tasche.

Liebe Sofie,
was ihr (ich gehe davon aus, dass die ganze Familie gemeinsam die Päckchen auspackt) heute finden werdet, ist leider künstlich. Soll aber speziell dich, Sofie an eine Begebenheit erinnern, die jetzt bald 20 Jahre zurückliegt. Ich bin gespannt, wie und ob du diese Erinnerung mit deinen Kindern teilen willst. Matthias ist ja ein Bestandteil dieser Erinnerung.
Dein Vater sieht mir beim Schreiben über die Schulter und meint gerade, ich sei unmöglich und ziemlich kompliziert. Ja, ich denke ich muss ihm recht geben. Aber ich bin gern unmöglich und kompliziert.
Wir lieben Euch.
Mama


Sofie hielt das unförmige, aber sehr leichte Päckchen in der Hand. Ein mulmiges Gefühl beschlich sie. Was hatte ihre Mutter denn da wieder ausgegraben? Seufzend öffnete sie das Geschenkpapier. Sie schluckte, als sie den Inhalt sah und Matthias brach in schallendes Gelächter aus. Die Kinder wussten nicht, was faszinierender war, der lachende Vater, die verdutzte Mutter oder der kleine Zweig, der im Papier lag. „Was ist das Mama?“ fragte Ben. Sofie machte den Mund auf und gleich darauf wieder zu. „Ein Mistelzweig“, antwortete Matthias, nachdem er sich beruhigt hatte. Aber er grinste immer noch. „Ich kannte Mistelzweige nur von Asterix und Obelix. Dort hat der Druide Miraculix immer Misteln für seine Zaubertränke geschnitten.“ Sven nickte zustimmend, er las auch gern Asterix und Obelix, aber was das mit seiner Mutter zu tun hatte, war ihm gänzlich unklar. „Außerdem gibt eine schöne Tradition um Mistelzweige. Dort waren sie im letzten Jahrhundert und davor sehr beliebt. Wenn eine Frau unter einem Mistelzweig stand, durfte man sie einfach küssen.“ Immer noch hatten die Kinder große Fragezeichen in den Augen. Sofie seufzte und erzählte dann die Geschichte, an die ihre Mutter gedacht hatte.
„Ihr wisst ja, dank meiner Mutter, dass ich Geschichten geschrieben habe. Als ich so ungefähr 13 oder 14 Jahre alt war, hatte ich einen Roman gelesen. Da ging es um die vornehme Gesellschaft in England um 1800. Die Heldin der Geschichte war verliebt bis über beide Ohren und wollte von dem Mann ihrer Träume wenigstens einmal geküsst werden“ Sven verzog das Gesicht. „Ja ich weiß Sven, klingt total kitschig. Aber weiter. Sie hängte überall Mistelzweige auf und da es Brauch war, eine Frau zu küssen, wenn sie unter dem Mistelzweig stand, hat der Mann sie auch geküsst. Das fand er dann so toll, dass er sich in sie verliebt hat und die beiden geheiratet haben.“ Als Sofie nicht weiter sprach, fragte Tina: „Und was hat das jetzt mit euch zu tun?“ Hilfe suchend sah Sofie ihren Mann an. Der lachte wieder und meinte dann: „Ok, ich erzähle weiter. Eure Mama hat sich dann eine eigene Geschichte ausgedacht. Von einem jungen Mann, der ins Dorf kam, sie sah und sich unrettbar in sie verliebte. Er war groß und stark und sah einfach traumhaft aus.“ „Ja genau“, stimmte Sofie zu. „Und meine Mutter meinte, ich sei ein Traumtänzer und würde viel zu sehr in meinen Geschichten leben, als im wahren Leben. Na ja und dann wurde ich älter und begann zu studieren. Dazu musste ich unser Dorf verlassen. An der Uni war so ein Typ, den ich total süß fand. Wir verliebten uns ineinander. Und ein Jahr später nahm ich ihn zum Weihnachtsfest mit zu uns nach Hause.“ Nun fiel Matthias ihr ins Wort. „Genau und eure Oma Ruth spielte ihr einen kleinen Streich. Sie hängte an alle möglichen und unmöglichen Stellen Mistelzweige auf. Eure Mutter wurde knallrot, als sie die Zweige entdeckte. Ich hab nicht verstanden wieso, aber später gab sie mir die Geschichte zum Lesen. Für mich war das eines der schönsten Weihnachtsfeste.“ „Für mich auch“, sagte Sofie leise. „Euer Vater hat mich am 1. Weihnachtstag gefragt, ob ich ihn heiraten will.“

Die Kinder waren sprachlos. Dann sagte Tina: „Das war eine tolle Geschichte und ich finde Oma Ruth ist ganz schön schlau.“ „Genau“, meinte nun auch Sven. „Mit ihrem Paket hilft sie uns als Familie, uns besser kennenzulernen.“ Ben grübelte noch eine Weile, dann platzte es aus ihm heraus: „Papa hast du sie denn unter dem Mistelzweig geküsst?“ Als Matthias zustimmend nickte, schüttelte Ben sich und murmelte „igitt“. Nun lachten alle gemeinsam über Bens angeekeltes Gesicht.

Bald mussten sie sich von Matthias verabschieden. Sofie ging mit den Kindern nach Hause „So viel zusammen gelacht haben wir schon lange nicht mehr“, meinte Tina auf dem Weg zum Auto. „Aber vielleicht haben wir in Zukunft mehr Zeit gemeinsam zu lachen.“ Sven sah seine Mutter an. „Oder was meinst du?“ „Ja Kinder, ich denke, dies ist ein neuer Anfang und wir bestimmen, wie es weiter gehen wir. Nun aber schnell nach Hause, es ist schon spät.
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BeitragVerfasst am: 17.12.2016, 00:48    Titel: 17. Dezember Antworten mit Zitat

Lehn dich zurück wenn dir das Werk der Arbeit gelungen ist, aber nicht so weit, dass du ihm zu Füßen liegst.



Kapitel 16
15. Dezember

Am Vormittag wurde Matthias aus dem Krankenhaus entlassen. Er ließ sich von Sofie gleich noch zu seinem Hausarzt fahren, um die weitere Behandlung zu besprechen.
Der Arzt schlug ihm eine Kur vor, aber Matthias lehnte ab. Er wollte keine Kur. Daraufhin verordnete der Arzt ihm viel Ruhe, Spaziergänge, Abschalten und 14 Tage nicht arbeiten. Das gefiel Sofie, sie sagte aber nichts. Matthias tat sich etwas schwer mit dem Gedanken, nicht arbeiten zu gehen. Aber der Anfall vor zwei Tagen hatte im einen gehörigen Schrecken eingejagt. Er meldete sich also in der Kanzlei für den Rest des Jahres krank.

Auf dem Rückweg war es Zeit Ben aus dem Kindergarten abzuholen. Der war ganz aufgeregt, weil sein Papa wieder nach Hause kam. „Wir haben den Brief noch nicht gelesen, das wollten wir gemeinsam mit dir machen. Nachher hätten wir dich wieder besucht und ihn mitgebracht, aber jetzt bist du ja da und dann können wir das zu Hause lesen. Und Kerzen anmachen und Mama kannst du heißen Kakao machen und dann essen wir Kekse und lesen, ja? Das geht doch bestimmt, Tina und Sven haben auch nichts vor und wollten mit ins Krankenhaus. Und da können wir doch auch zu Hause zusammensitzen oder?“ Ben sprudelte die Sätze nur so heraus. Matthias und Sofie sahen sich an und mussten lächeln. Matthias übernahm es zu antworten. „Wir werden es uns heute Nachmittag so richtig gemütlich machen. Dann lesen wir Omas Brief und machen das Päckchen auf. Danach können wir überlegen, was wir in den nächsten Tagen machen wollen. Ich gehe jetzt bis zum neuen Jahr nicht arbeiten.“ Ben jubelte. „Das ist toll und wenn es schneit, kannst du mit mir einen Schneemann bauen.“ „Siehst du Matthias, du brauchst keine Angst vor Langeweile haben.“ Sofie lachte fröhlich.

Am Nachmittag saß die ganze Familie im Wohnzimmer. Es gab heißen Kakao und Kekse. Auf dem Tisch lagen das Päckchen und der Brief. Auf dem Briefumschlag war ein Lebkuchenhaus aufgemalt. Sofie öffnete den Umschlag, nahm den Brief heraus und las:

Liebe Sofie,
genießt du die Adventszeit mit deiner Familie oder herrscht der pure Stress und ihr seid alle genervt? Freust du dich in diesem Jahr auf deinen Geburtstag oder lasst ihr ihn wieder ausfallen, wie in den vergangenen Jahren? Na ich gehe davon aus, dass es wieder so viele Geschäftsessen gibt, dass für eine Geburtstagsparty keine Zeit ist. Außerdem wirst du ja schon 40. Nein, da sollte man nicht mehr Geburtstag feiern.
Aber jetzt etwas anderes. Erinnert dich das Bild auf dem Umschlag an etwas? Wenn ja, weißt du sicher was im Paket ist und ich hoffe, du zeigst deinen Kindern, was man damit anfängt.

Ich liebe Dich, auch wenn das in diesem Brief vielleicht nicht so deutlich rüber kommt. Passt auf euch auf.
Mama


Es herrschte absolute Stille, als Sofie fertig gelesen hatte, bis Ben sagte: „Mama warum feiern wir deinen Geburtstag denn nicht?“ Aber Matthias beantwortete seine Frage. „Weißt du Ben, deine Oma Ruth hat recht. Mamas Geburtstag fällt in eine Zeit, wo ich ihr mehr Arbeit aufhalse, als gut ist. Und damit sie die tollen Essen für meine Kollegen und Chefs schafft, lässt sie schon seid Jahren ihren Geburtstag ausfallen. Klar bekommt sie von uns Geschenke, aber so toll waren sie in den letzten Jahren auch nicht oder was meint ihr? Tina und Sven sahen sich bedrückt an. Ihr Vater hatte recht, sie hatten immer einen Kasten Pralinen oder so etwas besorgt. Kurz nach dem Geburtstag war ja Heiligabend und da mussten ja auch Geschenke her.

„Kommt macht doch nicht solche Gesichter. Ich erwarte weder große Geschenke noch eine Feier. Jetzt lasst uns lieber das Päckchen auspacken. Wenn ich den Inhalt richtig errate, dann bekommen wir Arbeit.“ Sie lachte und fuhr fort: „Aber Arbeit, die Spaß macht.“ Ben durfte das Päckchen auswickeln. Heraus vielen Ausstechformen, aber nicht für Kekse. Ben drehte sie hin und her. Dann begann er zu kichern. „Wir backen ein Knusperhaus, richtig?“ „Genau richtig“, bestätigte Sofie. „Für heute ist es schon zu spät, aber morgen könnten wir das machen.“ „Mama, morgen muss ich doch zum Zahnarzt.“ „Stimmt Sven, daran habe ich gar nicht gedacht. „Wisst ihr was, wir machen das am Samstag. Da haben wir genug Zeit zum Backen und verzieren. Das wird sicher eine lustige Manscherei.“ Die Kinder waren einverstanden, nur Matthias machte ein nachdenkliches Gesicht, sagte aber nichts.

Am Abend, Sofie hatte den Tisch für das Abendessen schon gedeckt, wunderte sie sich über die Stille im Haus. Kein Getrampel und Gerenne, keine laute Musik und kein Geschrei. Matthias war nicht im Wohnzimmer, aber auch nicht im Arbeitszimmer. Verwundert ging Sofie nach oben. Tinas und Bens Zimmertüren standen offen, aber Svens war geschlossen. Sofie klopfte an und bekam ein: „Zutritt für Mamas verboten. Wir kommen gleich runter.“ Danach ertönte unterdrücktes Gekicher. Sofie schmunzelte. Planten ihre Vier eine Weihnachtsüberraschung? Das wäre schön. So hatte etwas Negatives, ja vielleicht auch eine positive Seite.
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BeitragVerfasst am: 17.12.2016, 23:33    Titel: Antworten mit Zitat

Möge das Jahr dich mit seinen Geschenken beglücken: mit den duftenden Blumen des Frühjahrs, der wärmenden Sonne des Sommers, der reichen Ernte des Herbstes. Der Winter aber schenke dir die Zeit der Stille für deine Seele.



Kapitel 17
16. Dezember

Ben kam fröhlich singend in die Küche gehopst. „Guten Morgen Mami, die anderen kommen auch gleich. Papa bringt das Päckchen und den Brief mit.“ Er setzte sich auf seinen Stuhl und strahlte Sofie an. Als Nächstes kam Sven grinsend in die Küche. Sofie sah ihn verwundert an und er versuchte sofort ein unbeteiligtes Gesicht zu machen, was aber hoffnungslos misslang. Ihm folgte Tina, die ihren Brüdern verschwörerisch zuzwinkerte, worauf Ben in Gelächter ausbrach. Lächelnd sagte Sofie: „Na was habt ihr drei denn ausgeheckt?“ Nicht drei, wir… au Tina bist du doof, das tat weh.“ Tina hatte Ben in die Seite geboxt, damit er seinen Mund hielt. Sofie schüttelte stumm den Kopf. Sie sollte nicht weiter nachfragen, sonst gab es vielleicht noch Streit unter den Kindern. Vielleicht planten sie ja wirklich eine Weihnachtsüberraschung.

Endlich erschien auch Matthias. Sofie grinste ihn an. Er trug keinen Anzug, sondern Jeans und ein Sweatshirt. Ja, es war Realität, dass er nicht zur Arbeit gehen würde und sie war froh darüber. „Hast du das Päckchen mitgebracht?“ Tina sah ihren Vater fragend an. „Nein hab ich nicht, es ist heute Morgen einfach zu wenig Zeit, um es zu genießen. Ich wollte fragen, ob wir es nicht heute Mittag machen können. Außerdem habe ich mir überlegt, dass ich euch zur Schule bringen kann, bevor ich in die Kanzlei fahre.“ Sofie stöhnte. „Bist du verrückt geworden. Was willst du in der Kanzlei? Also ehrlich Matthias, du kannst doch…“ „Sofie, halt die Luft an“, unterbrach er sie lachend. „Ich will nur die Geschenke an die Mitarbeiter verteilen und die Einladung zum Essen absagen. In meinem geschwächten Zustand wird jeder verstehen, dass ich dazu nicht in der Lage bin.“ Ja genau, er so total geschwächt aus. Sofie musste schmunzeln. Dann sprach Matthias weiter. „Danach werde ich noch einmal zum Doktor gehen und ihn fragen, was er mir an Sport empfiehlt. So ein regelmäßiges Work-out kann ja nicht schaden. Danach könnte ich einkaufen, wenn du noch etwas brauchst und bis ich damit fertig bin, ist es sicher schon Zeit, die Kinder abzuholen.“ Nun war Sofie sprachlos. Die Kinder ließen ihr auch gar keine Zeit für eine Erwiderung. Sie jubelten los und damit war für Sofie die Antwort klar. „Ja ok, ich schreib dir einen Einkaufszettel. Während du weg bist, kann ich den Haushalt machen. Dann haben wir morgen genug Zeit zum Lebkuchenhaus backen.“ Geheuer war ihr die Sache aber nicht.

Der Vormittag verlief ereignislos und das Mittagessen stand pünktlich auf dem Tisch, als ihre Meute nach Hause kam. Die Kinder stürmten in die Küche um sie überschwänglich zu begrüßen und Matthias verschwand erst einmal nach oben. Dann kam er mit den Einkäufen in die Küche. Ein verschmitztes Grinsen lag auf seinem Gesicht und Sofie wusste nicht, was sie von dem Ganzen halten sollte.

