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Der KIL-O-Meter Adventskalender 2017
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sweetums
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BeitragVerfasst am: 19.11.2017, 15:51    Titel: Der KIL-O-Meter Adventskalender 2017 Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben,
auch in diesem Jahr würde ich euch gerne einen Adventskalender bieten.
Fall ihr einverstanden seit, werde ich noch einmal die Geschichte aus dem Adventskalender 2013 in den Adventskalender packen. ich finde, man kann sie ruhig nach ein paar Jahren noch einmal lesen.

Liebe Grüße

Volker
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BeitragVerfasst am: 30.11.2017, 23:08    Titel: 1. Dezember Antworten mit Zitat

Prolog
24. Dezember 1986

Sebastian hatte sich das dicke Federbett bis über die Ohren gezogen. Es war bitterkalt in seinem Zimmer und es war noch dunkel. Auf der Treppe waren die Schritte seiner Mutter zu hören. Verzweiflung stieg in ihm hoch. Es konnte doch nicht schon wieder 6 Uhr sein.
„Sebastian steh auf, es ist kurz vor 6 und dein Vater ist schon im Stall. Beeil dich und lass ihn nicht warten.“ Seine Mutter hatte noch nicht einmal die Tür geöffnet. Ihre Schritte entfernten sich und Sebastian krabbelte aus seinem Bett.
Ruck zuck zog er sich an und ging nach unten. Im Vorraum zog er Jacke und Gummistiefel an und dann rannte er zum Stall.

Als er den Stall betrat, sah der Vater nicht mal auf: „Du musst noch die Kühe auf der rechten Seite melken. Und beeil dich damit. Mutter hat heut viel zu tun und du musst noch ins Dorf und ein paar Einkäufe machen. Oma und Opa kommen heute schon vor der Christvesper.“

Der kleine Sebastian schluckte die Tränen runter. Es war wie alle Jahre, nichts hatte sich geändert. Noch schlimmer, nichts würde sich ändern. Wie jeden Tag erledigte er seine Aufgaben auf dem Hof. Und es waren nicht wenig Aufgaben. Er war für die Hühner verantwortlich. Musste sie füttern und die Eier einsammeln. Dann war da noch das Kühe melken und für Mutter den Hof fegen und einkaufen.

Nachdem er alles im Stall erledigt hatte, schlurfte er Richtung Haus. Es gab sicher ein besonderes Frühstück, weil heute ein besonderer Tag war, dachte er hoffnungsvoll. Sebastian zog seine Jacke und die Stiefel aus, wusch sich die Hände und ging in die warme Küche. Ja klar, besonderes Frühstück, er war ein Dummkopf, wenn er noch immer solche Wünsche und Hoffnungen hatte. Uropa Heinrich hatte mal gesagt: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Sebastian hatte sich gefragt, was das bedeuten könnte, aber nun konnte er es erahnen.

Er setzte sich an den Tisch und aß seinem Haferbrei. Danach ging es mit einer großen Einkaufsliste und einem noch größeren Rucksack ins Dorf. Dort traf er auf die Frau des Pastors. „Ja guten Morgen, Sebastian. Du bist ja schon früh unterwegs. Kommst du mit deinen Eltern nachher in den Gottesdienst? Ich habe eine Überraschung geplant.“ Sie sagte es mit einem so warmen Lächeln, dass Sebastian die Tränen in die Augen stiegen. „Ja, wir kommen“, sagte er leise. Dann lief er schnell weiter.

Mit dem schweren Rucksack machte er sich auf den Rückweg. Da hielt ein Auto neben ihm. Es war der Postbote. „He, Basti, willst du ein Stück mitfahren?“ Sebastian grinste und versuchte den Rucksack vom Rücken zu bekommen. Herr Grünwald, der Postbote stieg aus, um ihm zu helfen. „Oh je, der ist aber schwer“, sagte er stirnrunzelnd. Und er nahm sich vor, einen kleinen Umweg zu machen, um Sebastian nach Hause zu bringen.

Sebastian strahlte über das ganze Gesicht. In einem Auto mit zu fahren, war für ihn nicht alltäglich. Und Herr Grünwald war immer sehr nett zu ihm. Auch konnte er lustige Geschichten erzählen. Die Fahrt verging für ihn viel zu schnell. Herr Grünwald schenkte ihm noch ein Stück Schokolade, bevor er am großen Hoftor anhielt. Dann half er Sebastian mit dem Rucksack und fuhr weiter.

Als er das Gehöft schon lange nicht mehr sehen konnte, dachte er noch immer an Sebastian. Das war ein blitzgescheites Kind. Dabei immer freundlich und höflich. Und trotz der vielen Arbeit, die er schon erledigen musste, hatte er ein Strahlen in den Augen. Ja, Sebastian hatte etwas Besonderes an sich, warum merkten seine Eltern das nicht?

Sebastian trottete derweil in die Küche. Mutter packte den Rucksack aus und sah nach, ob er nichts vergessen hatte. Nein, alles da. Na dann konnte er ja sein Zimmer aufräumen und das Obergeschoss saugen. Sebastian ließ die Schultern hängen, als er nach oben ging. Er setzte sich in seinem Zimmer aufs Bett und sah mit Tränen in den Augen zum Fenster. Wunderschöne Eisblumen zierten die Scheiben, aber Sebastian sah es gar nicht. Er starrte einfach so ins Leere. Seine Gedanken gingen wie fast immer in die eine Richtung: Was war denn falsch an ihm? Warum liebten seine Eltern ihn nicht? War er nicht liebenswert? Er wollte wenigstens einmal geliebt werden – nur einmal.

Der Tag verging, die Großeltern kamen, aber auch Oma Hilde und Opa Paul nahmen ihn nicht in den Arm. Sie drückten ihm die Hand und sagten, wie groß er schon geworden sei. Alles wie immer. Aber was hatte er erwartet? Ein Wunder? Wunder gab es nicht. Obwohl Oma Kathrina, die Mama seiner Mama immer gesagt hatte: Zu Weihnachten ist alles möglich, da geschehen noch Wunder. Er vermisste Oma Kathrina. Sie war gestorben, als er gerade fünf war.

Dann kam für ihn der schönste Moment im Jahr. Sie gingen in die alte Dorfkirche zur Christvesper. All die vielen Kerzen, die Tannendekoration, der große Tannenbaum und dann die Krippe. Sebastian liebte die Figuren, besonders aber das Jesuskind.
Das Jesuskind war in einem Stall geboren, aber es wurde geliebt. Die Eltern liebten ihn, die Engel, die Hirten, die Könige und – Sebastian.

Still saß er neben seinen Eltern, als die Orgel zu spielen anfing. Die Weihnachtslieder hörten sich so schön an und Sebastian strahlte vor Freude. Nach einigen Weihnachtsliedern erzählte der Pastor die Weihnachtsgeschichte. Es folgte ein Weihnachtslied und dann ging die Frau des Pastors nach vorn. Sie strahlte so viel Liebe und Wärme aus, dass es Sebastian ganz warm wurde. „Die Geburt Jesu ist für uns alle etwas Besonderes. Ein Kind ist geboren. Es ist klein und hilflos, aber es ist ein großartiges Geschenk. Jedes Kind ist ein Geschenk, dass Gott uns Menschen macht. Wir dürfen dieses Kind ein Stück auf seinem Weg begleiten. Es bekommt von uns Essen, Kleidung, ein Dach über dem Kopf. Aber wichtiger als alles andere ist es, dass die Kinder unsere Liebe erfahren, Wärme und Zuneigung. Gott hat sie uns anvertraut und wir sind für sie verantwortlich. Mein Mann und ich haben überlegt, wie wir den Segen, den wir immer wieder durch Gott erfahren weitergeben können. Und da kam uns ein Gedanke. Es gibt unter uns eine Familie, die genau wie Maria und Joseph am Heiligabend ein Kind bekommen haben. Auch sie bekamen einen Sohn. Und es ist ein prächtiger kleiner Bursche.“
Sebastian hielt förmlich die Luft an. Das konnte doch nicht sein oder? Sie redete doch nicht von ihm? Aber das sprach sie auch schon weiter: „Sebastian kommst du zu mir? Ich habe etwas für dich,“ Sebastian sah in die zornigen Augen seines Vaters und hörte ein leises: Nu geh schon hin. Er rutschte von der Bank und ging nach vorn. Der Pastor trat mit einem Geschenk zu seiner Frau. Beide sahen ihn lächelnd an und der Pastor sagte: „Sebastian, der Herr Jesus liebt dich. Und weil wir uns so über seine Geburt freuen, wollten wir dir eine Freude machen.“ Damit gab er Sebastian das Geschenk. Es war eine Kinderbibel und ein kleiner Truck. Sebastian freute sich sehr über die Geschenke. Noch mehr aber, als die Pastorenfrau ihn in den Arm nahm, ihn sanft auf die Stirn küsste und sagte: „Gottes Segen zu deinem Geburtstag, kleiner Mann.“ Der Pastor wollte noch wissen, wie alt Sebastian denn nun sei. „Sieben Jahre“, antwortete er schüchtern, aber mit einem Leuchten in seinen braunen Augen.

Der Rest des Gottesdienstes flog an Sebastian vorbei und auch der Rest des Abends. Er hatte Socken, eine neue Hose und einen Pullover bekommen. Nun lag er im Bett.
Die Bibel lag auf seinem Nachtisch, der Truck stand daneben. Gerade als ihm die Augen zufielen, hörte er seinen Vater die Treppe hochpoltern. Er war, wie so oft, betrunken.
Sebastian riss erschrocken die Augen auf. Bitte nicht, nicht heute, dachte er. Da flog auch schon die Tür auf und sein Vater stand da, mit dem Gürtel in der Hand…
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BeitragVerfasst am: 02.12.2017, 00:09    Titel: 2. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 1
15. November 2012

Sebastian stand von seinem Schreibtischstuhl auf und trat ans Fenster. Er blickte hinunter auf die Stadt, das Gewimmel der Autos und der Menschen. Ein Lächeln huschte über sein markantes Gesicht. Aber es war kein freundliches Lächeln. Der kleine Bauernjunge hatte es geschafft. Er hatte es allen gezeigt.

Der Tag war anstrengend gewesen und nun brauchte er erst einmal einen Schluck aus der Hausbar. Er konnte zwischen den teuersten Spirituosen auswählen. Mit ruhiger Hand goss er sich einen Single Malt ein und setze sich wieder an den Schreibtisch. Seine Gedanken gingen in die Vergangenheit. Zu seinem Elternhaus, seiner Kindheit.

Weihnachten 1986 hatte sich alles geändert. Sein Vater war zu weit gegangen, viel zu weit. Seine Mutter hatte den Notarzt gerufen. Mit dem Notarzt kam die Polizei, und ehe das neue Jahr anbrach, war Sebastian ein Fall für die Jugendfürsorge. Seinen Eltern wurde das Sorgerecht aberkannt, die Großeltern wollten nicht für ihn sorgen, also… Pflegeheim. Dort blieb er einen Monat, dann kam er in Pflege. Sebastian schnaubte, Pflege hatte er dort nicht bekommen. Er hatte zu Essen und zu Trinken, ein Dach über dem Kopf, etwas anzuziehen, aber das war es auch schon. Er musste in eine andere Schule gehen, wo die Kinder über ihn lachten. Drei Jahre ging das so. In vier Pflegefamilien war er, die alle nicht mit ihm zurecht kamen und ihn zurück ins Heim brachten. Doch dann kamen Lea und Klaus. Sie nahmen ihn mit zu sich und überhäuften ihn mit Zuneigung. Sie hatte Zeit für ihn, setzten sich mit ihm auseinander.

Endlich fand man auch heraus, warum er so viele Schwierigkeiten in der Schule hatte und weshalb er bei den anderen Kindern nicht so beliebt war. Sebastian gehörte zu den hochbegabten Kindern. Zu diesem Zeitpunkt fing sein Leben an, lebenswert zu werden. Lea und Klaus waren erfolgreiche Geschäftsleute. Sie besaßen einige Boutiquen und eine kleine Pension. Beide konnten es sich leisten, Sebastian zu fördern, ihn auf eine spezielle Schule zu schicken und vieles mehr.

Sebastian nahm einen Schluck von seinem Whisky. Versonnen sah er zu, wie die Sonne langsam unterging. Er erinnerte sich, wie sie gemeinsam zelten waren. Sie hatten es lange geplant und als sie am Zeltplatz ankamen, war ein Gewitter über sie hereingebrochen. Bei dem Sauwetter wäre Lea am liebsten umgekehrt. Aber weil Sebastian sich so auf das Wochenende gefreut hatte, blieb sie. Sie hatte zwei Pullover angezogen, bevor sie zitternd in den Schlafsack krabbelte.

Das Telefonklingeln riss ihn aus seinen Gedanken. Er nahm ab und seine Sekretärin meldete sich. „Herr Hausmann, ihr 18 Uhr Termin ist gerade angekommen.“ „Schicken sie ihn rein.“
Sebastian erhob sich als die Tür aufging und sein Finanzberater eintrat. „Herr Will, ich freue mich, dass sie kommen konnten. Nehmen sie doch bitte Platz.“ Sebastian bemühte sich freundlich zu sein, aber eigentlich hatte er dazu keine Lust. Herr Will war langsam und umständlich und ging ihm furchtbar auf die Nerven.

Zwei Stunden später hatte Herr Will sich verabschiedet und Sebastian genehmigte sich noch einen Whisky. Er grinste zufrieden. Die Finanzierung für das kleine Hotel in den Bergen war gesichert. Der Besitzer hatte Schulden, die er nicht zahlen konnte, also war das Hotel schon fast seins. Er hinterließ eine Nachricht für Dorothee, seine Sekretärin und verließ dann das Büro.

Eine Stunde später schloss er die Tür zu seinem Penthouse auf. Stille empfing ihn, so wie immer. Er war fast 33 Jahre alt, aber er hatte keine engen Bindungen und kaum Freunde. Wenn er es recht bedachte, hatte er gar keine Freunde.

Nachdem er seinen Mantel aufgehängt und die Schuhe ausgezogen hatte, ließ er sich aufs Sofa fallen und griff nach der Fernbedienung. Er zappte durch die Programme, aber nichts interessierte ihn. Was war bloß los mit ihm? Irgendwie fühlte er sich nicht wohl. Vielleicht bekam er ja eine Grippe. Duschen, ein heißer Kakao und dann schlafen, dachte er sich und eine halbe Stunde später lag er in seinem Bett.


16. November 2012
Schweißnass und mit Tränen, die ihm über die Wangen liefen, wachte er mitten in der Nacht auf. Er wusste nicht, was er geträumt hatte, aber der Traum brachte ihn durcheinander. Ein Blick auf die Uhr – 6 Uhr früh. Nun würde er nicht mehr einschlafen können. Also duschen und ab ins Büro.

Vier Stunden befasste er sich mit dem Projektmanagement für sein jüngstes Projekt. Ihm schwebte da ein guter Projektmanager vor, mit dem er nur noch den genauen Rahmen abstecken würde.. Dann sollte alles laufen, ohne dass er ständig kontrollieren musste. Sebastian reckte sich und stöhnte. Immer diese Sitzerei am Schreibtisch, er war total verspannt.. Wozu war er eigentlich der Chef? Er würde sich jetzt einfach den restlichen Tag freinehmen. Sollte seine Sekretärin doch sehen, wie sie die Termine verschob. Gesagt, getan und schon war er auf dem Weg ins Fitness-Center.