Nach dem Mittagessen wurde der Briefumschlag geöffnet. Darauf war ein Buch gemalt, und wenn man genau hinsah, konnte man auch den Titel lesen „Scrooge“. Sofie lachte und meinte dann, „ich weiß, was in dem Päckchen ist. Bestimmt ein Buch mit meiner liebsten Weihnachtsgeschichte.“ „Nö“, sagte Ben. „Das ist für ein Buch viel zu leicht.“ Sofie runzelte die Stirn, nahm den Brief und begann zu lesen:

Liebe Sofie,
du hast sicher geraten, dass es heute um deine Lieblingsweihnachtsgeschichte geht. Aber ich habe dir kein Buch eingepackt. Den Gedanken kannst du vergessen. Aber es geht um Srooge und um den Sinn von Weihnachten. Manchmal denke ich, das der Weihnachtssinn (dein Vater sagt gerade, dieses Wort gäbe es gar nicht, aber egal, du weißt was ich meine) verloren gegangen ist. Wo nehmen sich die Menschen Zeit für Besinnung. Die meisten kaufen erst 5 Minuten vor Feierabend ihre Geschenke ein, weil sie es als Last empfinden. Dann kommt es auch nicht darauf an, ob die Geschenke dem Beschenkten gefallen. Es geht darum, dass sie teuer sind und etwas hermachen. Ich habe mich früher immer über die Geschenke gefreut, die du für mich gebastelt hast. Du hast Ideen und Zeit eingesetzt, um mir eine Freude zu machen. Solche Geschenke, die mit Liebe gegeben werden, sind wirkliche Geschenke.
Aber nun wieder zurück zu Scrooge. Im Zeitalter der DVDs gibt es die Geschichte in vielen Variationen auch zum Anschauen. Vielleicht habt ihr ja alle gemeinsam dazu Zeit. Ich wünsche euch viel Spaß dabei.

Liebe Grüße auch an Matthias und unsere Enkel
Mama


Sofie ließ Ben auspacken. Eine DVD mit der Muppets Weihnachtsgeschichte kam zum Vorschein. „Gucken wir die heute Abend“, fragte Ben gespannt. Matthias und Sofie tauschten einen kurzen Blick dann sagte sie: „Klar, das können wir machen, und wenn ihr wollt, gibt es dazu Popcorn.“

Am Nachmittag fuhr Sofie Sven zum Zahnarzt, danach besorgten sie noch einen großen Eimer Popcorn. Zu Hause angekommen erwartete sie ein stilles Haus. Kein Laut war zu hören. Richtig unheimlich. Sven rannte auch gleich nach oben und verschwand in seinem Zimmer. Na gut, dachte Sofie, sie haben Geheimnisse. Also lasse ich sie in Ruhe.

Nach dem Abendessen saßen sie dann alle im Wohnzimmer. Die Kerzen auf dem Adventskranz brannten und Matthias legte die DVD in den Player. Ben war schon ganz zappelig und konnte kaum still sitzen. Sofie nahm ihn auf den Schoß, als der Film begann. Die Geschichte vom hartherzigen und geldgierigen Ebenezer Scrooge, berührte sie immer wieder. Und als Ebenezer von den drei Geistern bekehrt war und von nun an den Sinn von Weihnachten verstanden hatte und mit freudigem Herzen Weihnachten feierte, da liefen Sofie die Tränen über die Wangen. Die Muppets Weihnachtsgeschichte war die schönste Umsetzung der Geschichte.
Ben sah sie fragend an. „Mami, warum weinst du denn? Der Mann war doch am Schluss ganz lieb. Und sie haben ganz fröhlich alle zusammen gefeiert.“
Sofie schluckte. „Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll, Ben. Es ist einfach so, dass ich mich darüber freue, wenn alles gut läuft. Und dann weine ich eben. Das passiert mir bei vielen Filmen.“ Ben war beruhigt.
Matthias machte das Licht an und musste dann lachen. „Es hat bei uns geschneit.“ Überall um sie herum waren Popcornstückchen zu Boden gefallen. „Na, wenn es draußen nicht schneit, dann machen wir uns unseren Schnee hier drin eben selber.“ Sofie lächelte ihre Kinder an. „Ben, du gehst jetzt ins Bad und anschließend in dein Bett. Morgen wollen wir doch backen und dann musst du ausgeschlafen sein. Tina du kannst bitte staubsaugen und Sven hilft mir schnell die Küche aufzuräumen. Und du mein Schatz, gönnst dir mal ein richtig schönes entspannendes Bad, und wenn du fertig bist, genehmigen wir uns einen Glühwein, in Ordnung?“ Total überrumpelt nickte Sofie und ging nach oben um Wasser in die Wanne zu lassen. Als sie dann 10 Minuten später in der Wanne lag, fragte sie sich, was hier vor sich ging. Es war, als wenn jemand einen Schalter umgelegt hätte. Die Kinder, nein Sven und Tina waren wie ausgewechselt und Matthias erschien, wie ein anderer Mensch. Sie lächelte. Nein nicht wie ein anderer, sondern wie der, der er früher war. Als sie sich kennengelernt hatten, haben sie viel gemeinsam unternommen. Matthias hatte auch richtig tolle Menüs für sie gekocht. Aber dann war er in die Kanzlei eingetreten und nach und nach war aus ihm der Anwalt geworden, nicht mehr ihr Matthias, der mit ihr durch dick und dünn ging. Hatte dieser vermeintliche Herzinfarkt diese Veränderung gebracht? Würde sie anhalten? Bei all der Grübelei hatte Sofie gar nicht bemerkt, wie sehr das Wasser schon abgekühlt war. Sofie verließ die Wanne, trocknete sich ab und schlüpfte in ihren Hausanzug. Dann ging sie ins Wohnzimmer hinunter, wo Matthias schon auf sie wartete. Sie saßen lange zusammen, tranken Glühwein und redeten. Als sie später im Bett lagen sagte Matthias: „Das sollten wir wieder öfter machen. Tut mir leid Schatz, dass ich dich so vernachlässigt habe.“



Kapitel 18
17. Dezember

Fröhlich wachte Sofie am nächsten Morgen auf. Das Bett neben ihr war leer und sie fragte sich, warum Matthias schon aufgestanden war. Sie rekelte sich noch einmal, dann stand sie auf. Heute war ihr Geburtstag und sie war nun 40 Jahre alt. Ein Blick in den Spiegel bestätigte ihr, dass sie keine zwanzig mehr war. Aber sie war mit ihrem Aussehen ganz zufrieden. Auf dem Weg ins Bad kam sie an den offenen Kinderzimmertüren vorbei. Alle Betten waren leer – seltsam.

Fertig angezogen ging sie nach unten. Stille – nein, nicht ganz, sie konnte ein unterdrücktes Kichern hören. Das klang sehr nach Ben. Vorsichtig öffnete sie die Küchentür, aber die Küche war leer. Auch das Wohnzimmer war leer. Merkwürdig, wo steckten sie denn? Zum Schluss schaute sie ins Esszimmer und prallte verblüfft zurück. Der Raum leuchtete von unzähligen Kerzen. Überall standen Weihnachtssterne und der Tisch war festlich gedeckt. Ihre Familie stand neben dem Tisch und begann bei ihrem Anblick „Happy Birthday“ zu singen. Sofie begann zu weinen. Ben rannte zu ihr und sagte leise: „Mami so schlecht singen wir doch gar nicht.“ Sofie nahm ihn in den Arm. „Ben ich weine, weil ich so überrascht bin.“ „Na toll, dann wirst du gleich noch mehr weinen. Es gibt nämlich noch mehr Überraschungen.“ Mit diesen Worten umarmte Sven sie. „Alles Gute zum Geburtstag Mama.“ Nachdem alle gratuliert hatten, wurde erst einmal gefrühstückt. Wobei Sofie ab und zu auf die Geschenke schielte, die auf dem kleinen Beistelltisch lagen. Sie war ja so neugierig.

Nachdem alle satt waren, wollte Sofie erst die Adventskalenderpost öffnen. „Nichts da, zuerst kommt das Paket von Ben.“ Ben gab ihr eine Rolle und Sofie öffnete sie. Es war ein Bild. Ein Bild mit vielen Bäumen, von denen etwas herunter hing. Dann gab es da eine Figur, die auf einem der Bäume stand und nach so einem Ding griff. Sofie war etwas verwirrt. „Ben was hast du da denn Tolles gemalt?“ Ben lachte und meinte: „Du musst raten.“ Sofie runzelte die Stirn und sah noch genauer hin. „Ist das etwa King Kong, der sich an einer Liane durch den Urwald schwingt?“ Ben prustete los. „Nein, das ist unser Stadtwald und da gibt es so einen Weg, wo man Sport machen kann. Da hängen auch Seile von den Bäumen.“ Aha, dachte sich Sofie, lächelte Ben an und bedankte sich. Ben und die anderen grinsten. Irgendetwas ging hier vor, was sie nicht verstand. Nun war Tina an der Reihe. Auch von ihr bekam sie eine Rolle. Es war ein Notenblatt und in einer Ecke stand mit Kinderschrift geschrieben „Orgelkonzert“: Langsam wurde es immer seltsamer. Und als sie auch von Sven eine Rolle bekam, fühlte sie sich irgendwie verschaukelt. Aber sie würde gute Miene zu diesem undurchschaubaren Spiel machen. In Svens Rolle war ein gemaltes Bild von einem Tannenbaum. Oder anders formuliert, es wäre ein schönes Bild gewesen, wenn nicht der Tannenbaum in Flammen gestanden hätte. Bevor sie ihren Unmut äußern konnte, legte ihr Matthias einen Umschlag in die Hand. Widerstrebend öffnete Sofie ihn. Was würde da jetzt wohl zum Vorschein kommen? Es war eine Postkarte. Eine leere Postkarte. Auf der Vorderseite waren Strand und blauer Himmel zu sehen. „Ich verstehe leider nicht, was das Ganze jetzt soll. Wollt ihr mich auf den Arm nehmen?“ Sofies Stimme zitterte leicht. Der Tag hatte so schön angefangen. Matthias nahm sie in den Arm. „Nein Schatz, wir wollten dir etwas schenken, dass dir Freude macht. Die Art und Weise war vielleicht nicht so geschickt. Tut mir leid. Also du darfst dir aussuchen, was du machen möchtest. Zur Auswahl stehen:

1. Mit der Familie in den Stadtwald gehen und ein wenig Sport treiben.
2. Mit der Familie ein Orgelkonzert besuchen.
3. Weihnachten ausfallen zu lassen, deshalb der brennende Baum und statt dessen und das ist dann meine Karte, mit uns kurzfristig in die Sonne zu reisen. Hotel, Strand, nichts tun müssen.

Aber wir haben auch noch richtige Geschenke, die du jetzt auspacken kannst. Sofie schluckte. Man sollte nie so vorschnell urteilen. Ihre Familie hatte sich echt Gedanken gemacht. Sie nahm die Geschenke entgegen. Von Ben bekam sie eine selbst gebastelte Schneelandschaft.



Von Tina einen selbst gestrickten Schal in einem wunderschönen grün, von Sven ein Buch, das sie schon lange haben wollte und von Matthias bekam sie eine wunderschöne Halskette. Sie schluckte, dicke Tränen liefen nun über ihre Wangen. Matthias nahm sie in die Arme. „Nicht weinen, meine Süße. Komm, beruhig dich.“ Dann gab er ihr ein Taschentuch und wedelte mit dem Brief von ihrer Mutter. „Soll ich ihn vorlesen oder schaffst du das?“ „Sofie schüttelte den Kopf und schniefte: „Nein, lies du.“ Matthias nahm den Brief aus dem Umschlag.

Liebe Sofie,
herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Papa und ich wünschen Dir einen Tag mit vielen schönen Überraschungen. „Der Wunsch ist schon in Erfüllung gegangen“, sagte Sofie leise. Wir hoffen, dass du den Tag genießen kannst und das deine Familie dich so richtig verwöhnt. Wir haben lange überlegt, was wir dir schenken können. Eigentlich hast du ja alles. Aber wir wollten dir unbedingt etwas schenken. Also haben wir uns gedacht, wir schenken dir ein Weihnachtsfest ohne Arbeit. Wir laden euch zu uns ein. Ihr könnt entweder am 22.12. gleich nach der Schule losfahren oder am 23.12. und bis Neujahr bei uns bleiben. Was haltet ihr davon? Also wir würden uns riesig freuen. Unser Flugzeug landet am 21.12. und da haben wir genug Zeit zum Einkaufen. Schreibt bitte eine Email oder eine SMS oder sprecht einfach auf den AB, damit wir Bescheid wissen.

Bis hoffentlich bald. In Gedanken umarme ich euch ganz fest.
Mama (und natürlich auch von Papa liebe Grüße)


„Würdest du gern zu deinen Eltern fahren?“ Matthias hoffte, dass sie ja sagen würde. Es würde der ganzen Familie gut tun. Warum hatte er nicht selber daran gedacht. Sofie musste gar nicht nachdenken. „Ja, ich würde gern mit euch zu meinen Eltern fahren. Vielleicht liegt in den Bergen sogar Schnee zu Weihnachten.“ So war es beschlossene Sache und selbst die Kinder freuten sich auf den Besuch bei den Großeltern. „Mai, du musst noch das Päckchen auspacken.“ Ließ Ben sich vernehmen. Mit leicht zittrigen Händen öffnete Sofie das Geschenkpapier. Ein Seidentuch in vielen verschiedenen Grüntönen lag darin. Und auf einem Zettel stand: Die Farbe grün war schon immer deine Farbe. Wir hoffen, das Tuch gefällt dir.“

Sofie konnte ihren Geburtstag in vollen Zügen genießen. Zum Mittagessen hatte Matthias einen Tisch in ihrem Lieblingsrestaurant bestellt. Das Abendessen bereiteten die Kinder vor und sie machten auch den Abwasch. Sie war so verwöhnt worden, wie nie zuvor. Als Schlafenszeit war, umarmte sie ihre Kinder und Matthias ganz fest und bedankte sich für den schönsten Geburtstag aller Zeiten.
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BeitragVerfasst am: 18.12.2016, 22:17    Titel: 19. Dezember Antworten mit Zitat

Wenn du etwas Gutes tun kannst, mögest du Hände so groß wie Schaufeln haben.



Kapitel 19
18. Dezember

„Jingle bells, jingle bells…. Du Tina, warum bellen diese Jingles denn eigentlich?“ Sofie grinste breit, als sie die Frage von Ben hörte. Sie spitze die Ohren, weil sie die Antwort von Tina nicht verpassen wollte. „Wer bellt?“ Hörte sie Sven fragen. „Na die Jingles, das singen wir doch immer.“ Sven hustete, oder vielmehr er lachte, wollte aber nicht das Ben es mitbekam. „Bells sind Glocken Ben.“ Kam die Erklärung von Tina. „Oh, ach so.“ Es herrschte einen Moment schweigen, dann sagte Ben: „Aber was sind dann diese Jingles? Kapier ich nicht.“ „Komm, lass uns runter gehen und Frühstück machen. Dabei erkläre ich es dir.“ Das war wieder Svens Stimme. Dann hörte man Getrappel, anschließend war es still.

Sofie drehte sich zu Matthias um, in der Annahme das er noch schliefe. Aber er war wach und grinste sie an. „Na die Erklärung würde ich jetzt gern hören, du nicht auch?“ Sofie nickte und sie standen beide schnell auf, schnappten sich ihre Bademäntel und schlichen nach unten. An der Küchentür blieben sie stehen und lauschten. Sven war noch dabei, die Aufgaben zu verteilen. Aber dann erklärte er Ben: „Das Lied kommt aus Amerika und ist gar kein Weihnachtslied. Das haben wir im Englischunterricht gelernt. Es geht eigentlich auch nicht um Glocken sondern um kleine Glöckchen, die an einem Pferdegeschirr festgemacht sind und schön klingeln, wenn das Pferd durch die Winterlandschaft trabt. Es zieht eine kleine Kutsche hinter sich her, in der Leute sitzen, die lachen und sich am Winter freuen.“ Sofie war schwer beeindruckt. „Warum singen wir das Weihnachten, wenn es doch damit gar nichts zu tun hat?“ Ben sah seinen Bruder beeindruckt an. „Das weiß ich leider auch nicht Ben. Aber nun lass uns weitermachen.“

Sofie und Matthias betraten die Küche. „Können wir helfen?“ Fragend sah Matthias in die Runde. Sven grinste und teilte auch ihnen einige Aufgaben zu und in kürzester Zeit stand das Frühstück auf dem Tisch. „Heute machen wir alle Kerzen an“, verkündete Ben und gab Matthias den Anzünder. „Was habt ihr denn heute vor? Irgendwelche Wünsche oder Vorstellungen?“ Matthias goss sich Kaffee ein und wartete. „Wie wäre es mit dem Lebkuchenhaus, dass haben wir gestern ja nicht gemacht.“ „Lieber auf den Weihnachtsmarkt, alle zusammen.“ Sofie sah Sven an. „Und was möchtest du? Zum Weihnachtsmarkt wie Tina oder das Lebkuchenhaus backen, wie Ben oder möchtest du noch einen anderen Wunsch äußern. Ich bin gespannt.“ „Ich möchte beides, aber ich würde auch gern mit euch Schlittschuh laufen. Das haben wir schon ganz lange nicht mehr gemacht.“ „Als ganze Familie haben wir das noch nie gemacht“ fügte Tina an.

„Eure Mutter und ich ziehen uns zur Beratung zurück“, verkündete Matthias vergnügt und zog Sofie hinter sich her aus der Küche. „Wir könnten nach dem Frühstück zur Eisbahn fahren und nach dem Mittagessen den Teig für das Lebkuchenhaus backen und danach gehen wir auf den Weihnachtsmarkt und wenn wir zurück sind, basteln wir das Haus zusammen und verzieren es.“ Sofie machte ein nachdenkliches Gesicht. Dann sagte sie mit ernster Mine: „Guter Plan und wenn wir noch ein wenig Zeit haben, können wir unsere Rakete fertig machen und zu den Sternen fliegen um ein wenig Sternenstaub einzusammeln.“ Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Matthias, du sollst kürzer treten. Das gilt auch in der Familie. Du überschüttest sie jetzt mit gemeinsamen Aktionen und wenn du wieder zur Arbeit musst, stehen sie allein da. Ich möchte jetzt keine Spaßbremse sein, aber ich denke, wir sollten nicht alles heute machen.“ Matthias dachte einen Augenblick über Sofies Worte nach. Sie hatte recht. „Was meinst du, können wir den Teig für das Haus backen und auf den Weihnachtsmarkt gehen und morgen dass Haus fertig machen und vielleicht Schlittschuh laufen?“ Sofie nickte zustimmend und sie gingen zurück in die Küche. Die Kinder freuten sich, dass alle ihre Wünsche erfüllt würden, wenn auch nicht sofort. „Wir haben Omas Brief vergessen“, rief Ben plötzlich und rannte aus der Küche. „Ich gehe mit und helfe ihm“, meinte Sven. Kurz darauf waren beide wieder da. „Darf ich heute lesen?“ Tina sah Sofie bittend an und Sofie nickte.

Liebe Sofie,
ich wäre jetzt gern Mäuschen in eurem Haus. Genießt ihr die Adventszeit, unternehmt ihr etwas als Familie oder seid ihr einfach nur im Stress? Arbeiten, arbeiten und noch einmal arbeiten kann eine Familie kaputt machen. Eine Ehe und eine Familie müssen gepflegt werden, man muss sich Zeit nehmen und etwas einsetzen, damit es funktioniert. Aber ich will hier nicht den Moralapostel spielen. Dein Vater sagt, ich soll zum Kern der Sache kommen.
Also versuche ich das mal. Erinnerst du dich an deinen Wunsch, dass dein Papa mehr Zeit für dich haben soll? Das war auch mein Wunsch. Und er ging in Erfüllung, gerade noch zur rechten Zeit. Ich schreibe dir/euch jetzt etwas, was außer meinem lieben Mann und mir bisher niemand wusste.
Kurz bevor du deinen Wunschzettel geschrieben hast, war ich bei einem Anwalt, weil ich deinen Vater verlassen wollte. Es war in der Adventszeit. Alle redeten vom Fest der Liebe, dabei herrschte überall nur Stress und Hektik. Die Leute stritten mehr als in den anderen Monaten und wir stritten gar nicht, weil wir uns dafür viel zu selten gesehen haben. Ich möchte das hier nicht zu weit ausbreiten. Aber ich möchte euch bitten, dass ihr zu uns kommt und ein paar Tage fern ab vom Alltag verbringt. Und ich wünsche mir, dass ihr seht, was ihr aneinander habt. Wie wichtig jeder einzelne in einer Familie ist und dass Liebe wichtiger ist, als ein neues Auto.“

Mama


Betroffen sahen sich Matthias und Sofie an. Das hatte niemand gewusst oder auch nur geahnt. Wenn man Sofies Eltern sah, da sah man ein Ehepaar, dass sich nach über 40 Jahren Ehe immer noch liebte. „Mein Vater hatte dann einen neuen Verkäufer eingestellt und war deshalb wieder häufiger zu Hause. Mir ist nie der Gedanke gekommen, dass meine Mutter auch darunter gelitten hat, dass mein Vater so viel arbeiten muss.“ Die Kinder hatten geschwiegen, selbst Ben, dessen Mund sonst nie lange still stand. Jetzt sah er von Sofie zu Matthias und wieder zurück zu Sofie. „Mama du gehst aber nicht weg, weil Papa immer arbeitet oder? Ich möchte nicht ohne dich hier bleiben.“ Jetzt standen Tränen in seinen Augen. Zuerst war Sofie wütend auf ihre Mutter, dann überlegte sie, dass es vielleicht gut war, wenn sie gemeinsam darüber sprachen. Sofie versuchte, die richtigen Worte zu finden. „Ben, ich gehe nicht weg. Und ich würde euch Kinder auch nie allein lassen. Und Papa würde auch nicht weg gehen. Aber Oma hat natürlich recht, wenn sie schreibt, dass Liebe wichtiger ist, als Besitz. Als wir geheiratet haben, hatten wir viel Zeit für einander. Euer Vater und ich sind Tanzen gegangen, haben Spaziergänge gemacht, Wandertouren, waren im Kino oder Theater und sind zweimal im Monat Abend Essen gegangen. Dann wurde Sven geboren. Wir sind weiter spazieren gegangen, aber Kino, Theater usw. fiel aus. Euer Vater bekam die Stelle in der Kanzlei. Er wollte aufsteigen und Partner werden. Er hat mehr und mehr Aufgaben übernommen und weil er so ein guter Anwalt ist, bekam er auch immer mehr Klienten.“
An der Stelle unterbrach Matthias sie. „Ich dachte, wenn ich Partner bin, dann kann ich meine Zeit besser einteilen, kann Fälle ablehnen, habe geregelten Feierabend. So war es aber nicht. Jeder wollte der beste sein, ich auch. Deshalb habe ich mehr Fälle übernommen, als ich eigentlich schaffen kann. Das brachte ja auch mehr Geld und ich wollte doch, dass es euch mal besser geht als mir. Ihr solltet alles haben, was ihr euch wünscht.“ Er schwieg und sah seine Kinder an. Leise fuhr er fort: „Aber es kam alles ganz anders. Denn mit den Geschenken habe ich mir nur Zeit erkauft. Zeit für die Kanzlei, nicht für die Familie. Ich habe eurer Mutter Aufgaben übertragen und sie hat nie nein gesagt. Auch wenn ich sie oft überfordert habe.“ Matthias schluckte und fuhr dann fort: „ Als ich im Krankenhaus lag, habe ich gedacht, ich sehe euch nicht wieder. Da ist mir klar geworden, dass ich viel verpasst habe, in den letzten Jahren. Ich war nicht dabei, als Ben krabbeln lernte oder laufen. Habe verpasst wie aus Sven ein Jugendlicher wird, der auch Verantwortung übernehmen kann und will. Mir ist bewusst geworden, dass meine kleine Tina schon lange nicht mehr klein ist. Und mir ist erst jetzt aufgefallen, was eure Mutter alles aufgegeben hat um mich zu unterstützen.“ Wieder schwieg Matthias. Der redegewandte Anwalt suchte nach Worten. Er holte tief Luft, sah seine Frau und seine Kinder an und sagte: „Ich möchte euch um Vergebung bitten. Ich habe uns allen ein großes Stück unserer Familienzeit genommen und das tut mir leid.“ Es war so still im Raum, dass man eine Nadel hätte fallen hören können. „Wen man etwas wegnimmt, dann muss man es zurück geben. Und wenn etwas ganz weg ist, dann muss man was neues suchen oder?“ Ben zog grübelnd die Stirn in Falten. „Ich bin kein Baby mehr, aber du kannst doch gucken wie ich Radfahren lerne oder schreiben. Das ist doch auch toll. Und in der Schule ist eine Verführung, die kannst du auch gucken.“ Sven gluckste und knuffte seinen kleinen Bruder liebevoll. „Du hast recht Ben, aber es heißt Vorführung oder Aufführung.“ Liebevoll sah Sofie zu, wie die Kinder Matthias umarmten und ihm sagten, dass sie nicht böse auf ihn sind. Dann verließen die Kinder einträchtig die Küche. „Ich vergebe dir auch Matthias und ich finde es ganz stark, dass du dass alles vor den Kindern gesagt hast. Natürlich musst du jetzt aber auch am Donnerstag an der Verführung teilnehmen, sonst ist Ben enttäuscht.“ Sie grinste und fuhr dann fort: „Er ist doch einfach nur zum knuddeln oder? Manchmal weiß ich gar nicht, woher er diese Sätze nimmt, aber meistens trifft er den Nagel auf den Kopf.“ Dann fiel ihr Blick auf den Tisch. „Wir haben das Päckchen gar nicht ausgepackt. Aber ich denke, ein Geschenk haben wir heute alle bekommen. Ich liebe dich Matthias.“

„Pass auf, gleich knutschen sie.“ Bens Flüstern klang verschwörerisch und Sofie musste lachen. Los ihr Rasselbande kommt wieder her.“ „Als wir oben waren, ist Ben aufgefallen dass wir das Paket gar nicht aufgemacht haben und er hat uns runter gescheucht.“ Erklärte Sven mit einem Zwinkern. „Wir hätten auch bis nachher warten können, nur Ben ist neugierig.“ Tina grinste und zauste Ben durchs Haar. Ben nahm das Paket vom Tisch und gab es Matthias. „Papa soll aufmachen okay?“ Keiner hatte Einwände und Matthias öffnete die Verpackung. Als er den kleinen Karton geöffnet hatte sah er viele kleine Schnipsel darin. Er schüttete sie auf den Tisch. „Was hat das denn nun wieder zu bedeuten?“ Matthias sah Sofie an. Die grinste und meinte nur: „Sieht aus wie ein Puzzle.“ „Ja toll, ein selbst gemachtes Puzzle. Das ist viel schwerer zusammenzubauen, als ein richtiges. Wieso schickt Oma uns das?“ Tina hatte diese Frage gestellt, aber sie hatte auch gleich angefangen, nach Randstücken zu suchen. „Als ich in die 3. Klasse ging, habe ich mir das ausgedacht. Meine Eltern bekamen meine Nachrichten immer in dieser Form. Ich fand es witzig, meine Mutter gar nicht. Jetzt kann ich sie verstehen.“ Sofie wusste nicht so Recht, ob sie lachen oder weinen sollte, entschied sich aber fürs lachen. Im Nu saßen sie gemeinsam über dem Puzzle und hatten es auch in kurzer Zeit zusammen. Tina las vor:




„Was bedeutet das Mami?“ Ben zog die Nase kraus. „Also was ein Kompass ist, das weiß ich und Licht und Wärme, aber was ist Heiliger Geist und Segen. Und warum hat Oma das geschickt.“ Sofie sah die großen Fragezeichen in Bens Augen. Aber auch die anderen sahen sie abwartend an.

„Das ist ein Lied, dass wir damals in der Sonntagschule ganz oft gesungen haben. Ich durfte das Lied auf dem Klavier begleiten und war mächtig aufgeregt. Zu Hause habe ich stundenlang geübt und meine Mutter hat mir dabei geholfen, durchzuhalten, wenn es nicht so geklappt hat. Mein Vater hat jeden Abend gefragt, ob ich es ihm vorspiele und er hat es tapfer ertragen, wenn ich wiederholt die falschen Tasten getroffen habe. Als wir das Lied dann im Gottesdienst gesungen haben, saßen meine Eltern in der ersten Reihe und das hat mir Mut gemacht. Meine Mutter wollte sicher, dass ich mich an diese Zeit erinnere, aber es soll mich bestimmt auch daran erinnern, dass Gott immer bei uns ist, auf allen Wegen, auf den schönen genauso wie auf den gefährlichen. Er hat einen Plan für unser leben. Bevor ich dir jetzt aber etwas vom Heiligen Geist erzähle, muss ich dich etwas fragen. Du weißt doch, wer Jesus ist, stimmt’s?“ Ben nickt. „Du weißt auch, dass Jesus gestorben ist und jetzt wieder bei seinem Vater, also Gott im Himmel ist?“ Ben nickt abermals. „Jesus hat seinen Freunden versprochen, dass sie niemals wieder allein sein werden. Jesus wollte seinen Vater bitten, dass dieser jemand anderes an seiner Stelle zu seinen Freunden schickt. Und das hat Gott auch getan. Er hat den Heiligen Geist zu den Menschen geschickt, die an Jesus glauben. Und der Heilige Geist macht uns Mut, wenn wir ängstlich sind. Oder er schenkt uns Freude, wenn wir traurig sind. Er ist wie eine leise Stimme in uns drin. Und Segen bedeutet so etwas wie ein Geschenk, dass Gott uns macht. Er will uns Frieden, Heilung und Bewahrung schenken.“
Ben seufzte: „Muss ich das jetzt gleich verstehen oder kann ich das in meinem Kopf noch mal rumdrehen?“ Sofie nahm ihn in den Arm. „Du kannst dir das noch ihm Kopf herumgehen lassen oder darüber nachdenken. Manches ist eben schwer zu erklären, aber du kannst Fragen, wenn du etwas genauer wissen willst.“

Nach einem ausgefüllten Tag und nachdem die Kinder im Bett waren, ging Sofie zu Matthias ins Wohnzimmer. „War das nicht ein toller Tag? Das Lebkuchenhaus ist so weit fertig, dass wir es morgen zusammen bauen können. Auf dem Weihnachtsmarkt hatten wir viel Spaß zusammen und die Kinder sind glücklich und müde in ihre Betten gefallen. Möchtest du einen Tee oder ein Glas Punsch?“ Matthias sah traurig und nachdenklich aus. „Setz dich zu mir Sofie, ich möchte jetzt nichts trinken. Gerade habe ich mich gefragt, wie man nach einem so schönen Tag so unglücklich sein kann. Denn ich bin unglücklich. Sofie wir haben so viele Jahre verloren, die wir nie wieder zurückholen können. Ich hab so viele Fehler gemacht, vielen Menschen weh getan. Über deine Eltern habe ich mich im Stillen oft lustig gemacht, weil sie in ihrem alten Haus sitzen, einen alten Wagen fahren und nichts aus sich gemacht haben. Aber ich bin der Verlierer, ich bin der, der nichts aus sich gemacht hat.“

„Matthias, du hast die Kinder und mich um Vergebung gebeten. Aber du musst dir auch selber vergeben. Wenn du das nicht kannst, wird die Zukunft nicht besser als die Vergangenheit. Denk darüber nach und wenn du Hilfe brauchst, weißt du ja, wo du mich findest.“ Sofie ging nach oben. Und ließ einen nachdenklichen Matthias zurück.
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BeitragVerfasst am: 19.12.2016, 23:22    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn eisiger Wind und Kälte dir entgegenschlagen, möge die Liebe Gottes dir Schutz sein, dir Wärme und Halt geben.



Kapitel 20
19. Dezember

Ben stand schon um 6 Uhr vor Sofies Bett. „Mami, bist du schon wach?“ „Nein, Schatz, ich schlafe noch“, flüsterte Sofie. Ben kicherte. „Darf ich mit dir kuscheln?“ Sofie hob die Decke und Ben krabbelte ins Bett. Er kuschelte sich an Sofie und seufzte zufrieden. „Das war gestern toll. Und Papi hatte so viel Zeit für uns.“ Ben flüsterte nun schon etwas lauter und Sofie spürte, dass Matthias wach geworden war. „Mami, ich freue mich auf nachher. Ich war noch nie Schlittschuh laufen. Meinst du ich kann das? Ob Papa mir hilft. Weißt du, Pauls Papa hilft Paul immer. Beim Radfahren lernen, und auch beim Schlittschuh laufen. Paul sagt, sein Vater hat ihn einfach an den Händen gehalten und es ging prima. Meinst du Papa macht das mit mir auch so? Kann Papa überhaupt Schlittschuh laufen? Meinst du da gibt es auch was zu essen. Wenn man draußen ist, hat man immer viel Hunger. Oder nimmst du was mit? Mama müssen wir nicht bald aufstehen?“ Sofie hörte hinter sich ein unterdrücktes Lachen. Sie küsste Ben auf die Wange. „Welche Frage soll ich denn jetzt zuerst beantworten?“ Ben lachte und man konnte seine Grübchen sehen. Sofie wurde es ganz warm ums Herz. „Also ich kann Schlittschuh laufen und ich nehme dich gern an die Hand und zu essen gibt es da auch, und wenn du jetzt noch eine Frage stellst, dann knutsche ich dich auf den Bauch.“ Matthias schnappte sich Ben und kitzelte ihn ordentlich durch. „Papi stehen wir jetzt auf und holen Omas Brief?“ „Oh, oh…“ Sofie lachte. „Ben das war eine Frage, ich glaube jetzt hast du ein Problem.“ „Genau, mein Sohn, jetzt hast du ein Problem.“ Matthias schob das Schlafanzugoberteil von Bens Schlafanzug hoch, holte theatralisch tief Luft und prustete dann auf Bens Bauch. Ben strampelte und kicherte, bis er kaum noch Luft bekam.