Zur gleichen Zeit, in der es Sebastian im Fitness-Center gut gehen ließ, rannte die kleine Tina hinter ihrem großen Bruder her. Die wilde Jagd ging quer durch die Hotelhalle, den Speisesaal und dann in die Küche. Als Tina durch die Küchentür stolperte, was ihr Bruder schon verschwunden. Sie schniefte und ließ den Kopf hängen. „Tina, was ist los? Was hat Chris wieder angestellt?“ Manuel, der Koch ging vor ihr in die Knie. „Er hat meine Puppe und will sie in den Pool werfen.“ Tinas Stimme war ao leise, dass Manuel sie kaum verstand. „Das wird er sicher nicht, komm mit, ich bringe dich zu deiner Tante.“ Manuel nahm das kleine Mädchen auf den Arm und brachte sie in die Privaträume der Familie Lindner. Sigrid, die Tante der Kinder, kam ihm schon entgegen. „Komm her meine Kleine, wir suchen den Schlingel und dann ziehen wir ihm die Ohren lang“, sagte Sigrid. Tina zuckte erschrocken zusammen. „Nein nicht die Ohren langziehen, dann lachen ihn die Kinder aus.“ Manuel und Sigrid mussten lachen. „Na dann eben nicht“, erwiderte Sigrid lachend. „Aber suchen müssen wir ihn. Gleich kommen neue Gäste und dann sollte er nicht in der Halle sein.“

Chris hatte das Pech in vollem Lauf mit seiner Mutter zusammenzustoßen. „Chris, was treibst du hier?“, fragte sie. Schuldbewusst senkte er den Kopf. Sie wuschelte ihm durchs Haar und meinte: „Sei so lieb und geh in unsere Wohnung, gleich kommen neue Gäste und da habe ich alle Hände voll zu tun.“ Chris nickte und wollte gehen, aber seine Mutter zog ihn in die Arme: „Ich hab dich lieb du Rabauke“, sagte sie lächelnd. „Ich dich auch“, gab er zur Antwort und rannte davon. Kopfschüttelnd sah Anne ihm nach. Sie liebte ihre Kinder, auch wenn es nicht einfach mit ihnen war. Nun musste sie sich aber um die Gäste kümmern, Zeit um zu träumen hatte sie nicht.
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BeitragVerfasst am: 03.12.2017, 00:11    Titel: 3. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 2
29. November

Sebastian stand vor dem Spiegel und zog seine Fliege zurecht. Er hasste diese Dinger. In einer Stunde musste er bei dem Empfang sein. Eine Rede musste er auch halten. Reichte es nicht, dass er Verträge abschloss und genug Geld verdiente um sich alles zu kaufen, was er wollte? Warum musste er seine Geschäftspartner bespaßen, sich ihre langweiligen Reden anhören und mit ihren noch langweiligeren Frauen Konversation machen?
Aber seine Berater hatten gesagt, dass so etwas wichtig sei. Außerdem wollten sie, dass er freundlich war, viel lächelte und zufrieden und glücklich rüber kam. Sie konnten ihn alle mal.

Er verließ sein Penthouse und fuhr mit dem Fahrstuhl ins Erdgeschoss. Als er vor das Haus trat, hielt ihm sein Chauffeur schon die Tür auf. Klar, er durfte doch nicht einfach allein mit dem BMW fahren, wie würde das denn aussehen. Mit einem Nicken in Richtung des Chauffeurs stieg er ein.

Im Hotel wurde er gleich von zahlreichen Männern und Frauen umringt. Das Stimmengewirr machte ihn wütend. Das Blabla ging ihm auf die Nerven. Es war doch immer dasselbe: „Oh wie freue ich mich, dass sie mich eingeladen haben.“ „Es ist mir eine Ehre heute dabei zu sein.“ Wie gut sie heute wieder aussehen, die Frauen werden nur noch Augen für sie haben.“ Sebastian lächelte, nickte und murmelte ein paar Worte, während er sich durch die Menge schob. Er hatte nur einen Wunsch – er wollte nach Hause.

Beim Essen war es auch nicht besser. Nicht dass das Essen nicht geschmeckt hatte, es war einfach exquisit, aber die Tischgespräche waren öde.
„Herr Hausmann haben sie schon gehört, die Frau vom Bankier Steinhoff hat sich einfach in ein Flugzeug gesetzt und unternimmt eine Weltreise. Ohne Ihren Mann.“ „Schlimmer ist doch, dass er gar nicht wusste, dass sie geflogen ist.“ Unterbrach eine zweite Frau die Erste. „Das hat er erst durch seine Sekretärin erfahren.“ Die beiden Frauen kicherten schadenfroh.
Herr Surbier beugte sich vertraulich zu Sebastian hinüber: „Ihnen kann man gratulieren, habe ich gehört. Sie lassen gerade ein neues Gebäude bauen und nächste Woche ist bereits Richtfest. Ich hörte, es soll ein Wellness-Palast werden.“ Bevor Sebastian auch nur den Mund öffnen konnte, rief die Rothaarige, die ihm gegenübersaß: „Ein Wellness-Palast? Was wird denn da geboten? Eine besondere Massage, ein extravagantes Ambiente oder einfach nur dass, was alle bieten?“ „Lassen sie sich doch einfach überraschen und kommen zur Eröffnung“, sagte Sebastian gezwungen freundlich. Dann stand er auf. „Entschuldigen sie mich bitte, aber Herr Will winkt mir gerade zu. Ich bin gleich zurück.“ Oder auch nicht, dachte er im Stillen.

Herr Will strahlte über das ganze Gesicht. „Ich wollte ihnen nur schnell sagen, dass die Papiere in ihrem Büro liegen. Der Kauf des Hotels ist perfekt. Die jetzigen Besitzer dürfen das Hotel bis zum 31.12. betreiben, dann haben sie vier Wochen um das Hotel zu verlassen.“ Erwartungsvoll sah Herr Will ihn an. Was wurde jetzt erwartet? Sollte er vor Freude Samba tanzen? „Das sind gute Nachrichten Herr Will, aber ich habe auch nicht mit Problemen gerechnet. Dafür bezahle ich sie alle zu gut.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und strebte dem Ausgang zu. Er hatte genug von dieser Veranstaltung und wollte nur noch raus an die Luft.

Er schickte den Chauffeur weg und ging zu Fuß. Bis zum Bürokomplex war es nicht weit und er wollte sich die Verträge noch einmal ansehen. Ein Hotel in den Bergen, das klang gut in seinen Ohren. Vielleicht sollte er Meyer-Berg inkognito dort hinschicken, damit der schon mal nach Schwachstellen suchen konnte. Oder sollte er lieber Kraus schicken? Hm, eigentlich behagte ihm beides nicht besonders. Gut dass er sich darüber auch noch keine Gedanken machen musste. Das konnte bis zum nächsten Tag warten. Er grinste und dachte sich: Sebastian, du bist echt gut. Wieder ein Geschäft erledigt. Eine neue Einnahmequelle, wenn du es schlau anstellst. Man konnte sicher Personal einsparen. Das musste genau überlegt werden. Wenig einsetzen, viel rausholen, das war sein Motto.

Im Hotel hatte Anne sich auch endlich in ihre Privaträume zurückgezogen. Sie schaute wie immer erst einmal nach den Kindern. Sie liebte die beiden, mehr als sie sagen konnte. Leise schlich sie in Tinas Zimmer. Die Kleine lag wieder auf der Decke, statt darunter. Ihre Lieblingspuppe im Arm und ein süßes Lächeln im Gesicht. Vorsichtig deckte Anne sie zu und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Dann schlich sie leise wieder auf den Flur und von dort zu Chris ins Zimmer. Sie musste lächeln, als sie sah, dass er bis obenhin zugedeckt war und nur noch die Haare unter der Decke hervor lugten. Sie zog die Decke etwas nach unten, küsste auch ihn und ging dann hinaus.

Im Wohnzimmer saß ihre Tante und nähte gerade an einem Riss in Tinas Hose. Sie sah nachdenklich zu Anne und fragte: „Ist es jetzt amtlich?“ „Leider ja. Am 31.12. ist unser letzter Tag. Dann haben wir vier Wochen Zeit, um zu gehen.“ Anne musste schlucken. Sie war hier aufgewachsen. Ihre Großeltern hatten das Hotel gebaut und ihre Eltern hatten mitgearbeitet. Sie kannte jeden Winkel, alle Schwachstellen. Aber sie würde sich nicht unterkriegen lassen und sie würde jetzt nicht weinen. „Tante Sigrid, es bleibt genug Geld übrig, wenn die Schulden bezahlt sind. Damit können wir uns ein hübsches Häuschen kaufen. Ich suche mir dann einen Job und wir haben viel mehr Freizeit.“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht: „Vielleicht könnte ich dann ja, statt vor Sonnenaufgang schon am Computer zu sitzen, mal wieder mit nackten Füßen durch den Morgentau laufen.“ Nun schmunzelte auch die Tante. „Aber nicht im Winter, da solltest du auf den Frühling oder Sommer warten.“ Dann wurden sie beide wieder ernst. Die Kinder wussten noch nicht, dass sie ihr zuhause verlassen mussten. Wie sie es wohl aufnehmen würden?

„Ich hol uns mal einen Tee, ich würde gern noch etwas mit dir besprechen“, sagte Anne und ging in die Küche. Kurz darauf war sie zurück, in jeder Hand einen Becher mit dampfendem Tee. „Ich habe überlegt, dass wir mit einem großen Knall gehen werden. Na ja, Knall ist übertrieben, aber ich möchte, dass es ein besonderer Monat wird, der letzte den wir hier sind. Advent mit Aktionen, mit … ach ich weiß nicht. Hilfst du mir dabei? Gemeinsam finden wir bestimmt etwas total Spannendes und Schönes. Dann haben die Kinder etwas, was sie als Erinnerung mitnehmen können.“ Anne sah ihre Tante erwartungsvoll an. Tante Sigrid lächelte nur und meinte: „Wir werden mal darüber schlafen, mal sehen was wir gemeinsam aushecken können. Jetzt lass uns aber langsam Schluss machen, du musst morgen wieder früh raus.“ Anne schüttelte den Kopf: „Ich muss noch ein paar Dinge am Computer erledigen, aber ich verspreche, es dauert nicht lange. Schlaf gut und danke.“ „Danke?“ Anne stand auf und umarmte ihre Tante. „Ja danke. Du bist da, wenn ich dich brauche. Du unterstützt mich, wann immer es nötig ist. Dafür Danke, du bist ein Schatz.“

Die beiden Frauen umarmten sich und dann ging Annes Tante in ihr Zimmer und Anne setzte sich an den PC. Sie war schneller fertig als gedacht und stöberte noch ein wenig durch ein paar Weihnachtsseiten. Eine fiel ihr sofort ins Auge. Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. Das war die Idee….
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BeitragVerfasst am: 04.12.2017, 00:17    Titel: 4, Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 3
01. Dezember

Sebastian traf sich mit Paul, seinem einzigen Freund. Sie hatten sich in der Schule kennengelernt und Kontakt gehalten. Während Paul ganz entspannt da saß und seinen Cappuccino trank, saß Sebastian wie auf einer Sprungfeder. Er konnte einfach nicht abschalten. „Was ist eigentlich los mit dir?“, fragte Paul. „Du bist total angespannt und ich habe den Eindruck, du würdest lieber an deinem Schreibtisch sitzen, statt mit mir hier zu sein.“ Sebastian sah ihn irritiert an. „Wieso sagst du das? Ich bin doch hier.“ Paul grinste: „Ja körperlich, aber in Gedanken schließt du schon dein nächstes Geschäft ab. Du bist ein Workoholic, wie er im Buch steht.“ Sebastian machte den Mund auf, um es abzustreiten, aber dann schloss er ihn wieder. Paul hatte recht. Es gab nur noch die Arbeit für ihn.

Nachdenklich sah er vor sich hin. Was konnte er dagegen tun? Wollte er überhaupt etwas dagegen tun? Pauls nächster Satz riss ihn aus seinen Gedanken: „Im April kommt unser erstes Kind zur Welt und Sarah und ich wollten dich bitten Pate zu sein.“
Panik stand in Sebastians Augen. Er sollte für ein Kind verantwortlich sein, falls es einen Notfall gab? Das hatten sich Sarah und Paul aber gar nicht gut überlegt. „Sebastian, nun guck nicht so. Es ist doch nur, falls Sarah und mir etwas geschieht. Und du bist mein bester Freund. Bitte sag nicht gleich Nein, überleg es dir in Ruhe.“

Sebastians Handy klingelte und Paul verdrehte die Augen: „Geh schon ran, sonst geht dir noch ein Geschäft durch die Lappen.“ Er sah zu, wie Sebastian den Anruf entgegen nahm und wunderte sich nicht, als dieser dann sagte: „Paul es tut mir leid, es gibt Probleme, ich muss ins Büro.“ „Ja schon gut“, sagte Paul. „aber ich soll dir von Sarah noch sagen, dass wir dich gern Heiligabend bei uns hätten. Du bist herzlich willkommen.“ Geistesabwesend murmelte Sebastian: „Ja ok, ich ruf dich an. Machs gut.“ Und weg war er. Paul blieb noch eine Weile sitzen und dachte über das Treffen nach. Er hatte Mitleid mit Sebastian, dessen ganzer Lebensinhalt aus seiner Firma zu bestehen schien.

Während Sebastian in sein Büro eilte, standen Tina, Chris, Sigrid und Anne in der Hotelhalle und bewunderten den Adventskalender, den Anne in einer Nacht- und Nebelaktion fabriziert hatte. Er bestand aus 24 beklebten Kartons, die alle zusammen ein Haus ergaben. Dekoriert war das Ganze mit ein paar kleinen Fichten, Sternen, Kugeln und allerlei anderen weihnachtlichen Dekomaterialien. Tina zappelte hin und her. „Wann dürfen wir denn das Türchen aufmachen? Bitte Mama, lass es uns jetzt aufmachen.“ Aber Anne sah sie nur liebevoll an und sagte: „Es dauert nur noch 10 Minuten, dann sollten alle Gäste in der Halle sein, die Lust haben mitzumachen. Also noch einen winzigen Moment Geduld.“ Anne war nervös. Würden die Gäste sie auslachen? Vielleicht fühlten sie sich ja auch belästigt oder bedrängt. Sie sah in das Gesicht ihrer Tante und wurde ruhiger. Ihre Tante lächelte sie an und nickte ihr ermutigend zu.

Dann war es soweit. Eine große Gästeschar hatte sich in der Halle eingefunden. Anne atmete noch einmal tief durch dann sagte sie: „Ich begrüße sie alle ganz herzlich und freue mich, dass sie gekommen sind. Sicher werden sie sich fragen, warum ich sie zu diesem Treffen gebeten habe…“ „Mama sag schon, dass wir das Türchen aufmachen und Spaß haben wollen, sonst platze ich noch.“ Tina war vor ihrer Mutter auf und ab gehüpft und hatte vor Aufregung ganz rote Wangen. Die Gäste lachten und Anne nahm Tina auf den Arm. „Wie meine Tochter gerade so treffend gesagt hat, ich möchte mit ihnen gemeinsam Advent feiern und wir haben deshalb einen besonderen Adventskalender aufgebaut. Natürlich muss niemand mitmachen, aber vielleicht hat ja der eine oder die andere ein wenig Freude daran, mitzumachen. Nun Tina, öffne bitte das erste Türchen.“ Das ließ Tina sich nicht zweimal sagen. Sie machte das Türchen auf und holte einen Brief heraus. Den gab sie Anne und die las vor: „Liebe Gäste und meine liebe Familie, bei dem vielen Schnee vor unserem Hotel, bietet es sich an, Schneemänner zu bauen. Wer den originellsten Schneemann baut, bekommt ein kleines Geschenk. Na, haben sie Lust? Dann würde ich sagen, wir treffen uns in 20 Minuten vor der Tür. Bis dahin habe ich Hüte, Schals, Nasen und alles besorgt, was so ein Schneemann vielleicht gebrauchen könnte.“ Bis auf ein älteres Ehepaar gingen alle in ihre Zimmer, um sich warm anzuziehen. Der ältere Herr sagte zu Anne; „Das ist eine schöne Idee. Meine Frau und ich werden von hier drinnen zuschauen. Leider machen unsere Gelenke nicht mehr so mit, wie wir es gern hätten.“ „Oh, da habe ich eine wunderbare Idee, dann sind sie die Jury und vergeben den Preis.“ Anne lächelte die beiden an und sprach weiter: „Ich bin schließlich nicht ganz neutral, weil meine Kinder mitmachen.“ Das Ehepaar strahlte und setzte sich ans Fenster um das Treiben vor dem Hotel beobachten zu können.