„Was ist denn hier los?“ Eine verschlafene Tina stand in der Tür. Ben kicherte, hopste aus dem Bett und sagte: „Stell mal Papa ganz viele Fragen, dann wirst du schon sehen.“ Grinsend verschwand er aus dem Schlafzimmer. Tina schüttelte nur den Kopf und schlurfte ins Bad.

Nachdem alle gewaschen und angezogen am Tisch saßen, öffnete Sofie den Brief von ihrer Mutter:

Liebe Sofie,
Weihnachten rückt mit großen Schritten näher. Habt ihr euch schon überlegt, ob ihr zu uns kommt? Wenn ja, dann kannst du dir ja einige Arbeiten sparen. Diese Zeit könntet ihr ja dann gemeinsam verbringen. Habt ihr eigentlich Elefantenkekse gebacken? Oder ein Knusperhaus? Wenn ja, würde ich mich freuen, wenn ihr ein Foto von euren Kunstwerken mitbringen könnt. Immer vorausgesetzt natürlich, dass ihr auch kommt. Im heutigen Paket ist wieder etwas, das aus deiner Vergangenheit stammt. Dein Vater sagt gerade, dass du es in der Zukunft vielleicht benutzen wirst und da du es in der Gegenwart auspackst, verbindet dieses Geschenk Vergangenheit mit Gegenwart und Zukunft. Ich weiß zwar nicht, was er damit ausdrücken will, aber gut, ich sollte es aufschreiben.
In der Vergangenheit hast du es immer übernommen, das was im Paket ist, schön zu arrangieren. Du hast es mindesten dreimal am Tag neu aufgestellt und hast geguckt, wie es am besten wirkt. Es hat Spaß gemacht, dir dabei zuzusehen. Vielleicht übernehmen jetzt ja die Kinder das Aufstellen.

Einen schönen und entspannten Tag wünschen wir euch.
Mama


Sofie hatte eine Vermutung, was in dem Paket sein könnte. Sie gab es Sven zum Auspacken. Vorsichtig öffnete er die Verpackung und siehe da, Sofie hatte richtig vermutet. In dem Paket lagen zwei Hirten, ein kleiner Hund, 3 Schafe und zwei Lämmer. „Ich denke, Oma schickt uns nach und nach die alten Krippenfiguren. Die habe ich als Kind geliebt und hätte sie am liebsten das ganze Jahr stehen lassen.“ Lächelnd sah Sofie ihre Kinder an. „Nach dem Frühstück könnt ihr noch schnell einen Platz für die Figuren suchen. Dann müssen wir los, sonst kommt ihr zu spät.“

Gesagt getan. Nach dem Frühstück bekamen die Hirten und ihre Tiere einen schönen Platz im Wohnzimmer. Dann holte Ben noch Marie, Josef und Jesus und stellte sie dazu. „Mami, wir haben gar nichts, wo das Baby draufliegen kann.“ Ben sah sehr unzufrieden aus. „Wir überlegen uns später was, jetzt müssen wir los.“ Sofie stand schon an der Haustür und wartete auf die Drei. Ben rannte nach oben. „Ich muss noch schnell ins Bad, ich beeil mich.“ Matthias lachte. „Es ist doch immer das Selbe, einer braucht immer länger als die anderen.“ Da kam Ben aber auch schon wieder aus dem Bad geschossen. Er rannte die Treppe herunter, stolperte fast über seine Kindergartentasche, die er im Flur liegen gelassen hatte und raste ins Wohnzimmer.
Neugierig folgten ihm die anderen. Ben hatte eine ordentliche Handvoll Watte aus dem Bad geholt. Daraus formte er ein Nest und legte das Baby hinein. Mit einem weiteren Stück Watte deckte er es zu. Strahlend drehte er sich um und verkündete:

„Jetzt kann das Baby sich nicht erkälten und wir können los.“ Tina strubbelte sein Haar. „Gut gemacht, Kleiner.“ Sven klopfte ihm auf die Schulter. „Darauf wäre ich gar nicht gekommen. Spitzenmäßig, Ben.“ Lächelt schob Sofie ihre Kinder aus der Haustür.

Nach der Schule wollten sie gleich zur Eisbahn fahren. Und hinterher stand ja noch das Lebkuchenhaus auf dem Programm. Gut, das Sven und Tina gleich lange Unterricht hatten. Und auch gut, dass um diese Uhrzeit noch nicht so viel los war in der Eishalle. Sie müssten sich Schlittschuhe leihen, aber das war kein Problem. Matthias drehte schon eine Runde auf dem Eis, bevor Sofie und Ben ihre Schlittschuhe überhaupt anhatten. Ben und seine Geschwister staunten, wie toll ihr Vater Schlittschuh laufen konnte. Sofie schmunzelte. „Euer Vater und ich sind früher ganz viel Schlittschuh gelaufen. Wir haben sogar auf dem Eis getanzt, Pirouetten gemacht und euer Vater kann sogar ein paar tolle Sprünge. Aber das sollte er erst einmal lassen, wir sind ja lange nicht mehr auf dem Eis gewesen.“ Sie ging mit Ben aufs Eis und sofort kam Matthias angesaust. Er nahm Bens Hände fest ind seine Hände und zog ihn langsam über das Eis. Zuerst kippelte Ben ein wenig auf den ungewohnten Schlittschuhen, aber dann wurde er sicherer. Sven und Tina liefen allein übers Eis. Sie wurden sehr schnell übermütig und jagten sich. Sofie ließ es langsam angehen. Matthias und Ben kamen zu ihr und Ben streckte ihr eine Hand entgegen. Nun liefen sie zu dritt langsam über das Eis. Ben quietschte vergnügt. Sven und Tina rannten um sie herum, versuchten sich gegenseitig immer wieder zu überholen und dann passierte es: Tina stolperte und fiel hin. Sven konnte nicht rechtzeitig bremsen, blieb in Tinas Mantel hängen und schlitterte dann bäuchlings über das Eis. „Du Blödie, pass doch auf, jetzt ist mein ganzer Mantel kaputt. Du bist ….“ Bevor Tina sich noch weiter auslassen konnte, war Sofie bei ihr. „Steh auf, wir wollen erst einmal gucken, ob mit dir alles in Ordnung ist.“ Sven war schon wieder auf den Beiden und kam zu ihnen um sich den Schaden am Mantel anzusehen. „Mensch Tina, du machst ja aus einer Mücke einen Elefanten. Da ist nur ein winziger Riss. Den macht Mama mit links wieder heile.“ Sofie schüttelte den Kopf. Tinas Wintermantel war hin. Der „kleine Riss“ war 10 cm lang und nicht an einer Naht, sonder einmal quer über die Rückseite. Da war nichts zu machen.

„Schrecklich, einfach nur schrecklich“, ließ sich Matthias Stimme vernehmen. „Da müssen wir doch jetzt glatt in die Stadt fahren und diesem Kind einen neuen Mantel kaufen.“ Er lachte Tina an. „Dein Mantel war doch so und so schon ziemlich klein. Also ziehen wir jetzt los und kaufen einen Neuen, ok?“ Tina machte große Augen. „Nur wir beide?“ Eigentlich hatte Matthias gemeint, dass alle fahren würden, aber als er die Freude in Tinas Augen sah, sagte er schnell: „Ja, nur wir beide. Mama und die Jungs können ja noch etwas Schlittschuh laufen und wir holen sie ab, wenn wir einen Mantel gefunden haben.“ „Genau, kurbelt mal unsere Wirtschaft etwas an und besorgt einen richtig guten.“ Sofie nickte zustimmend und fuhr fort. „Und wenn ihr zu lange braucht, genehmigen wir uns ein leckeres Essen an der Pommesbude.“

Tina und Matthias brauchten nicht lange um einen tollen Mantel zu finden. Er war kuschelig war und in Tinas Lieblingsfarbe. Jetzt war Tina Sven fast dankbar, dass
der Mantel kaputt war. Die Mädels in der Schule würden morgen ganz schön gucken. Matthias und Tina futterten auch noch ein paar Pommes und dann ging es nach Hause.

Nun waren erst Hausaufgaben dran. Dann war es Zeit für das Knusperhäuschen. Sofie hatte schon jede Menge Puderzuckerguss angerührt und die Kinder setzten mit Hilfe von Matthias das Haus zusammen. Dann wurde es mit Kringeln, Zuckerperlen und allerlei anderem Süßkram verziert. Es sah einfach toll aus. „Mami, was machen wir denn mit dem Haus? Wir sind doch an Weihnachten gar nicht hier.“ Ben runzelte schon wieder sehr nachdenklich seine Stirn. Dann lachte und meinte: Wir nehmen das mit zu Oma und Opa. Die bekommen das geschenkt. Besser als wie ein Foto.“ Bens Idee fand Zustimmung. Wenn der Guss ganz trocken war, würde Sofie das Haus schön einpacken und für den Transport in einen Karton stellen.

Viel zu schnell war der Tag zu Ende. Die Kinder waren in ihren Betten und Sofie und Matthias saßen noch im Wohnzimmer. „Ich habe gerade an unsere ersten langen Winterspaziergang bei euch zu Hause gedacht.“ Matthias nahm Sofies Hand in seine. „Kannst du dich erinnern, wie wir durch den Schnee gestapft sind. Ich hatte die Skistiefel deines Vaters an, weil ich nicht gedacht hätte, dass so viel Schnee liegt. Wir haben uns den Sternenhimmel angesehen und er war gigantisch. In der Stadt sieht er nie so spektakulär aus.“ Sofie lachte und meinte: „Genau und du hast dich über die Sternbilder ausgelassen und ich habe gedacht, warum küsst er mich nicht endlich.“ Nun war es an Matthias zu lachen. „Ich erinnere mich, dass du dann die Initiative ergriffen hast.“ Beide dachten an ihren ersten Besuch bei Sofies Eltern zurück. Es war still im Wohnzimmer, aber es war eine wohltuende Stille.



Kapitel 21
20. Dezember

An diesem Morgen waren sie spät dran. Also gab es den Brief und das Päckchen erst, als Sven und Tina aus der Schule kamen.

Liebe Sofie,
Wenn du oder vielleicht ja auch ihr, das Päckchen genau betrachtet, dann ist doch sicher schon klar, was darin ist oder? Ein klitzekleiner Tipp:

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

Dieses „Fürchtet euch nicht“ gilt auch noch heute.
Mama


„Was meint Oma damit?“ Diese Frage kam von Ben. Die Antwort kam aber nicht von Sofie, sondern von Sven. „Dass es auch heute noch Engel gibt, die Gott schickt, um auf uns aufzupassen.“ „Echte Engel, mit Flügeln?“ Ben war begeistert. „Kann man die auch sehen. Warum habe ich denn noch keinen gesehen?“ Da Ben sich mit den Fragen an Sven gewendet hatte, wartete nun auch Sofie gespannt auf die Antwort.
Sven dachte einen Moment nach. „Nein Ben ich denke, wir können die nicht sehen. Manchmal sehen sie sicher aus wie Menschen. Auch durch Menschen kann Gott uns helfen.“ „Ok“, sagte Ben und griff nach dem Päckchen. Er wickelte es aus und hielt kurz darauf zwei schöne Engel in den kleinen Händen. „Die gehören zu Jesus in den Stall“, verkündete er, rutsche von seinem Stuhl und verschwand im Wohnzimmer.
Wenn doch alle Dinge immer so einfach wären, wie für einen Vierjährigen, dachte Sofie.

Der Rest des Tages verging mit Vorbereitungen für ihre Reise in die Berge. Wäsche musste gewaschen werden, Geschenke eingepackt, aufräumen und putzen stand auf dem Programm und noch einmal Kekse backen. Denn es gab keine Elefantenkekse mehr. Ben wollte Oma und Opa aber unbedingt Elefantenkekse zu Weihnachten schenken. Also plante Sofie für Mittwoch Kekse backen mit Ben ein.

Auch an diesem Abend lag Sofie müde aber zufrieden in ihrem Bett. Sie hatten eine neue Chance für ihre Ehe und Familie bekommen, dachte sie. Und eine Chance auf ein schönes Weihnachtsfest. Matthias hatte einen Schutzengel gehabt, auch wenn Sofie das erst heute so ganz bewusst geworden war. Gott hatte ihre Gebete erhört. Danke Gott, war ihr letzter Gedanke, bevor sie einschlief.
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BeitragVerfasst am: 20.12.2016, 22:08    Titel: 21. Dezember Antworten mit Zitat

Möge dich auch die kälteste Nacht nicht von Gottes wärmender Liebe trennen.


Kapitel 22
21. Dezember

Sofie war schon sehr früh wach. Der Regen klatschte an die Scheiben und es sah ganz und gar nicht nach Weihnachten aus. Heute würden ihre Eltern aus dem Urlaub zurück kommen. Sie würden den Ab abhören und feststellen, dass eine ganze Meute sich auf Weihnachten in den Bergen freute. Ihre Eltern waren darüber bestimmt sehr glücklich. Sofie stand auf und schlich leise in die Küche. Sie wollte noch niemanden wecken.

Eine Stunde später kamen ihre Lieben die Treppe heruntergepoltert. Und setzten sich an den gedeckten Tisch. Ben hielt den Umschlag in der Hand und Tina das Paket. „Auf dem Umschlag ist ein Engel, ich glaube Oma will hat einfach irgendwas auf die Umschläge gemalt. Das hat nichts mit dem Paket zu tun.“ „Gut erkannt, kleiner Bruder.“ Sven schnappte sich den Brief. „Darf ich lesen?“ Sofie nickte und Sven öffnete den Umschlag. Er zog den Briefbogen heraus und begann zu lesen.


Liebe Sofie,
Im letzten Advent habe ich im Radio eine Umfrage gehört. Da wurden Passanten in einer Einkaufsstraße gefragt, welche Bedeutung weihnachten hat, warum sie Weihnachten feiern und was an Weihnachten passiert sei. Ich habe leider nicht mehr alle Antworten im Kopf aber einige weiß ich noch.
Weihnachten ist doch der Sohn von Gott gestorben oder war das Johannes der Täufer? Na ich feiere Weihnachten ja nur, weil es Geschenke gibt. Weihnachten ist doch klasse, da haben wir frei. Weihnachten ist Geschäftemacherei. Weihnachten geht es nur um Konsum, eine andere Bedeutung hat das Fest nicht. Weihnachten, da haben die Geschäfte vier Wochen vorher sogar am Sonntag geöffnet, das ist doch cool. Weihnachten ist Jesus geboren.
Mit der letzten Antwort gab der Reporter zurück ins Studio. Dann wurde „Leise rieselt der Schnee“ gespielt, anschließend wurde sich über die Antworten lustig gemacht. Aber keiner vom Sender bezog Stellung. Habt ihr euch schon einmal die Frage gestellt, warum ihr Weihnachten feiert? Oder was euch Weihnachten bedeutet? Denkt mal darüber nach.

In Liebe Mama


Ben hatte das Paket schon halb geöffnet, als Sven mit lesen fertig war. „Ben lass mal das Geschenk zu. Wir sollten vielleicht jeder sagen, was uns Weihnachten bedeutet.. Ist das in Ordnung Mama?“ Sofie sah Sven nachdenklich an.. „Das ist in Ordnung und wenn du willst, dann fang einfach an.“ Sven dachte einen Moment nach. „Das Heiligabend Jesu Geburt gefeiert wird, das weiß ich. Aber ich habe es irgendwie nach hinten geschoben. Wichtiger war, dass es Geschenke gab, am besten ganz viel davon.“ Tina nickte und meinte: „Das sehe ich auch wie Sven. In den letzten Jahren ging es nur um Geschenke.“ Ben kaute gedankenverloren an seinem Finger. Erst als er merkte, dass Sofie ihn ansah, zog er den Finger aus dem Mund. „Jesus ist geboren. Das weiß ich. Aber der Weihnachtsmann war genau gleich wichtig. Jetzt ist mir aber viel mehr wichtig, dass Papa Zeit hat und wir alle was gemeinsam machen.“ Matthias überlegte, wie er das, was er sagen wollte, am besten formulieren könnte. „Für mich war wichtig, dass eure Mutter in der Adventszeit tolle Einladungen gab. Das ihr Weihnachten mit uns in die Kirche geht und euch benehmt und dass ihr zu Weihnachten ganz teure Geschenke bekommen konntet. Jetzt wünsche ich mir zu Weihnachten Zeit mit euch.“

Nun war nur noch Sofie mit ihrer Antwort übrig. „Weihnachten bedeutet heute etwas anderes als früher. Ich bin fast jeden Sonntag in die Kirche gegangen, nicht nur Weihnachten. Jesus, das Baby aus der Krippe war mein Freund. Und diesem Freund habe ich Treue geschworen. Ich wollte ihn nie verlassen. Aber dann bin ich von zu Hause weggegangen und ich habe ihn vergessen. Weihnachten erinnert mich daran, dass das größte Geschenk die Geburt Jesu ist. Und weil Gott uns so reich beschenkt hat, deshalb schenken wir uns etwas. Aber über das Schenken, dürfen wir Jesus nicht vergessen.“

Matthias und die Kinder schwiegen einen Moment. Was sollten sie dazu auch sagen. Ben unterbrach das Schweigen aber nach einer Weile und sagte unbefangen: „Ich mach das Paket auf. Sonst wird es zu spät..“ Und er hatte das Paket geöffnet, bevor auch nur einer etwas sagen konnte. „Oh toll, eine Kuh und ein Esel.“ Er hielt die Tiere hoch. „Das eine ist ein Ochse Ben, so steht es in der Weihnachtsgeschichte“, erklärte ihm Tina. „Ben, stell die Tiere zu den anderen Figuren, dann frühstückt ihr alle zu Ende. Wir müssen gleich los.“ Sofie stand auf und ging nach oben. Sie brauchte ein paar Minuten für sich allein.

Mattias kam ins Schlafzimmer und sah Sofie auf der Bettkante sitzen. „Alles in Ordnung, Schatz?“ „Ja, es ist alles ok. Es ist nur so, dass die Briefe meiner Mutter und meine Gedanken und Gefühle mich ganz durcheinander bringen. Ich frage mich gerade, wer ich wirklich bin. Ich möchte einfach nur einen Moment hier sitzen und nachdenken.“ „Tu das, ich wollte ja heute morgen den Kombi noch kurz in die Werkstatt bringen, da kann ich auf dem Weg gleich die Kinder absetzen. Gönn dir einen ruhigen Vormittag.“ Matthias ging und nach ein paar Minuten war es still im Haus. Sofie wollte gar nicht nachdenken. Sie wollte sich keine Fragen stellen, weil die Antworten weh tun könnten. Aber Sofie war nicht feige. Sie stellte sich ihren Gedanken. Es stimmte, sie hatte Jesus als ihren Freund betrachtet, bis sie zum Studium in eine andere Stadt gegangen war. In der Hektik und bei all dem Neuen hatte sie Jesus immer mehr vergessen. Er war nicht mehr der Mittelpunkt ihres Lebens. Studium, Freunde, Disco, dann Matthias und später die Kinder, dass waren die Dinge um die sich alles gedreht hat. Sofie seufzte. Dinge, die für sie früher wichtig gewesen waren, hatte sie aufgegeben. Nur noch ihre Familie zählte. Sie hatte keine Hobbys und nicht wirklich viele Freundinnen. Sofie stand auf und begann die Betten zu machen. Sie wollte nicht nachdenken, nicht jetzt.

Am Nachmittag stand sie mit Ben in der Küche. Sie verzierten die frisch gebackenen Elefantenkekse und legten sie, als sie ausgekühlt und trocken waren, in eine schöne Kiste. Nun war auch Bens Geschenk für Oma und Opa fertig. Sven stürzte in die Küche und fragte: „Warum fahren wir Morgen nicht schon gleich früh los zu Oma und Opa? Es ist doch kein Unterricht mehr.“ „Aber die Weihnachtsaufführung und da du mitspielst, musst du auch hin.“ Tina baute sich wütend vor ihrem großen Bruder auf. „Du bist echt gemein, weißt du dass? Da geben sich alle so viel Mühe um für alle eine schöne Weihnachtsaufführung zu machen und du tanzt aus der Reihe, Mister Ich-hab-keinen-Boch-das-Lied-mit-den-jüngeren-Schülern-zu-singen. Soll ich dir mal was sagen, du bist nicht nur gemein, du bist auch feige. Oder bist du dir zu gut um mit uns zu singen? Echt du Blödmann, du hast nicht Verstanden, was Gemeinschaft bedeutet. Wir sind eine Gruppe und da ist es wichtig, dass alle helfen und mitmachen, aber nein, du musst ja immer aus der Reihe tanzen. Ich hasse dich.“ Tina rannte mit Tränen in den Augen aus der Tür und warf sie so fest hinter sich zu, dass die Scheiben klirrten.

Ben und Sofie standen wie zu Salzsäulen erstarrt und sahen von Sven zur geschlossenen Küchentür. „Was war das denn Sven?“ Sven schluckte, er konnte seine Mutter nicht angucken. Leise beantwortete er ihre Frage. „Einer der Lehrer hat eine Gruppe gegründet, die am letzten Schultag vor Weihnachten eine Aufführung machen sollten. Ich fand das total cool und habe mich in die Liste eingetragen. Als wir dann angefangen haben zu üben, da war ich der Älteste und die anderen waren alle viel Jünger als ich. Zuerst fand ich das ja noch ok, aber als ich dann an die Aufführung dachte und an die Kumpels, die mich dann mit dem Kleingemüse sehen, da wollte ich aussteigen. Der Lehrer hat gemeint, er braucht mich, weil ich doch die Texte so gut kann und ich wäre ihm eine große Hilfe, aber ich will das nicht. Ich mache morgen nicht mit. und Schluss.“

Sofie sagte erst einmal gar nichts. Sven hatte auf stur geschaltet, da musste man gut überlegen, was man sagt. „Im Kindergarten hat Elisabeth und Kindern ein Buch vorgelesen. Da ging es um einen Jungen, der viel mehr Sachen konnte, als wie die anderen Kinder. Weil die anderen kleiner waren. Und er war in einer Gruppe und alle sollten was zusammen machen, aber der Große wollte das nicht. Er wollte immer etwas anderes, als die Gruppe. Wollte die Gruppe basteln, wollte er malen. Wollte sie Gruppe malen, wollte er spielen und immer so weiter. Dann hat die Gruppe einen Ausflug gemacht, aber er wollte nicht mit. So ein Babykram war nichts für ihn. Damit hat er den anderen alles schlecht gemacht. Und dann kam eines Tages was schlimmes. Nämlich die anderen Kinder wollten da nichts mehr mit dem Jungen machen. Sie fragten nicht mehr, ob er mitmachen wollte. Und wenn sie Gruppen machen sollten für ein Spiel, wollte keine Gruppe ihn haben. Elisabeth hat gesagt, wenn man sich immer an den Rand einer Gruppe stellt, dann steht man ganz schnell allein da.“

„Na und, ist doch mir egal. Ich brauche die anderen Kinder nicht. Die sind ja alle viel kleiner als ich.“ Matthias wollte nach oben gehen, aber Sofies Frage hielt ihn auf. „Warum war Tina so wütend, was hat das mit ihr zu tun?“ Matthias zuckte zusammen. Er druckste herum, aber endlich rückte er mit der Sprache heraus. „Tina singt auch mit. Und weil die Kleinen sich nicht trauen richtig laut zu singen, verlässt der Lehrer sich auf Tina und mich.“ „Du bist ein Blödkopf. Du kannst doch Tina nicht im Stich lassen. Ich mag dich nicht mehr.“ Ben sauste aus der Küche. Wieder flog die Tür krachend ins Schloss. Sven traute sich nicht, seine Mutter anzusehen. Auch sie war sicher sauer. Sie kam auf ihn zu und legte einen Arm um seine Schultern. „Sven, was ist wirklich so schlimm daran, mit den jüngeren Schülern zu singen? Dass deine Freunde dich sehen? Entschuldige, aber das nehme ich dir nicht ab. Das ist ein armseliger Grund. Du musst jetzt auch nicht antworten. Bitte überleg dir, was Ben vom Kindergarten erzählt hat. Überleg dir, wie es in der Schule ankommt, wenn alle mitbekommen, dass du die Gruppe im Stich gelassen hast. Könnte es vielleicht sein, dass andere Gruppen, zu denen du vielleicht gerne gehören würdest, dich nicht wollen, weil du unzuverlässig bist? Geh nach oben und denk darüber nach.“

Mit hängenden Schultern ging Sven nach oben. War es denn wirklich so gemein, was er machen wollte? Seine Schwester lief an ihm vorbei ohne ihn anzusehen. Das tat weh. Tina war immer stolz auf ihren großen Bruder. Wenn man zu einer Gruppe gehört, dann muss man sie unterstützen, das hatte auch der Lehrer gesagt.. Mist, er
hatte nicht nachgedacht, als er alles hinschmeißen wollte. Er würde die Aufführung zwar nicht scheitern lassen, aber er würde für genug Unruhe sorgen. Sven drehte um und ging zurück in die Küche. „Tina, es tut mir leid. Ich bin ein blöder Idiot.“ „Stimmt“, sagte Tina. „Aber wenn du mitsingst, kann ich damit leben.“ Sofie hielt den Atem an, Was würde Sven sagen? „Ja ich singe mit, keine Sorge.“ Tina schlang die Arme um seinen Bauch. „Ich hab dich lieb.“ Sven bekam ganz rote Ohren. Er tätschelte Tinas Schultern, die Umarmung machte ihn unsicher. „Ich muss noch zu Ben“, sagte er und schob Tina von sich weg. „Der ist jetzt auch sauer auf mich.“

Aber Ben war nie lange sauer. Er freute sich, dass Sven am nächsten Tag in die Schule gehen würde. Er durfte sich die Aufführung nämlich ansehen und musste nicht mehr in den Kindergarten. Sie würden am Morgen den Kombi fertig beladen und gleich nach der Aufführung zu Oma und Opa fahren. Deshalb mussten die Kinder heute auch zeitig ins Bett.

Sofie und Matthias packten am Abend schon alles ein, was eine Nacht im Auto überstehen würde. Dann legten auch sie sich früher als sonst schlafen.
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BeitragVerfasst am: 21.12.2016, 22:44    Titel: 22. Dezember Antworten mit Zitat

Dein Lächeln soll für den der friert, der beste Mantel aus Lammfell sein.


Kapitel 23
22. Dezember

Sofie stand ganz früh auf, kochte drei Thermoskannen Tee und schmierte auch Proviant für die Fahrt. Matthias lachte, als er sah, was Sofie alles mitnehmen wollte. Auch Wolldecken hatte sie ins Auto gepackt. Wir reisen nicht nach Sibirien, und wenn wir gleich nach der Schule fahren, dürfte es auch keine Staus geben“, sagte er. Aber Sofie ließ sich nicht von ihrem Tun abbringen. Ben und Tina brachten die restlichen Briefe und Päckchen. Sie würden mit auf die Reise gehen. Nach dem Frühstück machte Sofie die Runde durch alle Zimmer. Waren alle Fenster geschlossen? Alle Lichter aus? Der Herd ausgeschaltet? Die Haustür abgeschlossen? Sofie ging durch die Verbindungstür in die Garage. Schloss auch diese Tür ab und machte, nachdem Matthias den Wagen rausgefahren hatte, die Garage zu. Nun konnte es losgehen.

In der Schule herrschte großes Gedränge. Viele Eltern waren gekommen, aber trotz allem nur ein Bruchteil derer, die hätten kommen können. Die meisten mussten wohl auch arbeiten. Matthias, Ben und Sofie fanden einen Platz in der ersten Reihe. Ben zappelte hin und her. Er war so aufgeregt, dass er gar nicht still sitzen konnte. Aber dann ging es los und mit großen Augen sah er auf die Bühne. Eine große Wolke hing auf der einen Seite von der Decke herab, dahinter war ein Kind mit langen lockigen blonden Haaren zu sehen. Es stieg von der Wolke herunter. Setzte sich eine Mütze auf und zog einen Sack hinter sich her. Auf der anderen Seite stand eine Gruppe Kinder. Dazwischen ein Wald aus Pappbäumen aufgebaut.. Ein weiteres Kind betrat die Bühne, bestaunte das Kind in seinem weißen Kleid und rannte dann zu den anderen Kindern. Sofie wartete gespannt, was nun kommen würde, denn bisher war alles ohne Worte abgelaufen. Das Kind erreichte die Gruppe und sagte dann mit lauter Stimme:

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Applaus brandete auf. Das war eine ausgefallene Idee, ein altes Gedicht neu zu verpacken, einfach genial.
Während auf der Bühne umgebaut wurde, spielte ein Kind auf dem Klavier: „Stille Nacht, heilige Nacht: „. Es folgte die Weihnachtsgeschichte, wunderschön gespielt von den Kindern der Grundschuleklassen. Die zeit verging wie im Flug und schon waren auch Sven, Tina und die anderen Kinder dran. Sie stellten sich auf die Bühne und sangen ein Weihnachtslieder-Mix. Sofie fiel auf, dass die Kinder immer wieder zu Sven guckten, sich an ihm orientierten. Alles klappte großartig und auch sie bekamen donnernden Applaus. Die Schulleiterin betrat die Bühne, bedankte sich bei allen Akteuren und bei den Gästen und wünschte allen eine schöne Weihnachtszeit. Damit war die Aufführung zu Ende. Es gab aber noch Kinderpunsch und Kekse, Schmalzbrote und Tee.
Sofie wollte auf Sven und Tina warten, aber Ben hatte Hunger und so ging Matthias schon mal mit ihm zum Büffet. Tina und Sven kamen von der Bühne, wurden aber von einem Mann aufgehalten. Sie konnte nicht hören, was er sagte, aber sie sah, dass Sven verlegen wurde und ganz rote Ohren bekam. Auf dem Weg zu Sofie wurden sie noch ein paar Mal angehalten und Sofie wurde langsam neugierig. Tina grinste und Sven wand sich vor Verlegenheit. Aber sie würde die Kinder nicht fragen. Endlich kamen die Kinder bei ihr an. Sofie umarmte sie und lobte sie. Dann folgten sie Matthias und Ben zum Büffet und sie stärkten sich für die lange Fahrt.
Es war schon fast Mittagszeit, als sie im Auto stadtauswärts fuhren. „Es war ein schöner Vormittag und ich bin froh, dass ich die Aufführung sehen konnte. Das habt ihr alle ganz toll gemacht. Da musstet ihr sicher sehr viel üben“, sagte Matthias. Tina lachte und meinte: „Ja, wir haben sehr viel geübt, aber es hat auch Spaß gemacht. Und als die Leute applaudiert haben, da war ich ganz stolz auf uns.“ Sven hüllte sich in Schweigen. Er schien ein Problem zu wälzen und Sofie hoffte, er würde sich an sie oder Matthias wenden, wenn er Hilfe brauchte. Nach einer Stunde Fahrt platze er plötzlich heraus: „Mich haben Eltern angesprochen, wie toll es war, dass ich mit den kleineren Schülern gesungen hätte. Sie meinten ihre Töchter oder Söhne hätten sich das nie getraut. Es wäre sehr mutig von mir gewesen, da mitzumachen. Mensch war mir das peinlich. Ich wollte doch alles hinschmeißen, weil ich dachte, ich steh da wie der letzte Looser. Und nun werde ich als Vorbild gehandelt. Ist echt peinlich.“ Sofie wollte gerade etwas sagen, als Ben ihr zuvor kam. „Mutig ist, wenn man etwas macht, was man sich eigentlich nicht traut. Also bist du mutig. Und du hast gesungen und damit gut.“ Dann kicherte er und meinte: „Natürlich kann Tina nach Weihnachten allen erzählen, dass du ein Mister-Ich will-nicht bist.“ Die Kinder kabbelten sich noch eine Weile, aber es war ein spaßiges kabbeln.
Nach zwei Stunden Fahrt, begann es zu schneien. Ben konnte natürlich nicht anders, er sang aus voller Kehle „Schneeflöckchen, Weißröckchen“. Die Kinder freuten sich an den großen Flocken und Matthias musste den Intervall der Scheibenwischer beschleunigen, weil er vor lauter Schnee sonst die Straße nicht mehr gesehen hätte. Sofie und Matthias tauschten besorgte Blicke. Hoffentlich würde es bald aufhören zu schneien. Aber es hörte nicht auf. Bald herrschte das reinste Schneegestöber und du Autos fuhren nur noch im Schritttempo. Die Fahrt zog sich dadurch in die Länge. Gut, dass Sofie genug Essen und Trinken eingepackt hatte. Ben wurde müde und quengelig.. Der Verkehrsfunk sprach von Schneechaos auf vielen Straßen im Bundesgebiet. Nach weiteren 30 Minuten war davon die Rede, dass auf den Straßen der Ausnahmezustand herrschen würde. Die Räumfahrzeuge konnten die Schneemassen nicht mehr bewältigen.
Sie verließen die Autobahn. Es hatte aufgehört zu schneien, aber die Straßenverhältnisse waren chaotisch. Noch 20 km, dann wären sie am Ziel. Hier waren die Straßen zum Teil schon geräumt worden, aber durch den starken Wind kam es zu Verwehungen. Matthias spürte seine verspannten Muskeln. Er war froh über jeden gefahrenen km, bald waren sie am Ziel. Die Straßen waren durch den geräumten Schnee ziemlich eng geworden und Matthias fuhr mal gerade 30 km/h.
In einer Kurve kam ihnen plötzlich ein Auto entgegen. Der Fahrer musste nicht bei Trost sein, denn er raste über die schneebedeckte Straße. Matthias versuchte ihm auszuweichen, hatte aber nicht genug Platz. Der Wagen schlingerte und das andere Auto raste genau auf sie zu. Die Kinder schrien, Matthias versuchte sein Möglichstes, um dem Zusammenprall auszuweichen. Was dann geschah, geschah in Zeitlupe. Der Kombi drehte sich und brach aus. Er rutschte von der Fahrbahn und direkt auf einen Baum zu, eine alte, dicke Eiche. Matthias versuchte alles Mögliche, aber es war unvermeidlich, sie würden gegen den Baum prallen. In einer Sekunde sahen sie den Baum dicht vor sich. Der Aufprall war unvermeidlich. Sofie flehte um ein Wunder. Dann gab es einen Schlag, einen Knall und dann – Stille.
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BeitragVerfasst am: 22.12.2016, 23:25    Titel: 23. Dezember Antworten mit Zitat