Knapp zwei Stunden später war der Vorplatz voller Schneemänner und Schneefrauen. Manche hatten Schürzen um oder Westen an, Sie hatten Arme, lange Nasen, Kochtöpfe auf dem Kopf, aber auch Hüte oder Tücher. Sie waren groß oder klein, dich oder schmal und die Jury hatte es wirklich schwer einen Sieger zu finden. Aber dann gewann die Schneefrau eines jungen Paares. So etwas hatte vorher noch niemand gesehen. Die Schneefrau hatte ein lustiges buntes Tuch um den Kopf, einen alten Rock an und Handschuh an den Armen. Aber das Besondere war, der winzige Schneemann, der in ihren Armen lag. Alle waren sich einig, die beiden hatten den Sieg verdient.

Zuerst verteilte Anne an alle Becher mit heißem Kakao und dazu Kekse. Dann ging sie zu dem jungen Pärchen und gab ihnen einen Umschlag. Die beiden öffneten ihn und strahlten, als sie lasen, was ihr Preis war: Ein 5-Gänge-Menü bei Kerzenschein und eine Nacht in der Hochzeitssuite auf Kosten des Hauses.


2. Dezember
An diesem Tag hatte Anne eine ganze Menge zu tun. Deshalb hatte sie Tante Sigrid gebeten, ihr Buch vorzulesen. Zuerst hatte Tante Sigrid sich geweigert. Sie mochte es nicht, im Mittelpunkt zu stehen. Es sollte auch niemand wissen, dass die Geschichte von ihr geschrieben wurde. Aber als Tante Sigrid sah, wie dringend Anne auf ihre Hilfe angewiesen war, stimmte sie zu.
Am Nachmittag versammelten sich alle vor dem Kamin im kleinen Saal und Tante Sigrid nahm das Buch zur Hand. „Ich lese ihnen jetzt ein Stück aus einem Buch vor. Der Titel lautet: Familie Kramer und die Adventszeit. Es geht in diesem Buch um eine Familie, die den Sinn der Adventszeit verloren hat. Sie haben drei Kinder und der Vater ist immer sehr beschäftigt.“

Tante Sigrid rückte sich ihre Brille zurecht, trank noch einen Schluck Tee und begann zu lesen. Als Anne nach einiger Zeit an der Tür zum kleinen Saal vorbeikam, war nur die Stimme ihrer Tante zu hören. Alle Gäste lauschten gespannt auf die Geschichte. Anne schmunzelte. Sie hatte schon immer gewusst, dass Tante Sigrid eine gute „Geschichtentante“ abgeben würde.

Bevor sie diesen Gedanken aber vertiefen konnte, kam Manuel auf sie zu und beschwerte sich. Eines der Zimmermädchen hatte eine Obstschale fallen lassen. Normalerweise kein Grund zur Chefin zu gehen, aber Manuel wusste nicht mehr weiter, die junge Frau schien zwei linke Hände zu haben. Immer ging etwas zu Bruch. Seufzend machte Anne sich auf den Weg ind Krisengebiet.
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BeitragVerfasst am: 04.12.2017, 23:44    Titel: 5. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 4
3. Dezember

Anne sah sich das Treiben in der Küche an und schmunzelte. Da stand Tina neben dem Geschäftsmann aus München und der älteren Dame aus Hamburg, auf einem Stuhl und alle drei beugten sich, mit Ausstechförmchen bewaffnet, über den Keksteig. Die Küche war rappelvoll und das Stimmengewirr unbeschreiblich. Es wurde gelacht, von früher erzählt und sogar gesungen.
„Da hast du dir aber etwas Feines ausgedacht, meine Liebe.“ Anne sah sich um und entdeckte ihre Tante, die fröhlich lächeln hinter ihr stand. Gerade wollte sie etwas erwidern, als sie von Herrn Hofstetter angesprochen wurde. „Wann geht es denn mit der Geschichte von gestern weiter? Es ist gar nicht nett von ihnen, ein Buch vorzulesen und an einer spannenden Stelle einfach abzubrechen.“ Plötzlich herrschte Ruhe und alle warteten gespannt auf eine Antwort von ihr. „Ich hatte eigentlich nicht geplant, das ganze Buch vorzulesen, aber vielleicht erklärt sich ja meine Tante bereit, nach dem Abendessen noch ein Kapitel zu lesen.“ Dabei zwinkerte sie ihrer Tante zu, deren Wangen sich prompt rot färbten. Gut, das keiner so genau hinsah.
Der Vorschlag wurde mit Freude angenommen und die Plätzchenbäcker machten sich wieder an die Arbeit.

Während es im Hotel lustig zuging, saß Sebastian vor seinem Terminplaner und runzelte die Stirn. Bis Weihnachten hatte er keinen Termin mehr frei. Nicht für das Fitnessstudio, nicht um mal ins Kino zu gehen. Kino war ein gutes Stichwort. Wann war er denn das letzte Mal im Kino gewesen? Er konnte sich nicht erinnern. Das Telefon klingelte, aber er nahm das Gespräch nicht an. Düster sah er vor sich hin. Dann fasste er einen Entschluss. Sebastian war nicht dafür bekannt, dass er etwas spontan machte und so war seine Sekretärin sehr erstaunt, als er plötzlich vor ihr stand und ihr einen Berg von Aufträgen gab. Sie sollte alle Termine verlegen oder absagen, ihm eine Zugverbindung heraussuchen und das Ticket bestellen. Er wollte noch heute verreisen und würde erst nach Neujahr wiederkommen. Dann verabschiedete er sich und war weg.
So etwas hatte es noch nie gegeben und er konnte sicher sein, dass er jetzt tagelang das Hauptgesprächsthema in seiner Firma war.

Sebastian fuhr nach Hause und begann zu packen. Er würde sich das Hotel in den Bergen ansehen. Dann konnte er gleich prüfen, was modernisiert oder umgebaut werden musste. So hatte sein Spontanurlaub doch wenigstens noch einen beruflichen Hintergrund. Das Telefon klingelte und seine Sekretärin informierte ihn über die Abfahrtszeit seines Zuges. Der Chauffeur würde das Ticket mitbringen, wenn er Sebastian abholen käme.

Eine Stunde später stand Sebastian auf dem Bahnsteig und bereute seinen spontanen Entschluss auch schon. Der Zug hatte Verspätung. Gut, dass er da noch nicht wusste, dass der Zug erst mit 120 Minuten Verspätung ankommen würde, sonst wäre er wieder nach Hause gefahren. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam der Zug dann doch noch und Sebastian fand schnell einen zweiten Grund, um sich zu ärgern. Es gab keinen vernünftigen Platz für seinen Koffer, nur am Ende der Waggons gab es eine Stelle, wo er ihn hinstellen konnte, zu vielen anderen Koffern. Und er konnte ihn nicht im Blick behalten. Ach, es war ja sowieso schon alles egal. Schlimmer konnte der Trip ja nicht mehr werden. Da aber sollte er sich irren.

Während Sebastian noch im Zug saß, versammelten sich die Hotelbesucher im kleinen Saal. Sigrid hatte sich einen gemütlichen Sessel in eine Ecke gestellt und wartete, bis der letzte Gast einen Platz gefunden hatte. Dann schlug sie das Buch auf und las:

„Du blöder Idiot, gib das sofort her.“ Tinas schrille Stimme riss Sofie aus dem Schlaf.
„Selber Idiot“, hörte sie Sven höhnisch antworten.
Sofie stöhnte, hatten sie das nicht schon mal. Müde schlüpfte sie aus dem Bett und ging in den Flur. „Was ist denn mit euch los.“ „Sven hat Ben die CD weggenommen, weil er das Schneemannlied so doof findet.“ Nun erst sah Sofie Ben in seiner Zimmertür stehen. „Ich wollte das Lied bis Montag doch ganz können“, schniefte er.
„Was ist hier denn los“, erklang Matthias Stimme hinter ihr. „Ich glaub das ist ein Zwergenaufstand wegen eines Schneemanns.“ Sofie musste lachen. „Ich hab eine Idee, ihr geht jetzt alle und macht euch fertig, während ich Frühstück mache. Dann zünden wir die erste Kerze am Adventskranz an und frühstücken…“

Anne stand an der Tür und beobachtete ihre Tante und die Gäste. Keiner ahnte, dass die Autorin der Geschichte ihre Tante war. Ihre Tante mochte nicht im Mittelpunkt stehen. Sie drehte sich um und machte sich wieder an die Arbeit. Der Adventskalender kam gut an, aber das war ja nicht alles. Sie musste nebenbei ja noch für ein paar Wochen das Hotel leiten. Sie hatte hervorragendes Personal und sie wünschte sich, der Käufer des Hotels würde alle behalten. Gerade als sie in die Halle kam, hörte sie die laute ungeduldige Stimme eines Mannes. Anne ging auf ihn zu und sprach ihn freundlich an. Der Mann drehte sich um und sah sie finster an. „Was mischen sie sich denn ein. Reicht nicht eine inkompetente Angestellte?“ Anne sah zu Silvie, die einen verzweifelten Eindruck machte, dann wandte sie sich dem Mann zu. Er könnte gut aussehen, wenn er nicht so finster gucken würde, ging es ihr durch den Kopf. Dann lächelte sie ihn freundlich an und stellte sich vor. „Was gibt es denn für ein Problem, bei dem wir ihnen behilflich sein sollen?“ fragte sie in honigsüßem Ton. Der Mann runzelte die Stirn, dann fuhr er sie an: „Ich habe keine Lust, das Dilemma noch einmal durchzukauen. Ich bin müde, durchgefroren und habe einen vertauschten Koffer. Einen Koffer mit Damenbekleidung. Das reicht ja wohl, um wütend zu werden.“

Anne lächelte weiter und sagte: „Wie wäre es, wenn sie in ihr Zimmer einchecken würden. Dann könnten sie ein heißes Bad oder eine heiße Dusche genießen. Es gibt einen flauschig warmen Bademantel im Zimmer und unser Service ist erstklassig. Wir bringen ihnen sogar das Abendessen aufs Zimmer. Und während sie sich entspannen, werde ich sehen, ob ich die Kofferfrage klären kann. Nun müssen sie mich aber entschuldigen, ich muss telefonieren.“ Mit diesen Worten ließ sie ihn stehen. Sebastian starrte ihr verdutzt hinterher.
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BeitragVerfasst am: 05.12.2017, 22:54    Titel: 6. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 5
4. Dezember

Was für eine sonderbare Frau, dachte Sebastian. Er hatte sich ein langes Bad und ein gutes Essen gegönnt. Danach hatte er etwas fern gesehen und sich gefragt, wie lange er wohl im Bademantel herumlaufen müsse. Mitten in diese Gedanken hinein hatte es geklopft. Und die Frau, an die er gerade gedacht hatte, stand vor der Tür. Wieder mit diesem freundlichen Lächeln. „Ihr Koffer“, sagte sie und deutete vor ihre Füße. „Ich hoffe, nun können sie ihren Urlaub hier genießen. Erholen sie sich gut.“ Mit diesen Worten drehte sie sich um und ließ ihn stehen. Er kam sich wie ein Trottel vor – wieder einmal.

Anne musste schmunzeln, wenn sie an den Mann dachte. Wie seltsam er sie angestarrt hatte. Und kein Wort war über seine Lippen gekommen. Warum er wohl gerade hierher gekommen war? Er sah gar nicht aus wie jemand, der in ein Familienhotel gehörte. Vielleicht würde es mit ihm auch noch Ärger geben, dachte sie. Und wünschte sich, sie würde sich einmal irren, in Bezug auf ihr Bauchgefühl. Wieder musste sie schmunzeln. Wie nannte Tante Sigrid es immer: „Hör auf deine innere Weisheit!“

Kaum war Anne unten in der Halle, als Chris auf sie zustürzte. „Mama, ich habe sich schon überall gesucht. Du sollst mal ganz schnell in die Küche kommen.“ Anne seufzte. Was gab es denn nun schon wieder für eine Katastrophe?



5. Dezember
Anne war früh aufgewacht und konnte es sich leisten noch ein wenig liegen zu bleiben. Das war gestern mal wieder ein Tag mit vielen Ecken und Kanten gewesen. Trotzdem waren am Abend alle Probleme gelöst und sie konnte sich beruhigt zurückziehen. Sie drehte sich auf die Seite und sah zum Fenster. Es war noch dunkel draußen. Und es fiel Schnee. Sie fragte sich, was die Gäste zu Türchen 5 und 6 sagen würden. Ob überhaupt jemand mitmachen würde? Ob vielleicht auch Herr Hausmachen Freude an den Aktionen hätte?

Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als Tina aufs Bett hüpfte. „Guten Morgen Mami. Wann machen wir das nächste Türchen auf.“ Anne lachte und nahm Tina in den Arm. „Guten Morgen, mein kleiner Wirbelwind. Wieso bist du schon wach?“ „Ich bin so neugierig Mami, deshalb konnte ich nicht mehr schlafen.“ „Nach dem Frühstück, wenn die Gäste wach sind, machen wir das Türchen auf. Also musst du dich noch etwas gedulden.“ Geduld und Tina, das passte nicht zusammen. Schmollend krabbelte sie aus dem Bett und marschierte zur Tür. „Ich geh lesen.“ Sagte sie würdevoll und Anne grinste. Mit ihren knapp 5 Jahren konnte Tina natürlich noch nicht lesen, aber das war egal. „Mach das Schätzchen“, sagte Anne und stand auch auf.

Nach dem Frühstück war die Halle wieder der Sammelpunkt für alle Gäste oder besser für fast alle. Das Türchen wurde wieder von Tina geöffnet. Chris war schon in der Schule und konnte nur am Wochenende am Kalender teilnehmen. Auch der neue Gast war nicht da und das junge Paar fehlte auch. Aber die Aktion war ja auch keine Pflicht.

Tina gab dem Zettel einer jungen Mutter und diese las ihn vor: „Gestern wurden in der Hotelküche wunderschöne Kekse gebacken. Heute wird Gelegenheit sein, kleine Lebkuchenhäuser zu basteln. Dazu treffen wir uns um 15 Uhr im kleinen Saal. Die Lebkuchenhäuser und Kekse werden für den Nikolaustag dringend benötigt. Also freuen wir uns auf rege Mithilfe.“

„Das klingt aber sehr geheimnisvoll“, sagte Herr Hofstetter und sah aus, wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum. „Ihre Idee mit dem Adventskalender ist einfach wunderbar. Das erinnert mich wieder daran, was in dieser Zeit eigentlich wichtig ist. Vielen Dank.“ Die anderen stimmten zu und Anne wurde ganz rot vor Freude. „Vielen Dank“, sagte sie freundlich und fügte hinzu: „dann bis später im kleinen Saal.“

Sebastian hatte lange geschlafen. Sein Handy war ausgeschaltet und er konnte es noch immer nicht fassen, dass er einfach so seiner Firma den Rücken gekehrt hatte. Was sollte er nun mit dem Tag anfangen? Draußen schneite es und er hatte keine Lust, sich seine teuren italienischen Schuhe zu ruinieren. Auch wollte er nicht mit so vielen Menschen im Speisesaal essen. Sein Entschluss stand schnell fest, er würde im Zimmer Mittag essen und später vielleicht das Hotel inspizieren.

Für Anne verging die Zeit viel zu schnell. Sie hatte im kleinen Saal alles vorbereitet. Auf mehrere Tische hatte sie die Zutaten verteilt und freute sich schon auf die Reaktionen der Gäste. Sie hatte Honigkuchen besorgt, der zu einem Häuschen geschnitten werden konnte. Dann musste es nur noch dekoriert und verziert werden und dazu brauchte man Zuckerguss, Gummibärchen, Streusel und vieles mehr. „Cool“, erklang hinter ihr eine Stimme. Sie drehte sich um und sah in strahlende Augen. „Na Chris, ein wenig spionieren?“ Aber sie war ihm nicht böse. Sie nahm ihn in die Arme und wuschelte durch seine lockigen Haare. „Magst du denn mitmachen?“ fragte sie schmunzelnd. „Na und ob“, kam die prompte Antwort. Chris liebte es, Lebkuchenhäuser zu dekorieren.

Punkt 15 Uhr füllte sich der Raum und schnell hatte jeder verstanden, was zu tun war. Es war ein fröhliches Treiben und Anne war dankbar für diese Gäste. Manche kamen jedes Jahr und sie würde sie vermissen. Sie würde das Hotel und das ganze Treiben vermissen. Traurigkeit stieg in ihr hoch. Das Hotel war immer im Familienbesitz gewesen und die Finanzen waren immer stabil. Aber dann hatte Anne geheiratet und damit den Untergang des Hotels besiegelt. Nur Tante Sigrid und sie wussten, wer Schuld an der finanziellen Situation war. Ihr Mann war es gewesen, der das Geld aus dem Hotel abgestaubt hatte. Er hatte es verspielt und vertrunken. Anne schüttelte sich innerlich. Nein, rief sie sich still zur Ordnung. Du hast die Sache abgegeben. Du hast ihm verziehen und du musst vergessen. Sie sah Tina, mit leuchtenden Augen einem fröhlichen Grinsen und zuckerverschmierten Händen aus der Tür sausen. Sie hatte ihre Kinder, das war all den Ärger wert.
Oh nein – Tina und zuckerverschmierte Hände auf dem Weg in die Halle. Das gibt eine Katastrophe. Aber bevor Anne noch reagieren konnte, war es schon zu spät. Ausgerechnet Herr Hausmann musste Tinas Weg kreuzen. Anne sah wie in Zeitlupe, wie der Zusammenprall zustande kam. „Patsch“ machte es und Tinas Finger klebten auf dem teuren Anzug von Herrn Hausmann. „Ups“ machte Tina. Und Anne wollte im Erdboden versinken. Sie sah, wie Herr Hausmann zornig auf Tina sah, und lief etwas schneller um Tina vor seinem Zorn zu schützen und sich zu entschuldigen. Aber dann blieb sie abrupt stehen und hörte wie Tina sagte: „Oh je, jetzt hab ich deinen Anzug verziert. Dabei hat Mami gesagt, der Zuckerguss gehört auf das Lebkuchenhaus. Warum kommst du denn jetzt erst? Wenn du pünktlich gewesen wärst, hätte ich jetzt nicht in dich hineinrennen können. Na ja, eigentlich wollte ich noch was holen, aber jetzt bringe ich dich lieber in den Saal. Du verpasst ja alles.“ Strahlend sah Tina Herrn Hausmann an und nahm seine Hand. Wie in Trance ging er mit. Tina hatte in scheinbar so zugetextet, dass er nicht reagieren konnte.

Sebastian konnte nicht fassen, was er da gerade tat. Er folgte diesem, dieser, ach im fehlten die Worte. Sie hatte ihn mit Zuckerguss beschmiert, nun klebte seine Hand in ihrer und er schaffte es nicht, sie auszuschimpfen. Eigentlich wollte er sie anschreien, aber sein Mund war so trocken, dass er kein Wort herausbekam. Tina führte ich zu einem Tisch, an dem es noch mehr Klebkram gab. Sie gab ihm eine Schürze und sagte: „Besser du ziehst die Jacke aus, sonst wird die auch noch voll Zucker.“ Automatisch gehorchte er, aber die Schürze wollte er nicht. Tina erklärte ihm, was er tun sollte und er tat es einfach. Mit fröhlich blitzenden Augen sah sie ihn an. „Ich heiße Tina und wie heißt du?“ „Sebastian“, sagte er knapp. „Das ist mir zu lang. Ich sag Bastian, ok?“ Bastian, wie lange hatte er das nicht mehr gehört. Alles in ihm zog sich zusammen und er wollte nur noch weg.

Er ließ Tina einfach stehen und verschwand. Tinas Augen füllten sich mit Tränen und Anne fragte sie, was denn los sei. Sie hatte ja alles beobachtet und konnte sich die Reaktion nicht erklären. In der Halle hätte sie verstanden, wenn Herr Hausmann wütend gegangen wäre. Aber er sah nicht wütend aus, sondern verletzt. Tina erzählte ihr, was sie zu ihm gesagt hatte.
„Vielleicht mag er nicht Bastian genannt werden, Tina. Manchmal gibt es Erinnerungen, die nicht schön sind und an die man sich dann erinnert. Ich rede nachher mit Herrn Hausmann. Ich muss ja auch klären, wie wir das mit seinem Anzug machen.“ Tina wurde rot. „Tut mir leid Mami.“ Anne strich ihr zärtlich über die Wange. Bevor sie sich aber auf die Suche nach Herrn Hausmann machen konnte, wurde sie vom Portier gebraucht.

Sebastian hatte sich umgezogen und Anzug gegen Jeans und Pullover getauscht. Er war durcheinander. Warum war er mit dem Kind mitgegangen? Warum hatte ihn die Anrede so durcheinandergebracht? Es klopfte. Sicher die Mutter der Kleinen, dachte er. Als er die Tür öffnete, stand das kleine Mädchen davor. Sie war ganz aufgeregt und streckte ihm eine Schokolade entgegen. „Warum gibst du mir die?“ fragte er. „Ich wollte dich nicht traurig machen. Und ich wollte deine Sachen nicht verkleben. Die Schokolade ist, damit du dich freuen kannst. Sei bitte nicht böse mit mir. Ich sag ab jetzt auch Sebastian, ok?“
Sebastian ging in die Hocke und sah ihr in die Augen. „Als du mich Bastian genannt hast, musste ich daran denken, dass ich nur ganz selten so genannt wurde. Und die Person, die mich so genannt hat, war immer sehr freundlich zu mir. Wenn du magst, darfst du weiter Bastian sagen und ich lauf dann nicht wieder weg.“ Tina strahlte und drückte ihm ein Küsschen auf die Wange. Dann drehte sie sich um und rannte davon.
Sebastian war wie erstarrt. Damit hatte er nicht gerechnet. Er meinte ein leises Pling zu hören. Konnte sich aber nicht erklären, woher es kam.
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BeitragVerfasst am: 06.12.2017, 23:19    Titel: 7. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 6
5. Dezember

Es herrschte schon am Morgen ein fröhliches Treiben im Hotel. Die Stimmung war gut und Anne war glücklich. Ihr gefiel es, wenn die Gäste zufrieden und guter Stimmung waren. Heute sollte das Türchen vom Kalender erst nach dem Mittagessen geöffnet werden. Dann konnte auch Chris dabei sein. Das war eine Idee von Frau Simon gewesen. Die alte Dame hatte gemeint, dass es nett wäre, wenn man Chris miteinbeziehen könnte. Er konnte ja nichts dafür, dass er zur Schule musste. Die anderen Gäste hatten zugestimmt.

Tina war darüber gar nicht fröhlich. Sie stapfte durchs Hotel und ließ sich weder von Anne noch von Tante Sigrid ablenken. Was wohl heute im Kalender versteckt war? Vielleicht etwas ganz Spannendes oder ein Abenteuer. Sie lief gerade den Korridor im 1. Stock entlang, als Sebastian aus seinem Zimmer kam. „Hallo Bastian“, rief sie, „wo gehst du hin? Kann ich mitkommen? Mir ist so langweilig.“ Sebastian hatte eigentlich vorgehabt, allein einen Spaziergang zu machen. Aber als Tina ihn so ansah, überlegte er es sich anders. „Ich wollte mir nur ein wenig die Gegend um das Hotel ansehen. Wenn deine Mutter es erlaubt, kannst du mir ja alles zeigen.“ Tina schnappte begeistert nach seiner Hand und rannte fast zum Büro ihrer Mutter. Ohne anzuklopfen, stürmte sie hinein. Anne sah auf und schaute verwundert auf das Paar, das da hereingeplatzt war. „Guten Morgen, entschuldigen sie die Störung“, setzte Sebastian an. Wurde aber von Tina unterbrochen. „Mami, ich zeige Bastian die Umgebung, aber ich darf erst mit, wenn du ja sagst. Bitte sag ja. Bitte Mami.“ Anne sah fragend zu Sebastian. „Von mir aus ist das kein Problem.“ Sagte er ernst. „Wenn Tina sie wirklich nicht stört, kann sie gern mitgehen. Tina, du benimmst dich, hast du gehört.“ Tina verzog das Gesicht, nickte aber. Dann sah sie zu Bastian hoch und grinste ihn an. „Ich geh mich schnell anziehen und warte dann an der Eingangstür.“ Sprachs und rannte davon. Anne lächelte, als sie Tina hinterher sah. Sebastian musste schlucken. So viel Liebe lag in diesem Lächeln. „Dann wünsche ich ihnen einen schönen Spaziergang mit Tina. Und falls sie zu anstrengend wird, dann bringen sie die kleine Range einfach zurück, Herr Hausmann.“ „Sagen sie doch bitte Sebastian.“ Oh, das hatte er gar nicht sagen wollen. Er wollte Distanz, aber nun war es zu spät. Anne nickte lächelnd. „Dann sagen sie bitte Anne zu mir.“
Sebastian war froh, als ein kleiner roter Blitz in sein Blickfeld schoss. „Ich bin schon fertig und warte, wo bleibst du denn.“ Tina stand in einem roten Schneeanzug vor ihm. Sie schnappte wieder nach seiner Hand und zog ihn mit sich. „Bis nachher Mami.“ „Bis später – ähm Anne.“ Sebastian fühlte sich hilflos und irgendwie, wie ein dummer Junge. Aber Anne schien es nicht zu bemerken. „Viel Spaß ihr beiden“, sagte sie, bevor sie sich wieder ihren Rechnungen zuwandte.

Tina schleppte Sebastian zu allen möglichen und unmöglichen Plätzen. Und überall hatte sie etwas zu berichten. Ihr kleiner Mund stand nie still. Zum Beispiel erzählte sie: „Hier sitze ich ganz oft und futtere mein Erdnussbuttersandwich. Mami packt mir manchmal eins in meine Tasche und was zu trinken, wenn ich wandern gehe.“ Sebastian schmunzelte. Sie war einfach niedlich in ihrer Art. „Dann sitze ich hier, und wenn ich ganz still bin, kann ich die Eichhörnchen beobachten. Jetzt natürlich nicht, sie schlafen jetzt.“ Tina zog zwei eingewickelte Plätzchen aus der Tasche. Die habe ich in der Küche stibitzt und in eine Serviette gewickelt. Einen für dich und einen für mich.“ Einträchtig aßen sie ihr Plätzchen, dann gingen sie weiter. Tina sah Sebastian an und meinte: „Bück dich mal.“ Verwundert beugte er sich zu der Kleinen. Sie zog ihren Handschuh aus und fuhr vorsichtig über seinen Mundwinkel und die Wange. Sebastian musste schlucken und seine Stimme klang etwas rau, als er sagte: „Was machst du?“ Sie kicherte. „Du hattest Krümel am Mund und wenn Mani das sieht, weiß sie, dass ich Plätzchen gemopst habe.“
Kurz vor dem Mittag waren sie zurück und Sebastian ging nachdenklich in sein Zimmer. Dieses Hotel machte etwas mit ihm, was er weder verstand, noch wollte.

Tina und Chris waren die Ersten am Kalender. Was würde sich hinter der Tür verstecken? „Heute ist Topflappen häkeln angesagt.“ Flüsterte eine Stimme hinter ihnen. Erschrocken drehten sie sich um und sahen ihre Mama dort stehen. Anne lachte. „Nein, keine Angst, das war nur Spaß.“ Nach und nach kamen die Gäste und sogar Sebastian hatte sich eingefunden.
Chris öffnete das Türchen und las vor: „Liebe Gäste, liebe Familie, heute Abend wollen wir gemeinsam ein Lagerfeuer machen. Es wird auch etwas zu essen und zu trinken geben. Damit das Lagerfeuer aber schön brennen kann, suchen wir noch zwei Freiwillige, die mit einer Spaltaxt umgehen können. Holz hacken ist ja keine geläufige Arbeit mehr, aber ich hoffe sehr, dass sich die Freiwilligen finden lassen.“

Chris gab seiner Mutter den Zettel, dann sagte er: „Ich kann das machen.“ „Ich kann auch mit einer Spaltaxt umgehen und würde helfen.“ Anne sah von Chris zu Sebastian, und da sich niemand anders meldete, nickte sie und sagte. „Dann treffen wir uns in einer Stunde am Holzschuppen.“ Im Stillen fragte sie sich, wo ein Mann, wie Sebastian, gelernt hatte, mit einer Axt umzugehen.

Später stand sie warm eingemummelt am Holzschuppen und sah ihrem Sohn und Sebastian zu. „Das kannst du aber toll“, hörte sie Chris sagen. Wo hast du das gelernt? Warst du bei den Pfadfindern oder so?“ „Oder so“, murmelte Sebastian. Aber Chris ließ nicht locker. „Sag doch mal, hat dir das dein Papi beigebracht. Meiner wollte es mir auch beibringen, wenn ich größer bin und dann ist er einfach abgehauen.“ Entsetzt riss Anne die Augen auf. Das war so aber nicht geplant. Was würde Sebastian nun denken? Sie hörte wie Sebastian antwortete: „Mein Vater hat es mir gezeigt, als ich fünf Jahre alt war. Wir hatten einen Bauernhof und ich musste schon früh mithelfen.“ Etwas in seiner Stimme musste Chris aufgefallen sein, denn er fragte nicht weiter. Anne ging zu ihnen und begutachtete den Berg Holz. „Das dürfte genügen. Nun habt ihr zwei euch aber einen Kakao und Kekse verdient.“ Das nahmen beide gern an und einträchtig gingen sie zurück zum Hotel.