Möge das Licht des Morgensterns auch die Dunkelheit in die erleuchten und dein Herz erwärmen


Sofie konnte es nicht glauben, sie hatten den Baum nur mit dem Heck erwischt, aber ein Reifen war mit einem lauten Knall geplatzt. Keiner von ihnen war verletzt. Durchgeschüttelt waren sie, aber ansonsten heil geblieben. Sofie kramte nach ihrem Handy. „Ich rufe meinen Vater an, der kann uns abholen.“ „Und ich rufe den Pannendienst, die sollen einen Abschleppwagen schicken. Kinder, ihr bleibt erstmal im Auto. Es ist draußen bannig kalt.“ Während ihre Eltern telefonierten, angelte Tina nach den Decken im Kofferraum. Sie wickelte Ben in eine Decke und reichte Sven die zweite. In die dritte Decke wickelte sie sich selbst. Ben begann zu weinen. „Beinahe wären wir tot gestorben. Dann hätten wir Oma nie mehr gesehen.“ Tina nahm ihn in die Arme und wünschte sich, ihre Mutter würde wieder ins Auto steigen und sich um Ben kümmern. Kurz darauf stieg Sofie wieder ein. „Opa ist unterwegs. Er kommt mit dem Jeep. Bald sitzen wir wieder im Warmen.“ Nach ein paar Minuten wollten die Kinder lieber aussteigen. Also holte Sofie ihre Mäntel, Mützen, Schals und Handschuhe und alle mummelten sich ein. Die Kälte ging durch und durch, aber das gefiel den Kindern besser, als still sitzen.
Sie hörten ein Auto kommen, aber es war nicht der Opa, sondern der Abschleppdienst. Der Fahrer besah sich den Schaden und meinte dann: „Da hatten sie aber mehr als einen Schutzengel, wenn ich mir die Spuren hier so angucke. Wie ist das denn passiert?“ Matthias erzählte ihm von dem rücksichtslosen Fahrer. „Haben sie sich das Kennzeichen gemerkt?“ Sofie schnaubte. „Mein Mann hatte genug damit zu tun, uns nicht gegen den Baum zu fahren. Da hat keiner von uns an das Kennzeichen gedacht.“ „Kann ich verstehen, aber sie sollten trotzdem Anzeige erstatten.“ „Mama, Opa kommt.“ Ben hüpfte schon wieder auf und ab. Er hatte den Schrecken scheinbar schon überwunden. Sofies Vater parkte hinter dem Abschleppwagen. Er begrüßte seine Familie mit einer dicken Umarmung für jeden. Man sah ihm an, dass Sofies Anruf ein Schock für ihn gewesen war.
Schnell wurde besprochen, wie es weiter gehen sollte. Sofie und die Kinder würden mit Sofies Vater mitfahren und schon so viel Gepäck wie möglich mitnehmen. Matthias führe im Abschleppwagen mit zur Werkstatt und dort würde er von seinem Schwiegervater abgeholt werden, nachdem der die anderen abgeliefert hatte.
Sofies Mutter erwartete sie schon mit offenen Armen. Die Kinder wurden aus ihren Wintersachen befreit und ins Wohnzimmer vor den Kamin gesetzt. Der Duft von heißem Kakao, brennenden Kerzen, und frischer Tanne mischte sich mit einem anderen Geruch, der Sofie das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ—Möhreneintopf. Genau das richtige, nach dieser Fahrt. Ben hatte sich an seine geliebte Oma Ruth geklammert und erzählte gerade von dem Unfall. „Ich hatte gar keine Angst Oma, aber als Sven und Tina vor Schreck geschrien haben, da hab ich auch geschrien.“ Tina wollte gerade widersprechen, aber Sven schüttelte den Kopf. Ben brauchte das jetzt einfach und sie beide wussten doch, dass es anders gewesen war. „Oma, Tina und ich bringen schon mal unsere Sachen nach oben und waschen uns die Hände.“ Dann zog er Tina aus dem Sessel und beide verließen das Wohnzimmer. Sie schnappten sich ihre Taschen und stiegen ganz nach oben, auf den ausgebauten Dachboden. Hier gab es zwei winzige Zimmer, eins für Tina und eins für Sven. Ben würde in der ersten Etage schlafen, genau wie die Eltern und Großeltern. Sie hatten hier oben sogar ein winziges Badezimmer und das war einfach toll. Durch die großen Dachfenster konnte man nachts den Sternenhimmel sehen und auch Sven fand das toll, auch wenn er das nie zugeben würde. „Tina, du hast dich einfach genial verhalten. Du hast getan, was getan werden musste, aufgepasst, dass Ben es warm hatte und wir beide auch. Das wollte ich dir einfach sagen. Du bist eine tolle Schwester.“ Tina sah ihn verdutzt an, dann grinste sie. „Und du bist ein toller Bruder.“ Danach verschwand jeder in sein Zimmer und sie verstauten ihre Sachen. Nachdem sie sich gewaschen hatten, gingen sie wieder nach unten.
Bis Opa Kurt und Matthias auch endlich erschienen, hatte Ben das Gefühl, verhungert zu sein. Der Tisch war schon gedeckt und der Eintopf schon lange fertig. Matthias erzählte beim Essen, dass der Wagen ordentlich einen mitbekommen hätte und die Reparatur sich hinziehen würde, weil ein paar Ersatzteile fehlen würden. „Ja, das ist echt traurig“, meinte Opa Kurt mit ernstem Gesicht. „ Das bedeutet nämlich leider, dass ihr bis zum 5. Januar bei uns bleiben müsst.“ Bei den Kindern brach Jubel aus. Das war einfach toll. Sven sah Matthias an. „Kannst du denn so lange hierbleiben? Du musst doch bestimmt in die Kanzlei zurück. Na ja, wir könnten ja mit dem Zug nach Hause fahren und das Auto kannst du dann im Januar abholen.“ Bei Svens Worten war es still geworden und alle sahen Matthias an. Der grinste seinen Schwiegervater an und meinte: „Hab ich dir nicht gesagt, dass die Kinder sich freuen würden.“ Und an Sven gewandt fügte er hinzu: „Ich habe Herrn Röder schon angerufen und ihm Bescheid gegeben. Wir fahren alle gemeinsam am
5. Januar wieder nach Hause. Bis dahin werden wir euren Großeltern auf den Wecker fallen.“
„Zum „auf den Wecker fallen“ bleibt gar keine Zeit“, meinte Oma Ruth schmunzelnd. „Wir müssen noch in den Wald, um unseren Weihnachtsbaum auszusuchen und zu schlagen. Das machen wir Morgen ganz früh. Danach holen wir den Christbaumschmuck vom Boden und den Tannenbaumständer. Wir müssen auch noch backen und andere Vorbereitungen für Weihnachten treffen.
Und dann müssen wir ja auch noch Misteln suchen.“ Sofie bekam vor Verlegenheit einen roten Kopf und die Kinder brachen in Gelächter aus. Dann fiel Ben etwas ein,
„Wir haben Omas Brief für heute noch gar nicht aufgemacht.“ „Stimmt“, sagte Sofie. „Eigentlich wollten wir ihn während der Fahrt lesen, aber dann fing es an zu schneien und die Fahrt wurde immer riskanter, da haben wir es vergessen. Ich hole ihn und das Paket.“ Sofie lief schnell nach oben und kam kurz darauf mit dem Brief zurück. Oma Ruth schmunzelte, denn sie wusste ja schon, was in dem Brief stand.
Liebe Sofie,
Sitzt ihr jetzt gerade beim Frühstück? Oder hebt ihr euch die Briefe für abends auf? Vielleicht schreibt ihr mir das ja mal, ich würde mich freuen. Nun haben die Kinder den letzten Schultag hinter sich gebracht und können sich auf einige freie Tage freuen. Weißt du noch, was wir immer gemacht haben, am letzten Schultag vor Weihnachten? Sicher kannst du dich daran erinnern. Aber gibt es diese Tradition auch bei euch zu Hause? Ich weiß noch, wie dein Vater, du und ich zusammen gesessen haben und mit viel Gelächter am Werk waren. Wir haben Geschichten erzählt oder Erinnerungen aufgefrischt. Ich weiß, dass diese Tradition in Deutschland nicht so bekannt ist und das keiner in der heutigen Zeit auf diese Idee kommen würde, aber bei uns gibt es das jedes Jahr aufs neue. Und dabei spielt es keine Rolle ob wir allein sind oder Besuch haben. Es wird immer für uns dazu gehören.

Traditionen sind wichtig. Und Ruhe und Besinnlichkeit sind wichtig. Aber noch etwas ist von großer Wichtigkeit, miteinander zu lachen.

In Liebe Mama


Sofie grinste von einem Ohr bis zum anderen. Sie befühlte das Paket und lachte, bis ihr die Tränen kamen. Dann sagte sie zu Sven und Tina: „Könnt ihr euch noch an Weihnachten bei Oma und Opa erinnern? Und vor allem, könnt ihr euch an den Baumschmuck erinnern?“ Sven und Tina grinsten sich an. Tina sah zu ihrer Oma und fragte: „Hast du denn genug Pflaster im Haus.“ „Klar“, antwortete Oma Ruth. „Ich habe extra eine Großpackung gekauft.“ Ben sah fragend in die Runde. „Das ist gemein, die wissen was, was ich nicht weiß. Was ist denn in dem Paket?“ „Na pack es aus, dann weißt du es.“ Mit diesen Worten legte Sofie ihm das Paket in den Schoß. Ben ließ sich nicht lange bitten und riss das Papier ab. Verständnislos sah er auf eine Tüte mit Maiskörnern. Opa Kurt erbarmte sich und klärte Ben auf. „Die Tradition stammt aus der Familie deiner Großmutter. Dort wurde Popcorn selber gemacht und dann aufgefädelt und an den Weihnachtsbaum gehängt. Wir haben das auch jedes Jahr gemacht. Und da es ziemlich lange dauert, haben wir uns dabei Geschichten erzählt.“ Ben sah von der Tüte zu seiner Mutter. „Daraus wird Popcorn?“ Sofie nickte. Oma Ruth lächelte ihren jüngsten Enkel an und meinte: „Nachher werden wir das Popcorn machen und wenn es abgekühlt ist, setzen wir uns an den Kamin und fädeln es auf. Dazu gibt es natürlich auch eine Stärkung, bestehend aus Glühwein für die Großen, Kinderpunsch für die Kleinen und Keksen für alle.“

Und so wurde es dann auch gemacht. Das Feuer prasselte im Kamin, die Tannengirlande am Kamin verströmte ihren Duft und alle saßen zusammen und fädelten Popcorn auf einen Faden. Auch Ben durfte helfen, seine Nadel hatte aber keine Spitze und so konnte er sich auch nicht verletzen. Oma Ruth erzählte von Weihnachten in ihrer Kindheit. Davon, dass in England der Weihnachtsmann ja erst in der Nacht von Heiligabend auf den 1. Weihnachtstag kommt. Und das er die Geschenke in die Strümpfe am Kamin steckt. Ben riss erschrocken die Augen auf. „Mami, wir haben gar keine Strümpfe und deiner ist zu Hause. Bringt der Weihnachtsmann uns dann keine Geschenke? Oder legt er sie zu Hause unter den Tannenbaum, so wie immer?“ „Ben, hast du vergessen, dass wir zu Hause gar keinen Tannenbaum haben?“ Sven grinste seinen kleinen Bruder an. Der wurde ganz aufgeregt. „Du musst nicht grinsen, wie soll der Weihnachtsmann denn wissen, wo ich bin? Mami kann ich ihm noch einen Brief schreiben, dass wir alle bei Oma sind? Und bekommt er den noch?“ Oma Ruth legte ihre Popcornkette ab und verließ das Wohnzimmer, während Opa Kurt seinen kleinen Enkel auf den Schoß nahm. „Ben, wieso weiß der Weihnachtsmann ob du das ganze Jahr lieb bist?“ Ben runzelte die Stirn, dann sagte er: „Na weil er eben alles weiß.“ „Genau“, meinte sein Opa. Ben überlegte einen Moment, dann lachte er. „Ach so, wenn er alles weiß, dann weiß er auch, dass wir alle hier sind. Das ist toll, dann bekommen wir alle die Geschenke trotzdem.“ Ben war sehr erleichtert. Oma Ruth kam wieder zurück und hielt etwas hinter ihrem Rücken versteckt. Ben rannte zu ihr und sie flüsterte ihm etwas ins Ohr, dann zeigte sie ihm, was sie in der Hand hatte—einen großen Weihnachtsstrumpf und es stand in großen Buchstaben „Ben“ darauf. Ben rannte zu seinem Opa. „Oma hat gesagt, du hebst mich hoch und dann kann ich den Strumpf an den Kamin hängen. Oh ist das toll.“ Nachdem Bens Strumpf am Kamin hing holte Oma auch die restlichen Strümpfe. Jeder bekam einen mit seinem Namen und es sah toll aus, als sie alle am Kamin hingen.

„So, nun haben wir aber genug gebummelt. Macht mal weiter, sonst werden die Ketten nicht fertig.“ Opa lächelte bei diesen Worten und jeder nahm seine Nadel und das Popcorn und fädelte weiter auf. Ben schlief irgendwann ein und Matthias trug ihn nach oben. Auch die Großen waren bald so müde, dass ihnen die Augen zufielen. Aber Matthias, Ruth, Kurt und Sofie saßen noch bis Mitternacht zusammen und unterhielten sich.
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BeitragVerfasst am: 24.12.2016, 00:00    Titel: 24. Dezember Antworten mit Zitat

Am Heiligabend
Der König der Welt, der König des Lichtes, der König des Himmels, der König des Paradieses, der König der Heiligen, geboren in einem Stall, segne alle hier.