Der Abend kam. Die Gäste warteten dick angezogen vor dem Hotel. Lächelt führte Anne sie zum Grollplatz. Dort war Stroh ausgestreut worden und zahlreiche Strohballen lagen um das Feuer verteilt am Boden. In einem großen Kessel brodelte etwas, das sehr verführerisch roch.
Sebastian schnupperte. Es roch nach Chili. Zu dem Chili gab es frisch gebackenes Brot. Anne trat in die Runde. „Herzlich willkommen bei unserem kleinen Treffen am Lagerfeuer. Es gibt Chili und Brot und später Glühwein und Kakao. Wer zum Essen etwas trinken möchte, dort drüben steht ein Korb mit allerlei Getränken, die besser zu Chili passen, als Kakao. Wer mag, kann nach dem Essen auch eine Geschichte zum Besten geben. Ich dachte da an Erinnerungen an frühere Weihnachten.“ Begeistertes Gemurmel antwortete ihr. Bis auf Sebastian, der ein Gesicht machte, als wäre ihm schlecht.
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BeitragVerfasst am: 07.12.2017, 23:04    Titel: 8. Dezember Antworten mit Zitat

Nachdem sich alle gestärkt hatten, sagte Frau Simon: „Ich erinnere mich an ein Weihnachten, mit Sommerromantik und Sonnenbrand. Ich noch eine ganz junge Frau war.“ „Oh ja“, seufzte Herr Simon. „Sie war gerade 19 Jahre alt und arbeitete in einem Hotel als Aushilfe.“ „Ja in St John’ auf Antigua. Und er besuchte einen früheren Studienkollegen, dessen Vater das Hotel gehörte. Ich erinner mich noch genau an den Tag, an dem ich ihn zum ersten Mal sah. Er war auf der Liege am Strand eingeschlafen und hatte einen bösen Sonnenbrand. Aber ich sah zuerst seine Augen und es war passiert.“ Sie schwieg einen Moment und Tina fragte: „Was war passiert?“ Herr Simon schmunzelte, als er sagte: „Sie hatte sich unsterblich in mich verliebt und ich mich in sie. Mein Sonnenbrand war vergessen, als ich sie sah und ich konnte nur noch daran denken, wie ich sie dazu bekommen könnte, mit mir auszugehen.“ Alle lachten. „Ja und er war sehr erfindungsreich. Er lud mich zu einem Weihnachtspicknick unter Sternen ein. Wir saßen auf einer Decke am Strand, es gab Kerzenlicht und ein Picknick mit allem drum herum. Wir trafen uns jeden Tag, und als er zurückfliegen musste, versprachen wir uns, dass wir uns wiedersehen würden. Ich musste noch drei Monate dort Arbeiten und ich weinte, als er abflog.“ „Geweint nennst du das? Das waren wahre Niagarafälle, die aus ihren Augen schossen. Und ich wollte doch stark sein und nicht weinen. Das hat sie fast zunichte gemacht.“ Liebevoll sah er seine Frau an. Sie sprach weiter: „Als ich in mein Zimmer ging, fast blind vor Tränen, lag auf dem Bett ein Geschenk. Ich war ganz überrascht, weil ich nicht wusste, wie es dort hingekommen war. Ich wickelte es aus und es enthielt ein Medaillon mit einem Bild von uns beiden. Und da musste ich lachen. Oh, wie nah wir uns waren und wie ähnlich.“ Chris verstand das nicht, was meinte sie damit? Aber gerade als er fragen wollte sagte Herr Simon lachend: „Als ich meinen Koffer auspackte, fand ich auch ein Überraschungsgeschenk. Es war auch ein Medaillon, mit genau dem gleichen Foto. Das war mein schönstes Weihnachten.“ „Wie lange ist das her?“ Die Frage kam von Sebastian. „Das sind jetzt genau 63 Jahre, seid damals. Und vor 62 Jahren haben wir geheiratet.“ Herr Simon griff nach der Hand seiner Frau und fuhr fort: „Und ich habe nicht einen Tag davon bereut.“

Es war ganz still geworden. Alle sahen das Paar an und jeder machte sich seine eigenen Gedanken. Einer der Gäste stimmte dann ein Lied an. Er hatte eine wunderbar kräftige Stimme und bald klang das Lied „Fröhliche Weihnacht“ durch die klare kalte Luft. Anne lächelte, als sie in die Runde schaute. Der Abend war gelungen.

Es wurde sehr spät, bis alle wieder im Hotel waren und alles aufgeräumt war. Aber Anne war zufrieden. Diese Adventszeit würde sie garantiert nicht vergessen.


Kapitel 7
6. Dezember

An diesem Morgen fand jeder Gast einen gefüllten Strumpf an der Tür. Mit fröhlichem Lachen trafen die ersten Gäste im Frühstücksraum ein und alle waren gespannt, was wohl im Adventskalender sein würde.

Da es Samstag war, wurde der Kalender nach dem Frühstück geöffnet. Die kleine Violett durfte das Türchen aufmachen. Sie gab den Zettel ihrer Mama und die las vor: „Plätzchen und Knusperhäuser stehen hübsch verpackt bereit, um verteilt zu werden. Wir alle hatten viel Freude, als wir sie gebacken, verziert und dekoriert haben. Nun wollen wir Freude bereiten. Mit den gefüllten Tüten und kannenweise heißem Kakao werden wir am Nachmittag ins Kinderheim unten im Ort gehen. Wer nicht so weit laufen kann, wird gemeinsam mit dem Kakao und den Tüten nach unten gefahren. Die anderen laufen gemeinsam hinunter.“

Schweigen folgte auf diese Nachricht und Anne hielt erschrocken die Luft an. Das war wohl keine so gute Idee gewesen. „Das ist wundervoll. Einfach großartig. Die Kinder werden sich sicher freuen.“ Das sagte die Mutter von Violett und strahlte dabei alle an. Zustimmung kam nun von allen Seiten und Anne atmete erleichtert aus.

Um 15 Uhr machte sie sich mit dem Großteil der Gäste auf den Weg. Munteres Geplauder begleitete sie bis hinunter zum Kinderheim. Sie hatte natürlich vorher mit der Heimleiterin gesprochen und die war begeistert gewesen.
Im Kinderheim wurden sie von der Heimleiterin begrüßt und von den Kindern mit großem Geschrei empfangen. Schnell waren die Tüten verteilt. Es gab heißen Kakao und danach ein Weihnachtsliedersingen. Ein kleines Mädchen zupfte Anne am Rock und hob ihre Ärmchen. Lächelnd nahm Anne sie auf den Schoß und die Kleine kuschelte sich in ihre Arme. Anne sah hoch und genau in Sebastians Augen. Trauer und Unverständnis sah sie und wenn sie sich nicht ganz irrte, auch Angst. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen.
Gerade als Sebastian sich heimlich nach draußen schleichen wollte, fasste eine Hand nach seiner. Tina, wer sonst, hatte ihn wieder einmal fest im Griff. Sie lächelte ihn an und es war das Lächeln ihrer Mutter, dass er sah. Offen, ehrlich und warm, war es. Tina zog ihn ein Stück weg, von den anderen. Dann flüsterte sie: „Du bist traurig, warum?“ Gerade wollte er es abstreiten, aber das konnte er nicht. Er wollte seine Maske aufsetzten, ganz cooler Geschäftsmann – aber es ging nicht. Sebastian ließ sich auf einen Stuhl sinken und Tina lehnte sich an ihn. „Alle freuen sich, aber du nicht. Magst du keine Kinder und kein Weihnachten?“ Sebastian schluckte, was konnte er diesem Kind denn sagen. Plötzlich stand Anne neben ihnen. Sie nahm Tina an die Hand und sagte freundlich: „Tina, du kannst andere Menschen nicht einfach so ausfragen. Manche Dinge mag man nicht erzählen.“ „Aber Bastian sieht so traurig aus und ich möchte einfach, dass er sich freut.“ Sebastian schluckte, dann sagte er so leise, dass die beiden ihn kaum verstanden: Ich habe keine guten Erinnerungen an Weihnachten und auch nicht an Kinderheime.“ Dann stand er auf und wandte sich zur Tür. „Ich gehe zum Hotel zurück.“

Anne und Tina sahen ihm nach, er blieb einige Schritte von ihnen entfernt noch einmal stehen, um mit der Heimleiterin zu sprechen. „Mami, ich will nicht, dass er so traurig ist. Ich mag ihn und will, dass er mein Freund ist. Und ich will, dass er lacht.“ „Ich mag ihn auch, Tina. Aber wir können nur da sein und nett zu ihm sein. Alles andere können wir nicht beeinflussen.“ „Aber ich darf beten, dass er mich auch mag und fröhlich wird, ja Mami?“ Anne lächelte und nickte. Dann sah sie, wie Sebastian sich umdrehte, sie sonderbar ansah und dann gemeinsam mit der Heimleiterin den Raum verließ.
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BeitragVerfasst am: 08.12.2017, 22:55    Titel: 9. Dezember Antworten mit Zitat

Sebastian stapfte durch den Schnee zurück zum Hotel. All die strahlenden Kindergesichter, als sie die Kekse verteilt hatten, waren zu viel für ihn. Nicht dass er den Kindern die Freude nicht gönnen würde, aber er konnte sie nicht an sich heranlassen. Es tat einfach weh.
Er hatte auch gehört, was Anne und Tina gesagt hatte. Als er dann mit der Heimleiterin in ihr Büro gegangen war, tat sein Herz weh. Und wieder hatte er den Eindruck, es hätte irgendwo „pling“ gemacht. Wurde er langsam verrückt? Gar keine schlechte Frage. Ja, er wurde verrückt. Hatte er doch gerade einen Scheck mit einer Zahl und fünf Nullen ausgestellt. Die Heimleiterin war so begeistert, dass er fürchten musste, gleich von ihr geküsst zu werden.

Anne dachte viel an Sebastian und sie fragte sich, wie sie ihm wohl helfen könnte. Aber noch hatte sie keine Idee. Im Hotel gab es auch genug Arbeit und so musste sie sich auch bald auf andere Dinge konzentrieren. Für das nächste Adventskalendertürchen musste sie nichts weiter vorbereiten, das war schon eine Erleichterung. Die Gäste freuten sich über die Aktionen, aber es machte für sie auch eine Menge Zusatzarbeit.

Gegen 23 Uhr konnte Anne endlich ins Bett gehen. Sie war so müde und erledigt, aber schlafen konnte sie nicht. Was hatte Tina im Kinderheim gesagt? „Aber ich darf beten, dass er mich auch mag und fröhlich wird, ja Mami?“ Das war ein guter Gedanken. Auch sie würde beten, dass er fröhlicher wurde. Sie mochte ihn und … Weiter gingen ihre Gedanken nicht, denn sie war eingeschlafen.



Kapitel 8
7. Dezember

Es war Sonntag und Anne wollte eine halbe Stunde länger liegen bleiben. Sie hatte gutes Personal, auf das sie sich verlassen konnte. Es klopfte leise an ihrer Schlafzimmertür. „Bist du wach Mama?“ hörte sie die flüsternde Stimme von Chris. „Komm rein“, antwortete sie.
Chris setzte sich an die Bettkante. Er sah bedrückt aus. Anne wusste aus Erfahrung, dass sie jetzt nichts sagen durfte. Chris brauchte etwas Zeit um sich zu sammeln, um dann mit dem herauszurücken, was ihn beschäftigte.

Liebevoll strich sie ihm eine Locke aus der Stirn. Chris sah sie an, schluckte und sagte: „Mami, warum ist es auf der Welt so ungerecht? Da sind Erwachsene, die als Kinder schlecht behandelt wurden und jetzt hart und abweisend sind. Es gibt liebevolle Menschen, die allen gern helfen wollen und sie werden ausgenutzt. Kinder schlagen andere Kinder, weil sie von zu Hause nichts anderes kennen. Menschen tun anderen absichtlich weh, weil es ihnen Spaß macht.“ Er schluckte und in seinen Augen standen Tränen. Schniefend fuhr er fort: „Bin ich ein schlechtes Kind, weil mein Vater schlechte Sachen gemacht hat?“ Erschrocken zog Anne ihn an sich. „Wie kommst du darauf, dass du schlecht bist? Du bist der beste Sohn, den eine Mutter sich nur wünschen kann.“

Weinend holte Chris einen Brief hinter seinem Rücken hervor und gab ihn ihr. Stirnrunzelnd las Anne, was der Rektor der Schule geschrieben hatte.
Chris hatte einen Jungen verprügelt. Der Junge hatte ein blaues Auge und Prellungen abbekommen und die Eltern hatten sich über Chris beschwert. Anne sollte am Montagmorgen in die Schule kommen.

Anne sah Chris an: „Wie lange hast du den Brief schon in der Tasche?“ „Seid Freitag, ich wollte dir die Stimmung nicht verderben.“ „Chris, du konntest die letzten beiden Tage doch gar nicht richtig genießen, weil der Brief dir ein Loch in die Tasche gebrannt hat oder? Eins will ich dir sagen und das gilt für alle Dinge. Wenn du etwas angestellt hast, dann komm bitte gleich und wir klären es. Nie sollst du mit so einer Schuld oder so einem Kummer schlafen gehen.“ Sie lächelte ihn an und fuhr fort: „Nun sag mir, was passiert ist. Denn du bist kein Schläger, es steckt mehr dahinter.“

„Der Junge heißt Anton und ist der Sohn vom Bürgermeister. Er stichelt schon seid Monaten, weil unser Vater nicht mehr da ist. Und er hat den anderen Kindern erzählt, wie er gestorben ist.“ Anne holte tief Atem. Auch sie hatte den Kindern erzählt, wie ihr Vater gestorben war. Er war betrunken Auto gefahren und hatte die Gewalt über das Auto verloren. Und sie hatte den Kindern immer wieder gesagt, dass ihr Vater sie geliebt hatte und dass er krank gewesen war. Er war alkohol- und spielsüchtig gewesen. Anne war froh, es den Kindern erzählt zu haben, denn sie wollte nicht, dass Fremde es ihnen irgendwann steckten. So wie es jetzt geschehen war. Die Kinder sprachen darüber. „Was hat Anton denn noch gesagt?“
Chris schniefte: „Er sagt, dass ich so werde wie mein Vater, dass es genetisch ist und ich nichts dagegen tun kann. Und dann haben er und seine Freunde mich zwischen sich hin und her geschubst. Aber ich habe mich nicht gewehrt, ich dachte, der Aufsichtslehrer würde mir helfen. Der hat sich aber umgedreht und ist weggegangen. Dann kam Maggie vorbei und hat gesagt, dass die Jungs mich loslassen sollen. Anton hat sie ausgelacht und gefragt, ob sie in mich verliebt sei, weil sie mir helfen wolle. Maggie hat gesagt, dass sie helfen wollte, weil sechs gegen einen feige wäre. Und da hat Anton ihr eine geknallt und Maggie ist hingefallen. Er hat sie ausgelacht und die Hand noch mal erhoben.. Mama und dann konnte ich nicht mehr stillhalten. Ich hab ihn geschlagen und ich wollte, dass es ihm weh tat.“ Nun schluchzte Chris verzweifelt auf. „Ich bin wie mein Vater und ich werde auch mal ein Trinker und ich bin ein gemeiner Schläger.“

Anne atmete tief durch und bat Gott im Stillen um die richtigen Worte. „Chris, du bist ein Junge, den ich persönlich überaus liebenswert finde. Du bist freundlich, höflich, hilfsbereit. Du liebst deine kleine Schwester, und auch wenn sie dich manchmal ärgert, hast du sie noch nie geschlagen oder? Du bist du. Nicht wie dein Vater und du bist auch nicht wie ich. Du hast natürlich Gene von uns vererbt bekommen. Aber nicht nur die Gene bestimmen, wer wir sind. Dein Herz und dein Verstand spielen da auch eine große Rolle. Lass dich nicht von Anton verrückt machen. Ich glaube, er selber ist auch nicht glücklich und deshalb muss er andere ärgern. Dann fühlt er sich stark.“ Chris kuschelte sich an sie und flüstert: „Mami, ich hab dich lieb.“ „Ich hab dich auch lieb. Und mach dir keine Sorgen, ich kläre dass mit deinem Rektor. Was Anton und seine Freunde angetan, habe ich so einen Gedanken. Bete für sie.“ „Ich soll für sie beten? Aber wieso?“ „Weil es besser ist, für jemanden zu beten, als sauer zu sein. Gott hat alle seine Kinder lieb, also auch Anton. Versuch es einfach mal.“

Liebevoll zerstruwelte sie sein Haar. „Nun lass uns aufstehen und frühstücken. Danach ist das nächste Türchen dran.“ Nachdenklich sah sie ihrem Sohn hinterher. Sie kannte Anton und auch seinen Vater. Das würde nicht gerade leicht werden, was sie da am Montag klären musste. Aber sie würde sich für ihren Sohn nicht nur gegen den Bürgermeister stellen. Sie würde sie gegen jeden verteidigen.

Zwei Stunden später saßen die Gäste im kleinen Saal und lauschten Tante Sigrid, die ein weiteres Kapitel aus dem Adventsbuch vorlas, die Adventskalenderaktion für diesen Tag. Sebastian saß ganz hinten und Tina hatte sich neben ihn gesetzt. Als die Geschichte zu Ende war und die Menge sich langsam zerstreute, sagte Sebastian. „Das Mädchen in der Geschichte heißt genau wie du.“ Tina kicherte: „Stimmt, aber ich bin nicht zickig.“ Sebastian lächelte sie an. Es war ein echtes Lächeln, das bis in seine Augen reichte. Deshalb traute sich Tina auch, ihre Frage zu stellen, die sie schon seid dem Frühstück stellen wollte. „Hast du Lust, mit Chris und mir zum Rodeln zu gehen? Mami hat keine Zeit und allein darf ich nicht. Bitte komm mit.“ Sebastian versank fast in diesen großen blauen Augen. Er konnte nicht Nein sagen, aber er wollte eigentlich auch nicht ja sagen. Da kam Chris angerannt. „Hast du gefragt, Tina?“ Sie nickte. „Oh prima, dann können wir gleich los? Soll ich Mami fragen ob sie uns Brote und Kakao mitgibt? Dann müssen wir nicht zum Mittag zurück sein.“ Die Kinder sahen Sebastian erwartungsvoll an. Also nickte er ergeben, er hatte ja gar keine andere Wahl.

Fünfzehn Minuten später machten die Drei sich mit zwei Schlitten und einem gut gefüllten Rucksack auf den Weg. Tina sang aus vollem Hals Weihnachtslieder und Sebastian bewunderte Chris, der den schiefen Gesang seiner Schwester klaglos ertrug. Es waren zwei liebenswerte Kinder.
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BeitragVerfasst am: 11.12.2017, 07:53    Titel: 10. Dezember Antworten mit Zitat

Später saßen sie einträchtig auf den Schlitten und verspeisten die mitgebrachten Brote. Der heiße Kakao aus der Thermokanne wärmte sie von innen auf und ein paar Kekse rundeten die Mahlzeit ab. Tina knabberte gerade am letzten Keks, als sie ihn fragend ansah: „Glaubst du, der Weihnachtsmann kommt überall mit einem Esel?“ Verwirrt starrte Sebastian sie an. „Was meinst du?“ „Na ja“, Tina schluckte den Rest Keks herunter. „Wenn er zu den Kindern in Afrika, oder am Nordpol kommt, hat er dann auch einen Esel?“ Bevor er antworten konnte, mischte sich Chris ein. „Tina, du bringst da gerade etwas durcheinander. Der Weihnachtsmann kommt doch mit den Rentieren und einem großen Schlitten. Du meinst den Nikolaus. Und ich könnte mir vorstellen, dass er manchmal ein Pferd dabei hat oder vielleicht auch ein Kamel.“ Sebastian sah die Kinder an und fühlte sich auf einmal unwohl. Noch nicht einmal so einfache Fragen konnte er beantworten. Er sollte jetzt zum Aufbruch drängen und sehen, dass er sich in sein Zimmer verkriechen konnte. Aber da war es auch schon zu spät. Tina hatte sich an ihn gelehnt und fragte: „Wie war das, als du klein warst, kam da auch der Nikolaus mit einem Esel? Und hat der Weihnachtsmann auch die Kekse gegessen und die Milch getrunken? Und hast du Dinge bekommen, die du dir gewünscht hast? Wo hast du gelebt, als du klein warst?“ „Stop Tina, du lässt ihm ja gar keine Zeit zu antworten.“ Chris versuchte seine kleine Schwester zu bremsen. Entschuldigend sah er Sebastian an und erschrak. Sebastian war ganz blass geworden und seine Kiefermuskeln waren ganz angespannt. Schnell schob Chris nach: „Außerdem muss er deine Fragen nicht beantworten, wenn er nicht will.“ Das konnte Tina nun gar nicht verstehen. Weihnachten war doch toll und da gab es immer etwas Schönes zu berichten. Warum sollte sie nicht fragen. Sie sah zu Sebastian hoch und konnte nicht verstehen, warum er so traurig aussah. „Lasst uns zurückgehen, mir ist kalt. Ihr könnt mich ja für eine Frostbeule halten, aber ich bin es eben nicht gewohnt, so lange draußen zu sein.“ Mit diesen Worten stand Sebastian auf und packte den Rucksack wieder voll. Tina sah Hilfe suchend zu Chris, der den Finger auf den Mund legte auch aufstand.

Viel zu schnell waren sie am Hotel. Sebastian hatte kein Wort mehr gesagt und verschwand auch sofort. Chris und Tina räumten die Schlitten weg und zogen sich um. Danach gingen sie zu ihrer Mutter. Anne war gerade im großen Saal, wo immer die Konferenzen, aber auch die Weihnachtsfeiern stattfanden. „Hallo ihr zwei, da seid ihr ja wieder. War es schön?“ Chris und Tina berichteten von ihrem Ausflug, wie schön es gewesen war, bis Tina Fragen gestellt hatte. Nachdenklich sah Anne ihre Kinder an. Dann setzte sie sich im Schneidersitz auf den Boden und bedeutete den Kindern, sich auch hinzusetzen. „Was mit Herrn Hausmann los ist, weiß ich auch nicht. Aber eines weiß ich, nicht alle Kinder können Weihnachten feiern. Und nicht alle Kinder haben eine schöne Kindheit. Tina erinnerst du dich nicht mehr, was er uns im Kinderheim erzählt hat?“ Tina klatschte sich die Hand vor die Stirn. „Mami, das habe ich total vergessen. Er hat gesagt, dass er keine guten Erinnerungen an Weihnachten und Heime hat. Da war ich wie das Tier im Geschirrladen.“ Chris musste kichern. „Du meinst Elefant im Porzellanladen.“ „Ist doch wurscht, wie das Tier heißt. Ich war nicht nett mit meinen Fragen. Nun mag er mich bestimmt nicht mehr leiden.“

Anne zog Tina in die Arme. „Deshalb ist er dir bestimmt nicht böse. Aber du solltest vielleicht lernen, nicht so viele Fragen zu stellen. Manche Menschen fühlen sich dann bedrängt und können damit nicht umgehen.“ Tina sah nachdenklich vor sich hin, dann strahlte sie. „Ich male ihm ein Bild und dann entschuldige ich mich bei ihm.“ Eigentlich wollte Anne das gar nicht, aber wenn Tina das Gefühl hatte, sich entschuldigen zu müssen, würde sie nicht Nein sagen. Aber sie nahm sich vor, mit Herrn Hausmann zu reden.

Tina malte ein schönes Bild und stapfte damit die Treppe hoch zum Zimmer von Sebastian. Ihr Herz klopfte ganz doll und sie fragte sich, ob Sebastian böse auf sie war. Vielleicht würde er auch die Tür gar nicht aufmachen. Vielleicht … Aber bevor sie sich noch mehr ausmalen konnte, ging die Tür auf. Sebastian sah sie an wie immer, ernst, aber nicht unfreundlich. „Hallo Tina, was kann ich denn für dich tun?“ Tina schluckte, dann sprudelte sie los: „Ich hab ein Bild für dich gemalt, weil ich die traurig gemacht habe. Und ich wollte mich entschuldigen. Mama sagt auch immer, ich frage den Leuten Löcher in den Bauch und das will ich nicht. Weil ich dich mag, hab ich gefragt, aber nicht, weil ich dich verletzen wollte.. Mama sagt, auch mit Fragen kann man verletzen. Bist du verletzt. Tut dir was weh? Soll ich vielleicht ein Pflaster holen oder brauchst du ein Kühlpack? Ich kann auch Mama fragen ob sie Schmerztabletten hat, die helfen, wenn einem etwas ganz doll wehtut.“ An dieser Stelle musste Tina Luft holen und Sebastian bekam die Gelegenheit, ihr zu antworten. „Zuerst einmal, meine kleine Freundin, hast du mir nicht wehgetan. Weh tut mir meine Vergangenheit, meine Gedanken. Dafür kannst du aber nichts. Und gegen die Schmerzen, die ich habe, helfen keine Tabletten. Aber lieb von dir, dass du mir helfen willst.“ Er sah auf das Bild, dass Tina ihm hinhielt. Es zeigte einen Berg und drei Figuren beim Rodeln. „Das ist wunderschön“, sagte Sebastian mit einem Kloß im Hals. Danke Tina.“ Sein Handy klingelte und er sah Tina entschuldigend an. „Ich muss da leider dran gehen. Aber ich bin nicht böse auf dich ok?“ Tina nickte und Sebastian schloss die Tür.


Kapitel 9
8. Dezember

Anne brachte Chris persönlich zur Schule und ging dann sofort zum Direktor. Sie hatte eine Wut im Bauch, die sie unbedingt bezwingen musste. Es nutze nichts, wenn sie nicht ruhig blieb. Deshalb betete sie um Ruhe und die richtigen Worte. Der Rektor war noch nicht da, na toll. Die Sekretärin bat sie, einen Moment Platz zu nehmen. Aus dem Moment wurde eine halbe Stunde. Dann kann der Rektor herein, bat um eine Tasse Kaffee und 10 Minuten, in denen er nicht gestört werden sollte. Anne hatte er einfach übersehen.

Nicht aufregen, ganz ruhig bleiben. Anne zwang sich dazu, nicht aufzuspringen und einfach ins Rektorzimmer zu stürzen. Endlich geruhte der hohe Herr, sie zu sich zu bitten. Er hielt sich auch nicht mit langen Vorreden auf, sondern erklärte ihr, dass Chris kurz davor stand, von der Schule suspendiert zu werden. Dass man von einem Kind mit solch einem Vater nicht erwarten könne, dass es sich in den Schulalltag einfügt. Die Brutalität ihres Kindes sei gefährlich und er würde solch ein Verhalten nicht tolerieren.“ Anne kochte vor Wut. Diese Anschuldigungen entbehrten jeder Grundlage. Sie unterbrach den Rektor freundlich, aber bestimmt: „Haben sie die anderen Kinder gefragt, wie es zu dem Zwischenfall gekommen ist? Was sagt die Klassenlehrerin über das Verhalten meines Sohnes? Wie kommen die anderen Lehrer und Kinder mit ihm zurecht. Ach und die wichtigste Frage ist: Haben sie gesehen, was passiert ist? Und woher Maggie einen Bluterguss im Gesicht hat? Oder hat nur ihr Kegelbruder, der hochverehrte Herr Bürgermeister ihnen den Sachverhalt erklärt.“ Anne holte tief Luft, dann fuhr sie fort: Ich werde es nicht zulassen, dass sie ein Kind, als Schläger abstempeln, nur weil sie mit seinem Vater Probleme hatten. Und ich werde nicht zulassen, dass Chris für etwas bestraft wird, dass er gar nicht getan hat. Sollten sie die Sache nicht restlos aufklären und meinen Sohn bestrafen, statt der wirklich schuldigen Person, dann wird das Konsequenzen haben. Guten Tag.“ Anne stand auf und ging.

Vor der Schule setzte sie sich in ihr Auto und weinte. Sie konnte gar nicht anders. Die Tränen liefen über ihre Wangen, wie kleine Bäche. Da klopfte es an die Scheibe. Erschrocken fuhr sie hoch und sah mit tränenfeuchten Augen in das Gesicht von Sebastian Hausmann.
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BeitragVerfasst am: 11.12.2017, 07:53    Titel: 11. Dezember Antworten mit Zitat

Das hatte gerade noch gefehlt, dass ein Gast sie so sah. Nun konnte sie daran nichts mehr ändern. Sie ließ die Scheibe herunter und sagte: „Hallo, was machen Sie denn schon so früh in der Stadt?“ „Das ist nicht wichtig. Wichtiger ist, wer hat sie zum Weinen gebracht?“ Seine Stimme klang mitfühlend und das gab ihr irgendwie den Rest. Sie schluchzte und die Tränen rannen von Neuem über ihr Gesicht. „Darf ich einsteigen?“ Aber bevor sie ihm antworten konnte, war er schon um den Wagen herum gegangen und öffnete die Beifahrertür.
Er setzte sich und reichte ihr ein Taschentuch. „Was ist passiert? Wer hat sie so durcheinandergebracht, dass sie jetzt hier sitzen und weinen? Bitte lassen sie mich helfen, wenn ich kann.“ Sie schniefte. Dann riss sie sich zusammen und berichtete kurz, was geschehen war. „Ich habe alles im Griff“, beendete sie den Bericht. „Nur finde ich es ungerecht, einen Menschen nach seinen Eltern zu beurteilen. Oder überhaupt zu urteilen, ohne alle Fakten zu kennen. Wenn schon in der Schule die Beziehungen höher gewertet werden, als die Wahrheit, wo soll das hinführen?“

Sebastian sah sie lange schweigend an, dann meinte er: „Ob es hilft, mal mit dem Bürgermeister zu reden?`“Anne schüttelte den Kopf. „Der Bürgermeister kann unsere Familie nicht leiden. Er boykottiert alles, was wir planen. Um mein Hotel aus den roten Zahlen zu bekommen, hatte ich vor, noch eine Hypothek aufzunehmen und ein kleines Schwimmbad zu bauen. Die Pläne waren gut. Alles war genau kalkuliert. Die Bank hätte mir das Geld auch gegeben, aber der Bürgermeister hat meinen Antrag abgelehnt. Angeblich, weil ein Schwimmbad nicht in die Landschaft passt. Tolle Begründung oder?“

Sebastians Zähne knirschten, so fest biss er sie zusammen. Wo war er da nur hineingeraten? Wie sollte er sie trösten? Warum wollte er sie überhaupt trösten? Bevor er noch etwas sagen konnte, sprach sie weiter: „Mein Hotel ist nur noch bis zum 31. 12. 2012 mein Hotel. Deshalb auch der Adventskalender. Ich möchte, dass es für die Kinder ein Abschied vom Hotel wird, den sie in guter Erinnerung behalten. Sie sollen nicht merken, wie weh mir das alles tut. Das Hotel ist alles, was ich wollte. Dort bin ich geboren und meine Kinder auch. Als kleines Mädchen habe ich schon gewusst, dass ich das Hotel einmal leiten wollte. Träume gehen aber nicht immer in Erfüllung.“ Wehmütig sah sie ihn an. „Danke, dass sie zugehört haben. Leider bin ich schon etwas spät dran und muss jetzt los. Kann ich sie mit zurücknehmen?“ Sebastian verneinte und stieg aus. Er konnte nicht neben ihr sitzen und sehen, wie sie litt.

Erst beim Mittagessen sah er sie wieder. Anne lächelte und scherzte mit den Gästen, als sei nichts geschehen. Sie hatte eine Art mit den Menschen umzugehen, die man nicht lernen konnte. Ihre Herzlichkeit war echt und die Gäste fühlten sich von ihr ernst genommen. Sie war perfekt für den Posten, den sie innehatte. Sebastian bekam Magenschmerzen, wenn er daran dachte, dass gerade er ihr das Hotel wegnehmen würde. Und er fühlte sich gar nicht gut dabei, dass er es ihr noch nicht gesagt hatte. Zu beginn seines Aufenthalts hatte er vorgehabt, ihr zu sagen, dass er der neue Besitzer war. Je besser er sie aber kennenlernte, desto schwerer wurde es für ihn. Besser wäre es, einfach abzureisen und seinen Angestellten die Abwicklung zu überlassen. Er müsste sie und das Hotel nie wiedersehen. Eine saubere Sache, dachte er. Aber eine andere Stimme in seinem Kopf meinte, „Feigling“.

Um 15 Uhr war Türchenöffnen angesagt. Alle trafen sich in vor dem Kalender. Aber was war das? Das Türchen war schon geöffnet. Schnipsel lagen vor dem Türchen und ein Zettel lag auf dem Boden. Sigrid und Anne sahen sich verstohlen an und zwinkerten sich zu. Tina stürzte sich auf den Zettel und lugte hinter das Türchen. „Mami, da ist nichts mehr drin, nur Schnipsel.“ Chris nahm ihr den Zettel aus der Hand. „Schaut mal, da sind ausgeschnittene Buchstaben drauf.“ Sebastian sah Anne an und die musste sich ein Grinsen verkneifen. „Was steht denn da?“ Frau Simon hatte diese Frage gestellt und Chris las vor: „Wenn ihr den Inhalt dieses Türchens wiederhaben wollt, dann müsst ihr ihn suchen. Aber ihr werdet ihn sicher nicht finden, denn ich bin viel schlauer als ihr. Der Weihnachtsdieb.“ Tina war empört. Sie holte tief Luft, aber bevor sie sagen konnte, was sie sagen wollte, ergriff Anne das Wort. „Seltsame Geschichte. Dabei war so etwas Schönes hinter diesem Türchen. Da hat der Weihnachtsdieb uns aber ganz schön ausgetrickst. Schade, da kann man dann wohl nichts machen.“ „Was?“, quietschte Tina. „Das geht nicht Mami. Ich möchte wissen, was hinter dem Türchen war. Bitte Mami.“ „Dann musst du den Weihnachtsdieb suchen, Tina.“ Tante Sigrid sah sie liebevoll an. „Vielleicht hilft dir ja jemand dabei.“ Chris hatte sich umgesehen und lachte. „Mensch Tina guck mal, da sind überall Schnipsel. Wir müssen nur den Schnipseln folgen.“ Er rannte los und sah, dass die Schnipsel aus dem Hotel hinaus führten. Schnell war er wieder bei den anderen. „wir müssen uns anziehen und der Spur folgen, wer kommt mit?“ Die meisten Gäste wollten sich diesen Spaß nicht entgehen lassen und so machten sich fast alle, warm angezogen, auf den Weg.