Kapitel 24
23. Dezember

Opa Kurt stand im 1. Stock auf dem Flur und schlug auf einen Gong. Dann rief er: „In 10 Minuten gibt es Frühstück. Um Punkt 9 Uhr breche ich auf um den Baum auszusuchen und zu schlagen. Wer dann nicht fertig ist, darf nicht mit.“ Dann schlug er noch einmal auf den Gong und ging in die Küche zu seiner Frau. „Was meinst du, ob alle aufstehen werden?“ Er sah seine Frau fragend an. „Also Ben wird sicher mitkommen und Sofie auch. Beim Rest der Familie bin ich nicht so sicher.“ Fünf Minuten später polterten schnelle Schritte die Treppe runter. Sven und Tina stürzten grinsend in die Küche und verkündeten: „Wir sind fertig und wollen mit.“ „Ich auch, ich auch.“ Ben kam schliddernd zum stehen. „Na dann setzt euch schon mal hin, wir fangen gleich an.“ Oma setze Ben neben sich auf einen Stuhl und gab ihm schon mal ein Brötchen. Auch Sofie und Matthias trudelten ein, leiser und langsamer, als ihre Kinder, aber genauso unternehmungslustig wie sie. Nach dem Frühstück war noch Zeit, für den Brief. Sofie hatte ihn schon mit nach unten gebracht.

Liebe Sofie,
Der vorletzte Brief. Wir haben über Traditionen berichtet, über Erinnerungen. Weißt du/wisst ihr, was nun der Sinn von Weihnachten ist? Konntet ihr die Adventszeit in Ruhe genießen, oder war sie vollgestopft mit Arbeit und Terminen? Wir haben uns lange nicht mehr über den Glauben unterhalten, aber ich werde jetzt einfach meine Gedanken dazu schreiben. Wenn du nichts davon wissen willst, dann beende den Brief einfach hier und lies nicht weiter. Ich liebe dich.

Willst du aber wissen, was ich dazu zu schreiben habe, dann lies weiter.
Gott hat uns seinen Sohn geschickt. Er hat uns damit ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Eigentlich das Geschenk aller Geschenke. Nichts kann dieses Geschenk toppen. Jesus wuchs in armen Verhältnissen auf, er musste hart arbeiten, hatte kein Vermögen, kein Haus, noch nicht einmal einen eigenen Esel, geschweige denn ein Pferd. Jesus kam auf die Welt, damit wir zu Gott kommen können. Er nahm unsere Schuld auf sich, wurde für unsere Schuld sogar getötet. Ein Geschenk, dass niemand überbieten kann.
Und jetzt frage ich mich, was würde Jesus sagen, wenn er heute leben würde. Wenn er sehen würde dass wir arbeiten und arbeiten, dem Geld hinterher jagen und für ein Auto Überstunden machen. Dass wir seinen Geburtstag begehen, in dem wir große und teure Geschenke kaufen, versuchen einander mit Geschenken zu übertrumpfen. Dass für uns die Geschenke, dass viel zu üppige Essen und Alkohol eine größere Rolle spielen, als seine Geburt.

Ich weiß nicht, was Jesus dazu sagen würde. Er würde uns sicher trotz alle dem lieben, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass er traurig wäre. Deshalb bleiben dein Vater und ich auch dabei, dass es wichtigeres gibt, als immer das neueste Handy, das größere Auto. Für uns ist wichtig, Zeit füreinander und für andere zu haben. Das ist befriedigend und tut im Herzen gut.

In Liebe Mama


In der Küche war es still geworden. Niemand wusste, was man dazu sagen konnte oder sollte. Oma Ruth wollte noch einmal erklären, wieso ihr das so wichtig war, aber Ben war schneller.

Er schaute in die Runde und lächelte sein strahlenstes Lächeln. „Wenn Jesus gestern Abend hier gewesen wäre, hätte er sich bestimmt gefreut, dass wir gemeinsam Popcornketten gebastelt und erzählt haben. Und jetzt sind wir auch zusammen und gehen nachher in den Wald. Und wir haben schon ein paar Tage gar nicht gestritten. Darüber freut er sich bestimmt.“ Dann holte er tief Luft und fuhr fort: „Und Papi geht jetzt ganz lange nicht in die Kan… äh Kan… na auf die Arbeit und das ist doch ganz toll. Da haben wir Zeit und so. Siehst du Oma, wir haben das verstanden.“

Ruth lächelte ihren Enkel an. „Ja Ben, du hast ganz recht. So macht Weihnachten feiern Freude.“ Sofie reichte Ben das Paket zum auswickeln. Sie war ihm dankbar für seine Auslegung der ganzen Geschichte. Aber eins war klar, sie musste sich persönlich mit dem gelesenen noch auseinander setzen. „Könige“, rief Ben. „Mami schau, aber ohne Elefant.“ Und dann kicherte er los. „Mama, die Geschichte von der Elefantenausstechform werde ich mir sicher noch Jahrzehnte anhören müssen:“ Sofie sah zu ihrer Mutter, die still vor sich hin lächelte. „Genug geredet. Ben bring die Figuren nach oben, dann alle noch einmal zur Toilette. Wir wollen gleich los.“ Matthias war froh, dass sein Schwiegervater zum Aufbruch mahnte. Ihm waren solche Gespräche nicht ganz geheuer.

Binnen fünfzehn Minuten standen alle dick eingemummelt im Schnee vor dem Haus. Es war ein ziemlicher Fußmarsch, bis zu den Tannen, die abgeholzt werden durften. Die Kinder rannten von einer Tanne zur anderen und ihnen fiel die Auswahl total schwer. Aber endlich hatten sie die Tanne gefunden, die ihnen allen gefiel, Sie war 2 Meter hoch, aber nicht zu ausladend, mit einer tollen Spitze und schönen dichten Zweigen. Matthias und sein Schwiegervater fällten die Tanne, während der Rest sich ein wenig abseits hielt.

„Mensch Oma, wie bekommen wir den Baum denn zum Haus?“ Ben machte große Augen. „Den können wir doch gar nicht tragen.“ „Das stimmt Ben, aber der Förster ist ein Freund von uns und er holt den Baum nachher mit seinem großen Pferdeschlitten ab und bringt ihn zu uns nach Hause. Opa hat ihn sicher schon angerufen. Wir müssen nur hier warten, bis er kommt und beim Aufladen helfen.“ „Puh, warten ist doof. Und du wolltest doch noch mit uns backen.“ Ben machte ein mitleiderregendes Gesicht. Sofie schmunzelte und Oma Ruth verbarg tapfer ein Lachen. Mit ernstem Gesicht meinte sie dann: „Weißt du was Ben, eigentlich können Opa und dein Papa hier warten und wir gehen zurück und fangen an zu backen.“ Gesagt, getan. Unterwegs fiel Ben auf, dass er ja noch gar nicht wusste, was sie backen würden. Also fragte er seine Oma danach. „Also wir müssen Brot backen und einen Frühstückssemmel und einen Früchtekuchen und mal überlegen, irgendwas war da doch noch?“

Gespielt konzentriert runzelte Oma Ruth die Stirn. „Da war noch etwas, wo die Kinder helfen sollten. Sofie weißt du noch, was das war?“ „Nein, leider nicht.“ Sofie seufzte theatralisch. Ben guckte von einer Frau zur anderen. Dann sagte er vorwurfsvoll. „Ihr nehmt mich auf den Arm.“ „Stimmt“, meinte Oma Ruth. „Natürlich weiß ich, was wir noch backen müssen, Weihnachtsbaumkringe.?“

Zu Hause angekommen gab es aber erst etwas heißes zu trinken. Aber dann ging es los. Sofie und ihre Mutter übernahmen die „langweiligen“ Dinge, die Kinder bekamen den Plätzchenteig und Ausstechförmchen. In jedes Plätzchen wurde vor dem Backen ein Loch gemacht, da sollte dann später ein Faden durch, um das Plätzchen aufzuhängen. Sie waren mitten in der Arbeit, als Kurt und Matthias mit dem Baum kamen. Er wurde draußen auf dem Hof noch an den Baumständer angepasst, den Opa am Morgen vom Dachboden geholt hatte. Mit vereinten Kräften wurde der Tannenbaum ins Wohnzimmer gestellt. Die beiden Männer halfen anschließend den Kindern beim bemalen der fertigen Kekse. Es gab Puderzuckerguss in verschiedenen Farben und flüssig gemachte Schokolade. Eine herrliche Schmiererei. Zwischendurch gab es belegte Brote und warmen Tee, zur Stärkung.

Am Nachmittag ging die ganze Familie nach draußen in den großen Garten. Kurt und Matthias zettelten eine Schneeballschlacht an und in Null Komma Nix waren alle daran beteiligt. Sofie flog erst einmal ihre Mütze vom Kopf, Sven traf einen Blumentopf, der auf einem Holzstapel gestanden hatte. Der ging natürlich prompt kaputt. Ben schoss einen Meisenring herunter und Tina schaffte es, die Katze zu treffen, die böse fauchte. Tina war ganz erschrocken, aber Opa Kurt sagte nur: „Bei einer Schneeballschlacht ist eben mit Kollateralschäden zu rechnen.“

Ben, der gerade einen weiteren Ball werfen wollte, sah verwirrt aus. „Wieso haben wir jetzt Kohlschäden? Ich seh gar keinen.“ Das brachte alle zum Lachen. Opa erbarmte sich dann seines kleinen Enkels und erklärte ihm, was mit Kollateralschäden gemeint war. Langsam kroch ihnen die Kälte in die Knochen und Oma meinte, es wäre Zeit ins Haus zu gehen. „Zieht euch trockene Kleidung an und kommt dann wieder in die Küche, ich habe Arbeit für euch.“ Sofie stellte überrascht fest, dass keins ihrer Kinder murrte. Auch sie ging sich umziehen und bald waren alle wieder in der Küche versammelt. Oma Ruth zählte die Aufgaben auf, die bis zum Abendessen erledigt werden mussten. „Es muss eine Tannengirlande gebunden werden, die etwa 8 Meter lang ist. Keine Angst, Opa hat schon angefangen, aber sie muss eben noch fertig gemacht werden. Dann müssen wir Gemüse putzen, denn es gibt heute Abend Gemüseauflauf. Außerdem kann heute schon der Pudding für Morgen vorbereitet werden. Am Heiligabend gibt es bei uns immer ein einfaches Essen, dass man gut vorbereiten kann. Aber keinen Kartoffelsalat, sondern etwas Warmes. Ich dachte an Kartoffelauflauf und später Pudding und heiße Kirschen. Also könen wir die Kartoffeln auch schon nebenbei kochen.“ Die Kinder schwiegen beeindruckt. Oma hatte alles im Griff. Schnell wurden die Aufgaben verteilt und alle waren beschäftigt. Selbst Ben konnte helfen und das machte ihn ganz stolz.

Obwohl alle mit angepackt hatten, wurde es 19:30 Uhr bis sie essen konnten. Aber das störte niemanden. Beim Essen wurde viel gelacht und erzählt. Die Kinder blühten richtig auf. Aber die viele frische Bergluft forderte ihren Tribut. Ben schlief schon beim Essen ein und auch die beiden Großen wollten bald nach dem Essen ins Bett. Die vier Erwachsenen saßen noch eine Weile beisammen, aber auch nicht so lange wie am Vorabend.



Kapitel 25
24. Dezember

„Heute kommt der Weihnachtsmann, heute kommt der Weihnachtsmann“, Bens Stimme schallte durchs ganze Haus. Sofie stöhnte, Matthias lachte und von unten erklang Oma Ruths Stimme. „Guten Morgen du kleiner Sonnenschein, hilfst du mir beim Frühstück machen?“ „Au ja“, schrie Ben und raste die Treppe hinunter. Sofie zog sich das Kissen über den Kopf. „Manchmal ist es einfach nur unfair, dass er immer so guter Laune ist.“ „Stell dir mal vor, er wäre jeden Morgen muffelig, so wie du.“ Sofies Kopf schoss hoch. „Muffelig ich, na warte.“ Sie schnappte sich das Kissen und wollte es Matthias auf den Kopf schlagen, als es an der Tür klopfte. „Wenn Hilfe vor der Tür steht, dann immer herein“, rief Matthias lachend. Sven spähte herein. „Was ist hier denn los?“ fragte er, als er seine Mutter entdeckte, die seinem Vater ein Kissen an den Kopf warf. „Komm rein und du wirst es sehen“, sagte Sofie und zielte mit dem zweiten Kissen auf die Tür. „Danke, ich verzichte. Ich soll euch von Oma sagen, dass es in zehn Minuten Frühstück gibt.“ Dann verschwand Sven sicherheitshalber wieder.

Keiner wagte es Oma Ruth warten zu lassen, also saßen alle pünktlich am Tisch, der diesmal im Esszimmer gedeckt war. Ben kam mit stolz geschwellter Brust und einem Korb Brötchen herein, die alle etwas merkwürdig aussahen. Bevor aber einer eine Bemerkung machen konnte, verkündete Ben: „Die hab ich ganz allein gemacht. Oma hat mir den Teig gegeben und ich hab die Brötchen dann so geknetet und auf die Bleche getan.“ Alle zeigten sich mächtig beeindruckt und lobten die tollen Brötchen. Ben lächelte glücklich und Sofie war ihrer Mutter sehr dankbar, dass sie die Kinder so mit einbezog. Nachdem sich alle gestärkt hatten, holte Sofie den letzten Brief aus ihrer Tasche.

Liebe Sofie,
es ist Heiligabend. Dazu gäbe es eine Menge zu sagen oder schreiben. Ich möchte euch einfach nur etwas Wünschen. Genießt die Weihnachtstage gemeinsam. Nehmt euch Zeit füreinander. Lasst den Fernseher oder den PC einfach mal ein oder zwei Tage aus. Spielt Spiele, geht spazieren. Na euch wird sicher selber etwas einfallen.
Es ist für jeden wichtig, geliebt und ernst genommen zu werden. Das könnt ihr einander schenken.
Da gibt es aber noch etwas, das ich mir für euch wünsche: wenn es mal Meinungsverschiedenheiten oder Streit gibt, zieht euch nicht beleidigt zurück. Hört dem anderen genau zu. Dadurch kann so mancher Streit vermieden werden. Sollte es aber wirklich mal zum Streit kommen, dann sollte die Versöhnung aber nicht lange auf sich warten lassen. Denn unversöhnt werdet ihr innerlich krank werden.

Opa und ich lieben euch und wünschen euch ein gesegnetes Weihnachtsfest


Bevor irgendwer näher auf den Brief eingehen konnte, packte Sofie das Päckchen aus. Es enthielt ein kleines Fotobüchlein mit Fotos von Sofie, als sie noch ein Kind war. Sofie als Hirte, Sofie als Engel, Sofie als Magd, Sofie als Maria. Alle Bilder zeigten Sofie beim Krippenspiel. Viele Jahre hatte sie mitgespielt und viel Freude daran gehabt. Sofie wandte sich an ihren Vater: „Gibt es in diesem Jahr auch wieder ein Krippenspiel?“ „Aber klar. Wir werden auch hingehen und hoffen, dass ihr mitkommt.“ Matthias war nicht so angetan, aber die Kinder wollten gern das
Krippenspiel sehen. Also würden alle gemeinsam am Nachmittag in die Kirche gehen.

Nach dem Frühstück wurde der Baum geschmückt und alle machten mit. Ben durfte Christbaumkugeln an die unteren Zweige hängen und Matthias stand auf der Leiter und brachte die Baumspitze an. Dazwischen verteilten die anderen Kugeln, Strohsterne und die Popcornketten. Kurt hatte am Morgen schon die Lichterketten angebracht und bei so vielen Helfern erstrahlte der Baum bald im Weihnachtsglanz. Als alle Kartons und Schachteln weggeräumt waren, holte Oma Ruth einen Schlüssel aus der Tasche. „Nun wird das Wohnzimmer zugeschlossen und bis wir von der Kirche kommen, darf es niemand betreten.“ Sven und Tina nickten ernst und Ben fragte staunend: „Aber wie kommt denn der Weihnachtsmann ins Wohnzimmer. Im Kamin brennt doch Feuer.“ Cleverer Bursche, dachte Sofie. Aber Oma Ruth wusste eine Antwort. „Das Holz ist schon fast runtergebrannt und wird bald ausgehen. Also keine Angst, der Weihnachtsmann wird sich nicht die Füße verbrennen.“

Zur Mittagszeit gab es eine Tomatensuppe und Baguette. Danach war Mittagsruhe angesagt. Sven und Tina spielten ein Gesellschaftsspiel und Ben legte sich ins Bett. Er war zwar gar nicht müde und wollte sich nur ausruhen, aber nach fünf Minuten war er tief und fest eingeschlafen. Die Zeit nutzten die Erwachsenen natürlich für ihre ganz speziellen Vorbereitungen aus. Sie waren gerade mit allem fertig, als Ben ausgeschlafen hatte. Es gab heißen Kakao und Keks für alle. Danach zogen sie sich alle fein an und fuhren zur Kirche. Es war kaum ein Parkplatz zu finden und so mussten sie ein wenig laufen. Ben bestaunte die Krippenfiguren vor der Kirche und wäre fast über die Straße gelaufen ohne zu gucken. „Stopp mein Kleiner“, sagte Opa Kurt. „Wir gehen hier noch nicht rüber. Da vorn ist ein Zebrastreifen, da ist es sicherer.“ Ben nickte, ließ aber keinen Blick von der Krippe.