Die Schnipsel führten zum Waldrand und dort teilten sie sich. Was nun? Sebastian hatte so etwas noch nie mitgemacht, aber es gefiel ihm. Er sah sich die Schnipselspuren an und meinte: „Ich glaube, wir müssen uns aufteilen.“ Gesagt, getan. Nun liefen zwei Gruppen durch den Schnee und folgten der Schnipselspur. Die Kinder waren ganz aufgeregt und die Erwachsenen ließen sich anstecken. „Das ist wie ein großes Abenteuer“, flüsterte Tina, die neben Sebastian herlief. Immer tiefer ging es in den Wald. Tina stolperte und Sebastian fing sie gerade noch auf, bevor sie hinfiel. Sie griff nach seiner Hand und hopste fröhlich weiter. Wieder ein neues Gefühl für Sebastian. Tina vertraute ihm. Aber dieses Vertrauen hatte er nicht verdient. Es war zum verrückt werden. Auf der einen Seite fühlte sich das alles gut an, auf der anderen Seite hatte er ein schlechtes Gewissen. Was sollte er tun? An dieser Stelle wurden seine Gedanken von einem lauten Schrei unterbrochen.

Sebastian sah auf und entdeckte ein Häuschen im Wald. Der Schrei war von Klaus gekommen. Einem kleinen Jungen, der gerade erst gestern mit seinen Eltern im Hotel eingetroffen war. Er gehörte zur zweiten Gruppe. Die Schnipsel hatten sie vor dem Häuschen wieder zusammengebracht. Vor der Tür standen Sigrid und das Ehepaar Simon. Wie waren die denn hierher gekommen? Aber es blieb zum Fragen keine Zeit. Alle stürmten in die Hütte, wo es belegte Brötchen, Kuchen und Kekse gab. Dazu heißen Kakao oder Kaffee. Es war gemütlich in dem kleinen Häuschen. Aber war das die tolle Adventskalenderüberraschung?
Langsam wurde es dunkel und ein junger Mann fragte: „Müssen wir nicht bald aufbrechen. Wir haben keine Lampen mit und im Wald ist es stockfinster.“ Anne sagte lächelnd: „Keine Sorge, wenn die Glöckchen erklingen, dann kommen wir alle gut und sicher zum Hotel zurück.“ Sehr geheimnisvoll, fand Sebastian. Aber da hörte er sie auch schon. Das klingeln vieler kleiner Glöckchen. Die Kinder stürzten ans Fenster. Klaus rief aufgeregt: „Mami, da kommen ganz viele Pferdekutschen, mit so Lichter dran.“ „Fackeln“, ergänzte Tina und lachte. „Eine Kutschfahrt. Juchhuuuuuuu.“
Nun war auch klar, wie Sigrid und das ältere Ehepaar hierher gekommen waren. Alle waren begeistert. Und als alle angezogen und auf die Kutschen verteilt waren, stimmten die ersten Weihnachtslieder an. So ging es zurück zum Hotel. Das war ein Erlebnis, das in keinem Prospekt stand, dass Sebastian kannte. Fröhliche Menschen, die wie eine Familie einen Ausflug machten, die gemeinsam sangen und lachten. Und wieder meinte er, ein „pling“ zu hören.
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BeitragVerfasst am: 11.12.2017, 22:08    Titel: 12. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 10
9. Dezember

Es war noch dunkel draußen, als Sebastian am nächsten Tag aufwachte. Es war ein schöner Tag gewesen, zumindest der zweite Teil des Tages. Er dachte über Anne und die Sache mit der Schule nach. Eigentlich ging es ihn ja gar nichts an. Warum sollte er sich dafür interessieren, wie die Leute hier Anne und ihre Kinder behandelten? Lag es an seinem schlechten Gewissen? Das war es, er hatte ein schlechtes Gewissen. Heute wollte er Anne erzählen, dass er das Hotel gekauft hatte und auch alles andere, was damit zusammenhing. Zufrieden mit sich selbst, drehte Sebastian sich auf die andere Seite und schlief noch einmal ein.

Anne war schon wieder früh auf den Beinen. Heute würden neue Gäste kommen und das Ehepaar Simon würde abreisen. Schade dachte Anne, es waren so nette Gäste. Sie würde sich persönlich verabschieden, das tat sie immer.

Ein Blick auf die Uhr sagte ihr, dass sie zum Frühstück in ihre Wohnung gehen musste. Das war eine Gepflogenheit, die ihr wichtig war. Anne versuchte, so viel Zeit wie möglich, mit ihren Kindern zu verbringen. Tina saß strahlend am Tisch und begrüßte ihre Mutter mit einem Lächeln. Chris murmelte ein leises „morgen“. Aber Anne ging erst einmal nicht darauf ein. Sie erzählte, dass eine Wagenladung Tannenzweige eingetroffen sei und das Nina, dass Zimmermädchen es geschafft hatte, ein ganzes Tablett mit Gläsern fallen zu lassen. Tina kicherte und Chris hob interessiert den Kopf. Aber es war Tante Sigrid, die die Frage stellte, die alle interessierte: „Wo hat sie das Tablett denn fallen lassen?“ „Zufällig direkt hinter Manuel.“ Anne konnte sich ein Lachen nicht mehr verbeißen. „Er ist in die Luft gegangen, das könnt ihr euch ja denken. Und Nina hat ihn ganz unschuldig angeguckt. Was weiter passiert ist, weiß ich nicht. Vorsichtshalber habe ich die Küche verlassen.“ Nun lachten alle. Sie wussten, dass Nina in Manuel verliebt war, der es aber scheinbar nicht merke. Scheinbar, denn Anne wusste es besser. Immer wenn Manuel sich unbeobachtet fühlte, sah er Nina mit einem Blick an, der Bände sprach. Anne war aber schlau genug, sich nicht einzumischen.

Nach dem Frühstück brachte Anne Chris zur Tür. „Alles in Ordnung?“, fragte sie leise. „Am liebsten würde ich zu Hause bleiben Mama. Es macht keinen Spaß in der Schule, nur weil ihre Väter einen tollen Job haben, hacken sie auf mir herum. Sie sind was Besseres und das lassen sie mich spüren“ Anne hätte ich am liebsten in die Arme gezogen, aber sie wusste, dass es in der Öffentlichkeit nicht ratsam war. Chris war schließlich kein Baby mehr. Sie legte ihm aber die Hand auf die Schulter und sah ihn liebevoll an. „Hör mir jetzt bitte genau zu, Chris. Was ich dir jetzt sage, ist mein ernst und sehr wichtig. Du bist nicht weniger Wert, als sie. Jeder ist für das verantwortlich, was er selber tut. Nur weil der Vater ein großes Tier ist, muss der Sohn nicht genauso weit kommen. Außerdem ist es nicht so wichtig, was man für einen Beruf hat. Viel wichtiger ist, dass man ein Herz hat. Du, Chris, bist ein Geschenk. Gott hat dich mir geschenkt und er liebt dich. Er hat dich gemacht, so wie du bist. Was du daraus machst, ist deine Sache. Du kannst dich entscheiden, ob du den richtigen Weg gehst und auf dein Herz hörst oder nur auf den Verstand. Es ist dein Leben und was du daraus machst, liegt an dir. Und welche Hilfe du auch immer brauchst, um deinen Weg zu finden, ich bin da. So und nun lauf und denk daran, ich hab dich lieb.“
Chris sah sie ernst an und dann schlang er die Arme um ihre Taille. „Ich hab dich auch lieb Mama.“ Dann drehte er sich um und sauste davon.

Sebastian stand in der Tür zum Speiseraum und hatte ihre Worte gehört. Warum hatte nie jemand so mit ihm geredet? Wo wäre er heute, wenn seine Eltern anders gewesen wären? Sein Handy riss ihn aus den Gedanken. Es war seine Sekretärin. Sie berichtete, dass die Arbeitsagentur einige Kandidaten für die Stellenausschreibung geschickt hätte. Im ersten Moment wusste Sebastian gar nicht, welche Stellenausschreibung sie meinte. Aber dann fiel es ihm siedend heiß ein. Er brauchte ja Personal für das Hotel. Wo war er mit seinen Gedanken. Eigentlich müsste er nun zurückfahren und sich darum kümmern. Aber er wollte nicht. Wozu hatte er einen Personalchef, sollte der das doch machen. Ja genau, er würde delegieren und noch hierbleiben.
Gut gemacht Sebastian, dachte er gerade noch, als er sah, dass Anne im Gespräch mit einem Mann an der Rezeption stand. Na großartig, das hatte ihm gerade noch gefehlt. Was machte Meyer - Berg denn hier? Anne sah nicht fröhlich aus und Sebastian schwante Böses. Und er sollte recht behalten. Schnell ging Sebastian auf die Beiden zu. Meyer – Berg begrüßte ihn überschwänglich und teilte ihm freudestrahlend mit, dass die Genehmigung für den Pool ind den Tennisplatz da sei und er die neuen Entwürfe mitgebracht habe. Aber Sebastian hörte ihm gar nicht zu. Er sah Anne an, die sich langsam zu ihm umgedreht hatte. Mit Zorn hatte er gerechnet und sich schon mal dagegen gewappnet. Aber was er in ihren Augen sah, machte ihn hilflos. Enttäuschung und eine tiefe Traurigkeit standen in ihren Augen. Wortlos ließ sie die beiden Männer stehen und ging zu ihren Privaträumen.

Sebastian hätte Meyer – Berg am liebsten erwürgt. Aber wenn er ehrlich war, traf ihn die Schuld, nicht seinen Angestellten. Später würde er Anne alles erklären. Zuerst einmal musste er sich anhören, was es in der Firma Neues gab.

Anne brauchte eine halbe Stunde, um einigermaßen die Fassung zurückzugewinnen. Es war nicht das erste Mal, dass man sie reingelegt oder hintergangen hatte. Sicher wäre es auch nicht das letzte Mal. Sie ging wieder an die Arbeit und lächelte freundlich, wen sie angesprochen wurde. Später fuhr sie in den Ort um Besorgungen zu machen und sich etwas zu gönnen, was sie selten in Anspruch nahm. Sie würde den Geburtstagsgutschein einlösen, den sie von Tante Sigrid bekommen hatte und sich einen Friseurbesuch gönnen.. Um den Adventskalender würde sich Tante Sigrid kümmern.

Im Hotel wunderten sich einige Gäste, dass Anne nicht da war, aber sie vergaßen es schnell wieder, als sie erfuhren, was im Adventskalender versteckt war. Im großen Saal lagen berge von Tannenzweigen und wer lust hatte, war eingeladen, den Raum mit Tanne zu dekorieren. Bis auf ein Ehepaar aus Bonn machten alle mit. Im Saal gab es genug Leitern, Blumendraht, Kabelbinder, Blumenscheren und Lichterketten, sodass jeder sich austoben konnte. Frau Mahler, eine Dame mittleren Alters, war ganz in ihrem Element. Begeistert machte sie sich daran, eine Tannengirlande zu binden. Sie zeigte den anderen, wie es ging und bald schon waren alle beschäftigt. Alle? Nein, Sebastian hatte gehofft Anne zu finden. Aber da sie nicht da war, zog er sich auf sein Zimmer zurück. Er ärgerte sich über sich selber. Warum hatte er nicht gleich am ersten Tag gesagt, was zu sagen war? Würde sie ihn jemals wieder freundlich anlächeln? Sicher nicht, denn sie musste sich verraten fühlen. Hatte er sie nicht gerade noch getröstet, weil der Bürgermeister ihr die Baugenehmigung verweigert hatte. Er hatte sie mit Leichtigkeit bekommen und auch die Genehmigung einen Teil des Waldes abzuholzen. Sie würde ihn wahrscheinlich vor die Tür setzen und das zu Recht.

An diesem Tag bekam er Anne nicht mehr zu sehen. Sie hatte sich durch den Hintereingang ins Haus geschlichen und war in ihren Privaträumen geblieben.
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BeitragVerfasst am: 13.12.2017, 00:16    Titel: 13. Dezember Antworten mit Zitat

Kapitel 11
10 Dezember

Anne blieb auch an diesem Tag verschwunden, zumindest für Sebastian. Er hatte das Gefühl, wenn er einen Raum durch die eine Tür betrat, hatte sie ihn gerade durch eine andere Tür verlassen. Sogar an die Tür zur Privatwohnung hatte er geklopft, aber nur die Tante angetroffen. Sie hatte freundlich gefragt, was sie für ihn tun könne, aber ihre Augen hatten ihn
wütend angesehen. Von ihr hatte er die Auskunft bekommen, dass Anne im Hotel sei und sehr beschäftigt.

Gut gemacht Sebastian, dachte er. Das hast du hervorragend hinbekommen. Als es Zeit für den Adventskalender war, ging er in die Halle. Gewiss würde er nun Anne treffen. Aber es war Tante Sigrid, die mit den Gästen plauderte und ein Türchen öffnen ließ, als alle da waren.
Heute gab es wieder eine gemütliche Lesestunde im kleinen Saal. Die Gäste freuten sich auf einen gemütlichen Nachmittag und folgten Tante Sigrid.

Sebastian war enttäuscht. Warum kam Anne nicht? Er wollte doch mit ihr reden. Sie musste doch einfach verstehen, warum er so gehandelt hatte. Wie konnte sie erwarten, dass er ihr sofort ehrlich sagte, wer er war? Konnte sie nicht begreifen, dass Geschäftsleute nicht immer so offen und ehrlich sein konnten? Die Konkurrenz schlief nicht und ein falsches Wort, konnte zu finanziellen Einbußen führen. Und darum ging es doch. Seine Firma sollte eine der größten sein.

Als Sebastian seine Tür aufgeschlossen hatte, stand plötzlich Chris neben ihm. Ohne große Vorrede sagte der Junge: „Warum ist meine Mama so traurig? Was hast du zu ihr gesagt?“ Sebastian sah in große blaue Augen, die so tiefblau waren, wie Annes Augen. „Was ich zu deiner Mutter sage, geht dich gar nichts an.“ Sebastian fühlte sich hilflos und dann wurde er immer sehr leicht abweisend. Aber Chris ließ sich davon nicht abschrecken. „Wir sind eine Familie. Da ist einer für den anderen da. Meine Mama beschützt uns und ich versuche, sie zu beschützen. Und ich habe gehört, wie meine Mama heute Nacht geweint hat. Und gestern Abend hat sie Tante Sigrid erzählt, dass du nicht ehrlich warst. Meine Mama hasst Lügner.“
Sebastian schluckte. Hatte er es nötig, sich vor einem Kind zu rechtfertigen? Nein.
„Ich habe nicht gelogen“, sagte er trotzdem. „Aber du hast auch nicht alles erzählt und das ist manchmal noch schlimmer. Du tust, als magst du uns, aber das stimmt nicht. Ich verstehe nur nicht, warum du das machst.“ Chris schwieg einen Moment und Sebastian hoffte, er würde nun gehen. Aber das tat der Junge nicht. Er legte den Kopf schief und sah Sebastian ernst an.
„Wir haben hier Probleme genug. Meine Mama denkt, ich weiß davon nichts. Aber ich sehe und höre viel. Mit diesen Problemen hat Mama genug zu tun. Da braucht sie niemand, der Spiele mit ihr spielt. Ich habe auch Probleme mit Jungen aus der Schule. Die sind echt fies zu mir, aber die sagen wenigstens offen, was los ist. Das ist besser, als das was du gemacht hast.“
Chris sah ihn noch einen Moment an, dann drehte er sich um und ging.

Was bildete der Junge sich ein? Was sollte das denn? Stellte er Sebastian auf die gleiche Stufe, wie den Sohn vom Bürgermeister? Das konnte ja wohl nicht wahr sein. Anne sollte dem Kind mal bessere Manieren beibringen. Wütend stapfte Sebastian in sein Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.

Anne war froh, als sie am Abend in ihre Wohnung gehen konnte. Endlich Feierabend. Sie sah nach den Kindern. Tina lag wieder quer über der Decke. Lächelnd legte Anne sie zurecht und deckte sie zu. Ein Küsschen auf die Stirn und ein geflüstertes „ich hab dich lieb“ folgten. Dann ging Anne ins nächste Zimmer. Zu ihrem Erstaunen war Chris noch wach. „Warum schläfst du noch nicht?“ Chris schaute schuldbewusst und entgegnete: Ich habe auf dich gewartet. Mami ich hab Mist gemacht, glaub ich.“ Anne setzte sich zu ihm auf die Bettkante. „Was hast du denn angestellt?“ „Ich hab Sebastian gesagt, dass er dich nicht traurig machen darf. Und dass ich die beschützen würde, weil wir doch eine Familie sind und uns lieb haben.“ Anne hatte nicht gewollt, dass ihre Kinder etwas von der ganzen Sache mitbekamen, aber nun war es zu spät. Sie hatte Chris unbewusst damit belastet. „Es tut mir leid, Chris. Ich wollte nicht, dass du damit hineingezogen wirst. Du musst dich damit nicht belasten. Ich regle das schon.“ Einen Moment schwieg Chris, dann sagte er: „Mami, du bist immer für mich da. Wenn ich traurig bin, dann tröstest du mich. Wenn ich Probleme habe, hilfst du mir. Warum darf ich dir nicht auch helfen?“ Gute Frage. Anne wusste keine gute Antwort. Statt dessen fragte sie: „Warst du unhöflich zu Sebastian?“ Entrüstet sah Chris auf. „Er ist unser Gast. Gäste werden höflich behandelt. Ich hab nur gesagt, was ich denke. Und das war nicht frech oder unhöflich, nur die Wahrheit.“ Liebevoll strich Anne ihm über die Wange. „Gerade merke ich, dass du kein Baby mehr bist. Du bist ein großer Junge, der mehr sieht, als ich dachte. Chris, es tut mir leid, wenn ich nicht bemerkt habe, wie verständig du bist. Und danke, dass du mir helfen willst. Ich hab dich lieb mein Großer.“ Chris strahlte. „Mama, wir halten zusammen. Du, Tina, Tante Sigrid und ich, wir sind eine Familie und wir beschützen uns gegenseitig. Und wenn einer traurig ist, wird er von den anderen getröstet.“ „Genau Chris. So, mein Lieber, nun wird aber geschlafen.“

Anne dachte lange über das Gespräch mit Chris nach. Sie erinnerte sich an die Zeit, als er noch klein war. Er war so ein richtiger Wonneproppen gewesen. Wann hatte er eigentlich seinen Babyspeck verloren? Er war so schnell groß geworden und sie hatte es gar nicht richtig mitbekommen. Wehmut stieg in ihr auf. Sie musste hart arbeiten und hatte weniger Zeit für die Kinder, als sie gern gehabt hätte. Aber sie waren zusammen und das zählte. Erschöpft schlief Anne schließlich ein.



Kapitel 12
11. Dezember

An diesem Tag bekam Sebastian schon vor dem Frühstück einen dringenden Anruf aus seiner Firma. Es gab Probleme, die nur er lösen konnte. Und er konnte sie nicht vom Hotel aus lösen. Erst wollte er seine Sachen im Hotel lassen, aber dann entschied er, alles mitzunehmen und das Zimmer zu bezahlen. Er würde nicht wieder kommen. Zumindest nicht mehr in diesem Jahr.

Anne stand an der Rezeption, als er auscheckte. Freundlich, aber distanziert wünschte sie ihm eine gute Heimreise. Er wollte ihr sagen, warum er nicht offen zu ihr gewesen war. Aber er fand nicht die richtigen Worte. So setzte er seine „Geschäftsmaske“ auf und verabschiedete sich.
Vor dem Hotel musste er noch einen Moment auf das Taxi warten. Eine kleine Gestalt erschien neben ihm. Traurige blaue Augen sahen ihn an. „Ich dachte, du bist mein Freund. Und dann fährst du und sagst noch nicht einmal Auf Wiedersehen. Hier, ich hab dir ein Geschenk gemacht. Kannst du auspacken, wann du willst. Eigentlich wollte ich es dir nicht mehr geben, aber Mami sagt immer, dass man nicht gleich mit gleich machen soll. So ähnlich sagt sie das.“ Bevor Sebastian sich bedanken konnte, war sie wie der Blitz verschwunden. Hatte er Tränen in ihren Augen gesehen? Er wollte ihr nachgehen, aber da kam das Taxi. Besser so, dachte er und stieg ein.

Anne stand noch immer in der Halle, als Tina hereingestürzt kam. Sie rannte direkt auf ihre Mutter zu und Tränen liefen über ihre Wangen. „Mami, warum gehen immer alle weg? Ich dachte er ist unser Freund.“ Anne streichelte ihren Rücken. „Sebastian hat eine große Firma. Er kann nicht wochenlang Urlaub machen.“ Tina schniefte. Gerade wollte sie etwas erwidern, als es in der Küche schepperte. Nina kam aus der Küche gerauscht, blieb abrupt stehen, als sie Anne sah, und lief tomatenrot an. Nicht schon wieder, dachte Anne gerade, als die Tür erneut aufging und Manuel erschien. Wütend ging er auf Nina zu, aber Anne war schneller. Sie stellte sich zwischen die beiden und sagte mit ruhiger fester Stimme: „In mein Büro, alle beide.“

Tina kicherte. Ihre Mami brachte Nina und Manuel dazu, auszusehen wie zwei Kinder. Sie gingen hinter Anne her und Tina hätte gern Mäuschen gespielt. Aber Tante Sigrid kam ihr in die Quere.

In Annes Büro war es still. Manuel und Nina standen vor ihr und warteten auf den Tadel, der nun folgen musste. Sie hatten ihre privaten Angelegenheiten in der Öffentlichkeit ausgetragen. Das war unmöglich gewesen und das wussten beide. Stumm warteten sie auf Annes Urteil. Anne sah von einem zum Anderen. „Könnt ihr beide mir mal sagen, warum ihr euch immer in die Haare bekommt?“ Keine Antwort. „Wenn ihr es nicht könnt, kann ich euch da vielleicht auf die Sprünge helfen.“ Sie nahm einen Umschlag vom Schreibtisch und reichte ihn Manuel. „Öffne ihn bitte:“ Manuel rechnete mit seiner Kündigung. Aber so hart konnte die Chefin doch nicht sein oder? Mit zitternden Fingern öffnete er den Brief. Dann las er die Karte und grinst.
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BeitragVerfasst am: 13.12.2017, 22:54    Titel: 14. Dezember Antworten mit Zitat

Die Karte war ein Gutschein für ein Abendessen zu zweit und einen Kinobesuch. Auf dem beiliegenden Zettel stand:

„Liebe Nina, lieber Manuel, vielleicht solltet ihr euch beim Abendessen Zeit nehmen, miteinander zu reden. Dann könnt ihr den Kinobesuch hinterher besser genießen. Mein Geschirr und die Gäste werden es euch danken. 
Anne“

Nina und Manuel sahen sich verlegen an. Manuel räusperte sich, bekam aber kein Wort heraus. Anne lachte: „Nun macht, dass ihr an die Arbeit kommt.“ Das ließen sie sich nicht zweimal sagen.
Als Anne wieder allein war, dachte sie darüber nach, welch seltsame Wege das Leben manchmal ging. Manches war für andere so klar und vorhersehbar, für einen selber aber unvorstellbar. Nina und Manuel arbeiteten nun schon eine ganze Weile miteinander. Jeder im Hotel hatte gemerkt, was sie füreinander empfanden. Nur sie selber hatten es nicht beim anderen bemerkt. Hoffentlich half das gemeinsame Abendessen, um Klarheit zu schaffen.
Das Telefon klingelte und Anne stürzte sich wieder in die Arbeit.

Sebastian hielt das Päckchen in der Hand. Es reizte ihn, sofort hineinzusehen, aber der voll besetzte Zug war wohl nicht der richtige Platz. Er stopfte das Päckchen wieder in die Tasche und nahm sein Handy heraus. Da er genug zu tun hatte, konnte er auch gleich damit anfangen und schon einige Gespräche führen. Ein knallharter Geschäftsmann wie er, bekam auch die größten Probleme in den Griff, da war er sicher.

Kurz vor Mitternacht kam Sebastian in seine Wohnung. Wie erwartet hatte er das Problem gelöst. Wieder hatte eine Investition großen Gewinn gebracht. Und er konnte das Geld gleich wieder in ein neues Projekt stecken. Diesmal wollte er einen großen Einkaufskomplex bauen. Einen geeigneten Platz hatte er auch schon gefunden. Einige Kleinigkeiten mussten noch geklärt werden, aber dann konnte die Planung losgehen. Sebastian sah seine Notizen durch. Das größte Problem würde der Abenteuerspielplatz sein, der im Weg war. Aber da ließ sich sicher etwas drehen. Kinder konnten doch überall spielen.

Sebastian holte sich ein Glas Whiskey und setze sich ans Fenster. Die Stadt war so hell erleuchtet, dass man die Sterne nur ganz wage wahrnehmen konnte. Ganz anders wie in den Bergen. Bei diesem Gedanken fiel ihm Tinas Geschenk ein. Er nahm es aus der Tasche und öffnete es. Es war ein Bilderrahmen mit einem selbst gemalten Bild von Tina daran. Sebastian schluckte. Sie hatte ein Bild von der Kutschfahrt gemalt. Er war auch auf dem Bild. Und alle Gesichter zeigten ein breites Lächeln, seins auch. Als er das Geschenkpapier weglegen wollte, fiel ein Zettel heraus. Darauf stand: „Lieber Sebastian, ich freue mich dolle, dass du in unser Hotel gekommen bist. Ich mag dich und wünsche mir, dass du immer mein Freund bist. Frohe Weihnachten und Gott beschütze dich. Tina“ Ihren Namen hatte Tina selber geschrieben, der Rest war von jemand anders geschrieben worden. Er drehte den Zettel herum und entdeckte eine kleine Notiz auf der Rückseite: Tina hat mir diesen Brief diktiert. MfG Sigrid.

Ein seltsames Gefühl machte sich in Sebastian breit. Aber weil er damit nicht umgehen konnte, warf er das Bild und den Zettel auf den Tisch und stand auf. Wütend stapfte er durch das Zimmer. Wie kam die Kleine dazu, ihn so unter Druck zu setzen? Er hatte für so etwas gar keine Zeit. Seine Geschäfte gingen vor. Er griff nach dem Bild und dem Zettel. Sein erster Impuls war, beides in den Müll zu werfen. Aber dann legte er es in eine Schublade.

Im Hotel lag Anne noch wach in ihrem Bett. Tina hatte sich in den Schlaf geweint. Warum kann man seine Kinder nicht vor Enttäuschungen bewahren, dachte Anne. Am liebsten würde sie ihre Kinder vor allem beschützen. Sie sollten nur schöne Dinge erleben und nie leiden. Nachdem sie sich noch ein paar Mal hin und her gewälzt hatte, stand sie auf. Sie würde sich einen heißen Kakao machen. Die Idee hatte auch ihre Tante und so saßen beide Frauen kurz darauf mit dampfendem Kakao am Küchentisch. „Was beschäftigt dich?“, fragte Tante Sigrid. Anne erzählte ihr von ihren Gedanken. „Anne, auch Kummer und Leid haben ihren Platz im Leben. Du wüsstest nicht was Freude ist, wenn du die Traurigkeit nicht kennengelernt hättest. Die Kinder müssen ihre Erfahrungen machen und dazu gehören eben auch Tränen und Enttäuschung. Du hilfst ihnen, in dem du da bist. Hör ihnen zu, nimm sie in die Arme und zeig ihnen, dass du sie liebst und verstehst.“ Anne dachte über die Worte ihrer Tante nach. Sie hatte Recht. Manches konnte man nur verstehen, wenn man es selber erlebt hatte. Als wenn ihre Tante diese Gedanken gehört hätte, fuhr sie fort: „Das was du mit deinem Mann erlebt hast, hat dich zu dem gemacht, was du heute bist. Es hat aus einem schüchternen, liebenswerten jungen Mädchen eine selbstbewusste junge Frau gemacht. Du hast gelernt, dich durchzuboxen. Aber du trampelst dabei nicht auf deinen Mitmenschen herum, weil du weißt, wie es sich anfühlt.“ „Danke“, flüsterte Anne. Sie gab ihrer Tante einen Kuss und ging wieder in ihr Zimmer. Es war gut, mit jemandem zu reden. Endlich konnte sie auch einschlafen.



Kapitel 13
12. Dezember

Während im Hotel alles seinen Gang ging, saß Sebastian in seinem Büro und arbeitete die Akten durch, die sich angesammelt hatten. Seine Sekretärin brachte ihm die fünfte Tasse Kaffee und er hob noch nicht einmal seinen Kopf. Er war wieder der Boss. Distanziert, kompetent – kalt.

Im Hotel gab es Punsch, Kekse und eine weitere Geschichte in behaglicher Atmosphäre. In Sebastians Büro eine Unterredung mit Herrn Will über die Finanzierung für das neue Projekt. Gegensätzlicher konnten die beiden Welten gar nicht sein.

Am späten Nachmittag ließ sich Sebastian von seinem Chauffeur zu dem Spielplatz fahren, der seinem Einkaufszentrum weichen sollte. Er wollte sich selbst ein Bild machen und kalkulieren, wie viel Geld nötig wäre, um die Betreiber loszuwerden. Seinen Recherchen zufolge, war es eine Elterninitiative, die den Platz betreute.
Sebastian stieg aus und sah sich einem Spielplatz gegenüber, den er sich so nie hätte vorstellen können. Was auf den ersten Blick verwahrlost aussah, entpuppte sich auf den Zweiten als Paradies für Kinder. Es gab Spielgeräte, wie auf einem normalen Spielplatz, aber auch selbst gezimmerte Buden. Sie waren leicht schief und krumm, aber eben selbst gemacht. In den Bäumen hingen zum Teil Kletterseile, die zu Baumhäusern führten. Es gab Büsche, die geheime Verstecke verbargen und es gab Kinder. Jede Menge Kinder. Das Lachen und Kreischen war fast ohrenbetäubend. Die Kinder rannten und tobten wild durcheinander. Ihre Gesichter waren schmutzig, aber glücklich. In Sebastian zog sich etwas zusammen. Konnte er das hier wirklich durchziehen? War er fähig den Platz platt zu machen und ein neues Hausmann-Imperium darauf zu bauen? In dem Moment traf ihn ein Ball an der Schulter. Als er aufsah, kam gerade ein kleines Mädchen auf ihn zugerannt. „Das wollte ich nicht. Hab ich dir wehgetan?“ Unschuldige große blaue Augen sahen ihn an. „Alles ok“, brachte er mühsam hervor, bevor er sich umdrehte und zum Wagen ging.

Was war bloß mit ihm los? Er hatte keine Gefühle. Nur das Geschäft zählte. Aber vor seinem inneren Auge sah er Tina, ihre traurigen Augen. Wäre er doch nur nie in dieses Hotel gefahren.
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