Als er endlich davor stand, stellte er fest, dass die Figuren so groß waren wie Menschen. Sofie musste Ben fast hinter sich herziehen, so fasziniert war er. In der Kirche war es schon sehr voll und es waren kaum noch Stühle frei. Eine Frau kam auf sie zu und begrüßte Sofies Eltern mit einer Umarmung. Dann sah sie Sofie und umarmte sie auch. „Ich freue mich so, das du mal wieder hier bist. Sag bloß, dass sind deine Kinder? Ich glaub es ja nicht. Das ist doch nicht Sven oder? Der ist ja schon fast ein Mann. Und dieses Mädchen kann gar nicht Tina sein. Du warst noch eine süße Erstklässlerin, als ich dich das letze Mal sah. Und jetzt schau sich einer an, wie wunderhübsch du geworden bist.“ Sie beugte sich zu Ben und fuhr fort: „Aber dieser kleine Sonnenschein gehört doch sicher nicht zu dir oder? Der strahlt ja, dass man eine Sonnenbrille aufsetzen muss. Was meinst du Sonnenschein, möchtest du ganz vorn bei den Kindern sitzen, dann kannst du richtig gut gucken, wenn das Krippenspiel beginnt.“ Sie streckte Ben die Hand entgegen, grinste Sofie an und machte sich auf den Weg nach vorn. Aber nach zwei Schritten blieb sie stehen. Sie zeigte auf die Empore. „Wenn ihr beiden Lust habt, könnt ihr die Treppe hoch gehen und euch auf die Empore setzten, da sitzen alle jungen Leute. Also flitzt hoch und viel Spaß.“ Damit drehte sie sich wieder um und ging bis ganz nach vorn. Ben setzte sich zu den kleineren Kindern und wirkte glücklich und zufrieden.“Was oder besser wer war das denn?“ Matthias stellte diese Frage sehr leise, weil gerade das Präludium erklang. Sie setzten sich in die letzte Reihe und Ruth erklärte: „Das ist Bianca. Sofie und sie sind zusammen zur Schule gegangen. Bianca hat ein Gespür für Kinder und hat daraus einen Beruf gemacht. Später hat sie unseren Pastor geheiratet. Jetzt ist sie für die Kinder– und Jugendarbeit zuständig. Aber nicht weil es ihr Beruf ist, es ist eine Berufung und sie geht mit Leib und Seele darin auf.“

Die Christvesper begann mit einer Textlesung und einigen Liedern. Dann folgte das Krippenspiel. Die Kinder hatten tolle Verkleidungen und jeder konnte seinen Text. Sofie war tief beeindruckt, vor allem von der Freude und der Leichtigkeit, mit der die Kinder spielten. Der Pastor bedankte sich bei den Kindern und sagte dann, dass er an diesem Nachmittag nicht predigen würde, da die Kinder die Predigt ja schon vorgeführt hätten. Ein paar Lacher waren zu hören und viele Leute schmunzelten. Sie wussten, dass es ein kurzer Gottesdienst sein würde, damit die Kinder nicht so lange still sitzen mussten. Der Pastor gab ein paar Grüße an die Gemeinde weiter, dann wurden noch zwei Lieder gesungen und dann kam der Segen.

Matthias hatte nach dem Krippenspiel abgeschaltet. Er war kein Kirchgänger, schon lange nicht mehr. Gut dass es kein langer Gottesdienst mit einer ermüdenden Predigt war. Er wollte nur noch an die frische Luft oder besser noch zurück zum Haus seiner Schwiegereltern. Als alle zum Segen aufstanden, stand er natürlich auch auf. Überrascht sah er nach vorn, als eine Kinderstimme sagte:

Ich lese einen irischen Segen

Vergiss die Träume nicht, wenn die Nacht wieder über dich hereinbricht
und die Dunkelheit dich wieder gefangen zunehmen droht.

Noch ist nicht alles verloren.
Deine Träume und deine Sehnsüchte tragen Bilder der Hoffnung in sich.
Deine Seele weiß, dass in der Tiefe Heilung schlummert
und bald in dir ein neuer Tag erwacht.

Ich wünsche dir,
dass du die Zeiten der Einsamkeit nicht als versäumtes Leben erfährst,
sondern dass du beim Hineinhorchen in dich selbst
noch Unerschlossenes in dir entdeckst.
Ich wünsche dir,
dass dich all das Unerfüllte in deinem Leben nicht erdrückt,
sondern dass du dankbar sein kannst für das, was dir an Schönem gelingt.

Ich wünsche dir,
dass all deine Traurigkeiten nicht vergeblich sind,
sondern dass du aus der Berührung mit deinen Tiefen
auch Freude wieder neu erleben kannst.

Matthias fühlte sich direkt von diesem Segen angesprochen. Wie war das möglich? Darüber würde er nachdenken müssen. Er sah zu Sofie hinüber. Sie lächelte und strahlte eine tiefe Ruhe und Freude aus. Die Gemeinde und die Gottesdienste hatten ihr gefehlt, das erkannte Matthias ganz deutlich.
Bianca brachte Ben wieder zurück zu ihnen. Kurz darauf kamen auch Sven und Tina und sie machten sich gemeinsam auf den Heimweg. Ben plapperte fröhlich drauflos. Er war total begeistert von der Kirche, den Liedern, den Kindern und vor allem von Bianca. „Morgen ist auch Gottesdienst und die Kinder wollen spielen und singen. Sie haben gefragt ob ich auch kommen kann. Darf ich Mami?“ „Ich weiß nicht, Ben. Wir müssen erst einmal sehen, was Oma und Opa für morgen geplant haben.“ „Du weißt doch, dass wir den Weihnachtsgottesdienst besuchen, so wie wir auch sonst jeden Sonntag in die Gemeinde gehen. Wenn ihr es erlaubt, nehmen wir Ben gern mit.“ „Bitte Mami, ich möchte so gern.“ Sofie sah Matthias an und der nickte. „In Ordnung und vielleicht komme ich ja auch mit.“ Matthias war von Sofies Antwort nicht überrascht. „Ich bleibe dann mit den Großen zu Hause. Vielleicht können wir ja schon das Essen vorbereiten oder so.“ Matthias sah seine Schwiegermutter fragend an. „Ja, wenn ihr das wollt, dann gern. Hast du schon mal eine Weihnachtsgans zubereitet?“ „Nein“, musste er zugeben, aber so ein Gänsebraten kann doch nicht so schwer sein.“ Sofie und ihre Mutter mussten lachen. „Ich werde die Gans vorbereiten, dann müsst ihr nur noch die Knödel kochen, das Gemüse warm machen und aufpassen, dass die Gans nicht verbrennt.“ Also war es abgemacht und sie beeilten sich zum Auto zu kommen. Unterwegs begann es erneut zu schneien, aber sie schafften es ohne Schwierigkeiten nach Hause.

Dort angekommen, wurden die Kinder nach oben geschickt um sich die Hände zu waschen. Ruth stellte den Auflauf in den Backofen und programmierte den Timer. Timer waren doch eine geniale Erfindung. „War der Weihnachtsmann schon da?“ Ben kam die Treppe runtergesaust und prallte im Flur mit seinem Großvater zusammen. „Ich wollte gerade nachsehen gehen und das Feuer wieder anmachen. Wartest du hier ich bin gleich wieder da. Opa nahm den Schlüssel und schloss die Tür auf. Dann flüsterte er: „Die Strümpfe sehen voll aus. Ich mache nur schnell den Kamin wieder an. Oder besser, du sagst den anderen Bescheid und dann können wir gleich zusammen gucken, was jeder bekommen hat.“
Ben lief wieder nach oben und holte seine Geschwister, dann rannte er in die Küche und sagte seiner Oma und seinen Eltern Bescheid. Gerade als er wieder vor der Tür stand, kam sein Opa heraus.

„Der Weihnachtsmann hat eine Menge Gaben hier gelassen. Ich bin sehr beeindruckt. Ihr müsst ja ganz besonders brav gewesen sein“, flüsterte er Ben ins Ohr. Nun konnte Ben gar nicht mehr still stehen. Endlich waren alle da und Opa öffnete die Tür wieder und ließ alle eintreten. Die Lichter am Tannenbaum brannten, aber dafür hatte Ben keinen Blick. „Darf ich meinen Strumpf haben... äh bitte haben?“ Er sah seine Großeltern bittend an. Opa gab ihm den Strumpf und Ben konnte ihn kaum festhalten, so schwer war er. Er zog einen kleinen Stoffesel aus dem Strumpf und strahlte. „schaut mal, was der Weihnachtsmann mir gebracht hat. Das Eselchen sieht aus, wie das bei Jesus im Stall.“ Vorsichtig stellte er das Eselchen auf den Boden. Als nächstes kam ein Buch zum Vorschein, dann ein kleines Spiel, ein paar Legos und zum Schluss ein Brief. Irritiert sah Ben zu seinen Eltern. „Komm Schatz, ich lese ihn dir vor“, sagte Sofie. Sie nahm Ben auf den Schoß und zog den Briefbogen aus dem Umschlag.

Lieber Ben,
Weil du in diesem Jahr besonders brav gewesen bist, wollte ich dir auch ein ganz besonderes Geschenk machen. Leider hat es nicht in den Strumpf gepasst. Ich habe es unter den Weihnachtsbaum gelegt. Ich hoffe, du freust dich.

Der Weihnachtsmann


Sofie hatte kaum zu Ende gelesen, als Ben auch schon von ihrem Schoß rutschte und zum Baum rannte. Er kam mit einem Paket zurück zu Sofie. Vorsichtig entfernte er das Weihnachtspapier. Dann schrie er begeistert und hüpfte mit dem Karton durchs Zimmer. Er war kaum zu bremsen. „Was hast du denn bekommen,“, fragte sein Opa. „Schlittschuhe. Juchhu, eigene Schlittschuhe. Mama, dann müssen wir jetzt ganz viel zur Eisbahn gehen, sonst ist der Weihnachtsmann bestimmt traurig.“ „Das machen wir ganz sicher, Ben und vielleicht kommen Sven und Tina ja auch mit.“ „Und Papa, ja Papa?“ Matthias nickte und sagte: „ich werde mir ab und zu einen freien Nachmittag freischaufeln und dann gehen wir Schlittschuh laufen.“

Das wäre das schönste Weihnachtsgeschenk, dachte Sofie, wenn Matthias seine Arbeitszeiten verkürzen würde. Die nächste halbe Stunde verging mit auspacken, staunen, sich freuen. Ben und Tina übergaben die „Erinnerungskästchen“ und Sven und Matthias staunten über die Dinge, die schon im Kästchen lagen, wie zum Beispiel die Eintrittskarte von der Eishalle oder ein Foto vom Kekse backen. Sofie lächelte still vor sich hin. Es war ein schöner Heiligabend.

„Mami!“ Bens Stimme riss sie aus ihren Gedanken. „Du hast deinen Strumpf noch gar nicht ausgepackt.“ Daran hatte sie gar nicht gedacht. Sie holte ihren Strumpf und fand ein Parfümfläschchen, ein Buch, einen gebastelten Fröbelstern, ein gemaltes Bild und, oh nein—einen Umschlag. Wieder von ihrer Mutter? Zaghaft öffnete sie den Umschlag und zog den Briefbogen heraus. Ein Blick auf die Unterschrift und sie runzelte die Stirn. Der Brief war vom Weihnachtsmann.

Liebe Sofie,
Ich bekam in diesem Jahr eine Menge Briefe, die dich betreffen. Und ich kann dir sagen, es standen nur nette Sachen über dich darin. In einem Brief stand, dass du die liebste Mami von der Welt bist und ganz viel Geduld mit deinen Kindern hast. In einem anderen Brief hieß es, du könntest fantastisch kochen und hättest immer Zeit für andere. Aber ein Brief gab mir dann doch zu denken und ich muss sagen, was ich da gelesen habe, gefiel mir nicht so richtig. In dem Brief stand, dass du dich immer um deine Familie kümmerst, aber nichts für dich tust. Da war dann die Rede davon, dass
du toll zeichnen kannst, Geschichten erfindest und das du musikalisch sehr begabt bist. Aber du malst nicht, du schreibst nicht und machst auch keine Musik. Was soll ich davon halten?
Alle Briefeschreiber hatten eine Idee für ein Geschenk und ich muss sagen, sie gefiel mir so gut, dass ich dir das Geschenk besorgt habe. Aber wie bei deinem Sohn Ben, passte es nicht in den Strumpf. Deshalb habe ich es in euer Haus gebracht. Deinem Mann habe ich ein Foto von dem Geschenk gegeben und wenn du nicht warten willst, bis ihr nach Hause fahrt, dann bitte ihn, es dir zu zeigen.
Es gibt aber noch eine Bedingung, die du erfüllen musst um das Geschenk behalten zu können. Du musst es regelmäßig nutzen.

Der Weihnachtsmann


Sofie traute sich nicht, vom Briefbogen aufzuschauen. Was hatten sie ihr gekauft, dass nicht in einen Strumpf passt? Matthias setzte sich zu ihr auf die Sessellehne. Er hielt ein Foto in der Hand, aber so, dass sie nur die Rückseite sah. „Möchtest du nicht wissen, was du bekommen hast?“ Seine Stimme war leise und zärtlich. „Sofie sei kein Feigling, nimm das Foto und sie es dir an.“ Endlich sah Sofie auf, zuerst sah sie Matthias an, dann ihre aufgeregten Kinder, danach ihre Eltern. Sie fragte: „Wisst ihr alle, was es ist?“ „Klar und es ist toll.“ Ben konnte sich kaum beherrschen. Er sah so aus, als wenn er das Geheimnis am liebsten sofort lüften würde. Sofie griff zögernd nach dem Foto und drehte es vorsichtig herum. Sie erkannte, was auf dem Foto war, konnte es aber nicht glauben. „Glaub es“, flüsterte Matthias und küsste sie auf die Wange. Sofie schüttelte den Kopf, dann flossen Tränen. Ben kuschelte sich an Oma Ruth. „Warum weint Mami, mag sie das Geschenk nicht?“ „Doch Schatz, sie mag es ganz bestimmt. Sie weint vor Überraschung und Freude.“

Langsam dämmerte Sofie, das ihr Geschenk Realität war. Sie sprang auf, umarmte Matthias, ihre Kinder und ihre Eltern. Dabei fiel ihr nicht auf , dass das Foto vom Klavier auf den Boden gefallen war. Sie war überwältigt von dem Geschenk, aber auch von der Liebe, die überall zu spüren war.

Später am Abend ließen die Erwachsenen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren. Ben spielte mit seinem Eselchen, als ihm die Kekse und das Knusperhäuschen einfielen. Er lief mit seinen Geschwistern nach oben, um alles zu holen.
„Gut, dass es bei dem Unfall keine Verletzen gegeben hat“, sagte Opa gerade, als Ben und seine Geschwister wieder ins Wohnzimmer kamen. „Leider gab es aber doch Verletzte Opa, guck mal“, sagte Ben und grinste. Er hielt ihnen die Keksschachtel hin und zeigte ihnen die Elefanten—alle ohne Rüssel. Denn die waren bei dem Unfall abgebrochen. „Na gut, dass nur die Elefantenrüssel abgebrochen sind und nicht deiner.“ Opa zwickte Ben liebevoll in die Nase. Die Großeltern bewunderten das Lebkuchenhaus und freuten sich über die selbst gemachten Geschenke ihrer Enkelkinder.








An dieser Stelle verlassen wir Familie Kramer, Ruth und Kurt. Wir überlassen sie ihrer Weihnachtsfreude. Ob die guten Vorsätze von Matthias im Alltag bestand haben werden oder ob Sofie wieder regelmäßig Klavier spielen wird, ist eine andere Geschichte.


Hiermit endet die Geschichte im diesjährigen Adventskalender. Ich hoffe, ihr hattet viel Freude daran und wünsche euch ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Liebe Grüße

Volker

_________________
<b>Auch Männer können lieb und aufmerksam sein!</b>

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